Andalusien im Winter


Andalusien im Winter                                                 von Karin Schöniger

Mit zunehmendem Alter bilde ich mir jedes Jahr ein, den nächsten norddeutschen Winter auf keinen Fall ohne Unterbrechung zu überstehen. Spätestens im Sommer werden darum schon für Januar nächsten Jahres 2 Wochen an der Costa del Sol gebucht. Obwohl ich aus Erfahrung weiß, dass um diese Zeit auch dort das Wetter ziemlich unbeständig sein kann, träume ich unverdrossen von Sonne, Wärme, blühenden Mandelbäumen und Strandspaziergängen. Das Flugzeug landet in Malaga, im Süden Andalusiens. Schnell ist das Mietauto übergeben und los geht es über die breite Autobahn Richtung Osten, nach Nerja. Westlich hiervon liegen die Küstenorte Torrox Costa, Torre del Mar und Torremolinos, aber dort ist die Costa del Sol wirklich nicht mein Geschmack, sie ist einfach zu verbaut und kein bisschen mehr ursprünglich. Hier finde ich nicht das Andalusien, das ich suche. In Nerja wohne ich immer im selben Hotel, schön am Wasser gelegen, ein wenig in die Jahre gekommen, dafür mit viel altmodischem Charme. Im Winter kommt die überwiegende Anzahl der Gäste aus Großbritannien, man muss nicht lange fragen, warum. Einige Deutsche, ein paar Niederländer, eigentlich in jedem Jahr eine ähnliche Zusammensetzung.
In den ersten Tagen muss ich zunächst "meine" Buchten in Maro und Burriana besuchen. Besonders die Bucht von Maro lädt mich immer wieder zu langem Verweilen ein. Hier im Südosten Andalusiens finde ich die romantischen kleinen Buchten zwischen den Felsen, menschenleer im Winter und wunderbar zum Fotografieren mit der schneebedeckten Sierra Nevada im Hintergrund. Steinesammeln könnte ich hier stundenlang, ich finde einen schöner als den anderen und trenne mich während der Urlaubszeit von keinem. Um diese Zeit blühen hier die zahlreichen Mandelbäume in weiß und rosa und die Olivenbäume haben frische Triebe in silbrigem Grün. Gelber Ginster und rote Kaktusfrüchte geben ein buntes Bild. Viele Bananenstauden, Orangenbäume und Avocadobäume laden zum Pflücken ein, es gibt wenig Zäune in dieser Landschaft.Ich sehe davon ab,denn die Orangen und Bananen sind in den Geschäften sehr preiswert zu haben und die Andalusier in diesem Gebiet sind auf den Verkauf angewiesen, sie leben von ihren Agrarprodukten und dem Tourismus.
Die Fahrt Richtung Motril, weiter östlich gelegen, führt über die Küstenstraße noch an vielen kleinen Orten entlang, hier lohnt sich langsames Fahren auf jeden Fall.Aber auch im Hinterland von Nerja, in den Höhenlagen, finden sich viele schöne kleine Orte, durch die man gemütlich schlendern kann. Ganz in der Nähe erhielt z.B. Frigiliana mehrfach die Auszeichnung "schönste Dorf von Andalusien". In den fein herausgeputzten engen Gassen im maurischen Stil gibt es kleine und auch winzige Läden, Cafes und Restaurants. Freundlich, preisgünstig und ursprünglich laden sie zum Verweilen ein. Hier hat man Zeit im Winter und mittags kann man meistens sogar in der Sonne sitzen.
Nach einigen Tagen der Erholung und der Strandspaziergänge besuche ich jedes Mal auch die nahe gelegenen Großstädte Malaga und Granada. Um hier alles gesehen zu haben, werde ich noch viele Winterurlaube benötigen. In Malaga brauche ich schon einen ganzen Tag für das Picassomuseum und die Altstadt. Die Festungen Alcazaba und den Gibralfaro mit herrlichem Blick über Malaga kann ich dabei nicht jedes Mal "ersteigen". Die Fahrt nach Granada ist auch landschaftlich sehr interessant, führt durch Teile der Sierra Nevada und wunderschöne fruchtbare Täler mit unzähligen Mandel-und Olivenplantagen.Hauptanziehungspunkt in Granada ist der alte Königspalast der Nasriden (1238), die Alhambra, einer der beeindruckensten Paläste der Welt und das herausragende Denkmal des andalusischen Islam.
Es gibt viele unvergessliche Eindrücke,die ich in meinem Rückreisegepäck mitnehme.Meine Winterreise nach Andalusien ist immer wieder das beste Mittel, schon im Januar zu erleben,wie sich Frühling anfühlt.

Februar 2011