Bei Ihnen piept's wohl

von Karin Schöniger

Wann fiel es mir eigentlich auf, das Piepen, wenn ich durch das Detektionssystem im Ein-und Ausgang einiger Kaufhäuser ging? Man hört es öfter und achtet nicht mehr darauf, wer das Piepen ausgelöst hat. ICH nicht, das war ja klar. Schließlich piepte es nicht immer oder überall, nur gelegentlich. Es kam auch niemand vom Personal, vielleicht also eher ein Fehlalarm...

Ich fuhr mit meinem neuen Mantel nach Italien in den Urlaub. Die Flughafenkontrollsysteme blieben allesamt ruhig und in dortigen Kaufhäusern passierte gar nichts. In Kiel wieder angekommen, piepte es erst wieder, als ich mit meinem Mann durch den Eingang eines Möbelgeschäftes ging. Diesmal wurden wir sofort angehalten, der Übeltäter in seinem Rucksack vermutet und musste ausgepackt werden. Nichts zu finden. Wir wurden freigelassen, jedoch mit eindeutig bösen Blicken. Man traute uns nicht. Beim Hinausgehen allerdings piepte nichts mehr und wir fühlten uns rehabilitiert.

Nach einigen arg-und pieplosen Wochen wurde ich plötzlich als gut bekannte Kundin an meiner Supermarktkasse gebeten, meine Handtasche zu öffnen. Die Warteschlange hinter mir stöhnte ungeduldig, ich  bekam spürbar einen roten Kopf. Ziehen Sie bitte mal den Mantel aus, verlangte die Kassiererin und drückte auf den Rufknopf für den Ladenleiter. Schnell wurde der Mantel als Verursacher ausgemacht - doch warum? Hinter mir gab es die ersten Frozzeleien in der Warteschlange. Vielleicht hat sie ja etwas unter der Kapuze?  Pralinen raus - ulkte ein junger Mann. Ich mag gar keine Pralinen, verteidigte ich mich.

Doch nun war es klar, in meinem Mantel piepte es. Ich suchte zuhause sein ganzes Innenleben ab, nichts zu finden außer einer Waschanleitung. Im Internet machte ich mich schlau über Warensicherungen. Die mit dem sichtbaren Kunststoffteil können sogar eine Farbpatrone haben. Doch so ein Teil fand ich nicht.
Es musste ein Etikett sein, das an der Kasse deaktiviert werden muß. Das hatte man offensichtlich vergessen. Mit der Schere bewaffnet war ich bereit, verdächtige Teile aus dem Mantel zu schneiden - aber ich fand keine!

Erbost ging ich am nächsten Tag in das Kaufhaus, wo ich den Mantel gekauft habe, leider ohne Bon, den hatte ich längst nicht mehr. Beim Hineingehen verfolgte mich ein schriller Piepton, doch niemand hielt mich auf. An der Kasse schilderte ich mein Problem. Na ja, aber ohne Bon? Mit skeptischen Blicken schnitt die Verkäuferin schließlich einen kleinen weißen Abschnitt neben der Waschanleitung ab. Entschuldigung? Fehlanzeige! Ein Käufer ohne Bon ist  eben doch kein König...(ks)