Alles für die Quoten...

 

                                                                                                                                       von Karin Schöniger

Natürlich weiß auch ich, dass das Privatfernsehen keinen Bildungsauftrag hat, der jeweilige Sender ist lediglich der Quote verpflichtet. Wie und durch wen die Einschaltzahlen für manche Sendungen zustande kommen, ist mir allerdings rätselhaft, denn irgendwie schaut sich angeblich niemand in meinem Bekanntenkreis Ekel-TV wie „Dschungel-Camp“ an und RTL generell schon mal gar nicht, aber dennoch boomen Kochshows, Tanzshows und Bekenntnis-Shows am Nachmittag. Die Frage, was intelligente Unterhaltung ist, stellt sich gar nicht mehr. Beim „perfekten Promidinner“ z.B. ist der Unterhaltungswert offenbar erst dann gegeben, wenn sich „Promis“ bestmöglich blamieren und viele vor dem Bildschirm sitzende Hausfrauen zufrieden konstatieren: „ Ich koche viel besser!“

Erwachsene Menschen, die im Leben auch etwas geleistet haben, lassen sich vor Millionen Zuschauern bewerten und abwatschen - die Schamgrenze sinkt von Jahr zu Jahr.
„Deutschland sucht den Superstar“ lebt von der ungehemmten Pöbelei Dieter Bohlens, der – so vermute ich mal - auch keine Antwort auf die Frage hat, ob die „Künstler“, die sich so etwas antun, noch alle Tassen im Schrank haben.
Er wird für sein Pöbeln bestens bezahlt, die Verlierer der Show dagegen werden sich überlegen, ob sie nicht lieber das Land verlassen…

Auch die Bekenntnis-Talkshows, die gerade pausieren, ließen einen erschütternden Blick auf Menschen zu, die ihre Probleme, meist im zwischenmenschlichen Bereich, pöbelnd oder weinend vortrugen. Die Studiozuschauer johlten oder klatschten, auch Buhrufe waren ganz normal. Ich glaube, bei Tieren hätte man längst den Tierschutz eingeschaltet, bei menschlichem Leid zählte wieder mal nur die Quote.

Statt dieser Shows werden nun „Familien im Brennpunkt“ oder „Anwälte im Einsatz“ gezeigt.
Unter dem Deckmäntelchen des Helfenwollens werden soziale und psychische Probleme der Probanden gnadenlos aufgedeckt und dann wird „geholfen“ – wie edel!

Die Frage nach dem „Warum“ klärte sich kürzlich in einem Zeitungsartikel über das Dschungel-Camp. Jetzt ist es mir klar, es geht nicht um Ansehen oder Niveau, es geht lediglich darum, um jeden Preis bekannt zu werden und nach Ende des Fernsehvertrages Werbeverträge oder Angebote als Model oder Schauspieler abzusahnen. Fernsehrollen bei RTL gibt es obendrein, und weil das schon lange Zeit so gut klappt, ist die Liste der Bewerber für dieses Schwachmatenfernsehen lang.

Unterstützt von den Boulevardmedien steigt die Quote mit jeder Folge. Und diese Quote gibt den Fernsehsendern recht: Wir müssen uns damit abfinden, auch wenn wir es nicht verstehen.
8,33 Millionen Zuschauer schalteten bei der Neuauflage des Dschungel-Camps ein. Sie wollten im Fernsehen erleben, wie lange mehr oder weniger Prominente der unvorstellbaren Ekel-Show mit Maden, Egeln und Würmern standhalten. Kein Mitleid mit den Verlierern und freiwilligen Aussteigern wird noch jede Menge Häme hinterhergeworfen.

Doch vielleicht war es nur der gesunde Menschenverstand und das wiedererwachte Schamgefühl, das dann doch einige Kandidaten dazu
bewogen hat, von diesen Erfahrungen Abstand zu nehmen? Für mich wären sie die sympathischeren Werbeträger, aber die Quote von 8,33 Millionen Zuschauern zeigt, dass ich mich irre !
(ks)