Bretagne - Zwischen Belon und Aven und mehr.


Serge, rechts im ersten Bild war wieder einmal mit seiner Fregatte "La Touche Treville" von Brest zur Kieler Woche gekommen. La Touche Treville, der Namensgeber der Fregatte war Kommandant einer Korvette, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783 Munition von Frankreich nach Amerika brachte. Serge und ich hatten ein paar Erinnerungen an die fünfziger Jahre. Er zu Wasser und ich auf dem Land. Bei unserem Treffen auf seinem Schiff erwähnte er seine bevorstehende Pensionierung. "Dann müsst ihr mich in der Bretagne besuchen". Er würde von Brest nach Queven ziehen, wo er ein Haus besass. Nach seiner Pensionierung folgten noch ein paar Telefonate und wir planten unsere Reise in die Bretagne.

Zwischen den Flüssen Belon und Aven mieteten wir ein kleines Fischerhaus . Der Autoreisezug brachte uns von Hamburg nach Nantes. Bei unserer Ankunft goss es in Strömen. Über Vannes, vorbei am Golf von Morbihan und Lorient fuhren wir nach Queven, wo uns Serge und seine Frau Marie-France mit einem bretonischen Mittagessen herzlich empfingen. Erinnerungen wurden ausgetauscht, die neuesten Informationen aus Kiel, wo wie Serge meinte, er wohl nie wieder hinkommen würde. In unserem Ferienhaus würden wir uns wiedersehen.

Sonne hatte den Regen verdrängt. Küstenwetter halt. Wir kannten es ja aus Schleswig-Holstein.

Das alte, von uns gemietete Fischerhaus lag ruhig abseits der Strasse. Rethgedeckt, von einem schönen Garten umgeben. Den Briefkastenschlüssel hatte man uns geschickt. Der Hausschlüssel lag im Briefkasten. Im Haus niedrige Decken. Die Räume praktisch und schön eingerichtet. Eine kleine Treppe führte nach oben zu den Schlafzimmern. Die kleinen Fenster liessen das Hausinnere immer etwas dämmrig erscheinen. Es war gemütlich. Für mehr Licht gab es ja Lampen.

Am nächsten Tag die üblichen Einkäufe in Geschäften des Ortes. Im Regelfall sind wir Selbstversorger mit gelegentlichen Besuchen in landestypischen Gaststätten und Cafes. Eins dieser Cafes war in Pont- Aven, direkt hinter der Brücke über den Aven, der ein paar Kilometer weiter in den Atlantik fließt, wie der nicht weit entfernte Belon. Den Petit Fours im Café konnten wir nicht widerstehen. Aber wer nimmt schon eine Waage mit auf Reisen? In Pont-Aven lebte Gauguin. Die dortige Malerschule ist mit seinem Namen eng verbunden. Hier entstanden seine bretonischen Bilder. Ein kleines, weithin bekanntes Museum ist "Pilgerstätte " für Touristen. Flussabwärts befinden sich Muschel-und Austernfarmen, vom frischen und salzigen Wasser des Atlantik bei Flut überschwemmt. Bekannt ist Pont-Aven aber auch für die Butterkekse, die dort gebacken und als " Hüft-und Baucherweiterndes Gebäck " in alle Welt verschickt werden.

Parallel zum Aven fließt der Belon dem Meer entgegen. Auch hier Muschel-und Austernfarmen. Irgendwo am Weg ein kleines Restaurant. Im Angebot Muschel und Austerngerichte, oder einfach Austern zum schlürfen.

Port Manesch mit dem hübschen kleinen Leuchtturm. Ein kleiner Strand, wo Ingrid badete. Ein paar Felsen, von denen ich angelte. Der Leuchtturmwärter züchtete auch Austern, die er recht preiswert anbot. Entlang der ganzen Küste führt ein Wanderweg. Wucherndes Gebüsch und wilde Rosen, wohin man auch schaute.

Ausflüge nach Quimper. Wunderschöne alte Fachwerkhäuser in der Innenstadt. Alleine hier könnte man Tage verbringen, um Museen, Kirchen und das Leben in der Stadt zu sehen.

Carnac. Was bedeutet die Ansammlung der vielen Steine und kleinen Steelen? Ich wurde an die Geschichten von Asterix und Obelix erinnert. Letzterer schleppte ja dauernt seine Hinkelsteine durch die Gegend.

Und im Norden der grosse Leuchtturm von Eckmühl, benannt nach dem "Prinzen von Eckmühl", der eigentlich Louis Nicolas Davout heisst und unter Napoleon Marschall war und für ihn in Bayern das Schloss Eggbühl eroberte. Der Name wurde verfremdet zu Eckmühl Er ist bis heute einer der größten Leuchttürme an der französischen Küste und wurde 1897 eingeweiht. Seine Tochter Mme. de Blocqeville hatte in ihrem Testament verfügt, dass an dieser besonders gefährlichen Stelle der bretonischen Küste ein Leuchttürm errichtet werden sollte, um den Schiffen schon weit draussen das richtige Fahrwasser zu weisen. Die Namensgebung erfolgte als Hinweis auf die militärische Vergangenheit ihres Vaters.

Während unseres Aufenthaltes hatte ich auch ein Erfolgserlebnis. Seit Jahren bemühte ich mich vergebens auf zwei Fingern zu pfeiffen. So ein richtiges Pfeiffsignal, wie es schon meine Schulfreunde konnten, um den Mädchen hinterher zu pfeiffen. Es gelang mir nie. Höchstens ein jämmerliches " Phiwie.." kam heraus. Eines Morgens, der Weg zum Bäcker führte vorbei am Haus einer alten Dame, die immer schon früh ihren pfeiffenden Papagei im Käfig neben ihre Haustür stellte, blieb ich stehen. Das probiere ich jetzt auch, sagte ich zu Ingrid. Sie schaute leicht irritiert wie immer, wenn ich aus ihrer Sicht komische Sachen äußere. Also Daumen und Mittelfinger der rechten Hand, wie schon oft versucht, in den Mund. Darüber pusten, um einen Ton hervor zu bringen. Erst war es jämmerlich. Wenn Papageien sich wundern, dann tat dieser es sicher.

Inzwischen erschien Madame im Morgenmantel in der Tür und fragte, was ich da mache. "Ich lerne vom Ihrem Papagei das Peiffen". Sie sagte kein Wort, starrte mich an und dachte sich ihr Teil. Ich übte weiter. Und dann klappte es. Ich pfiff auf zwei Fingern. Zuerst wollte ich es selbst nicht glauben. Aber es ging immer besser. Und ich kann es heute noch. Schade nur, dass ich heute keinen Mädchen mehr nachpfeiffen kann. Ich erzählte Madame dann die kleine Geschichte meiner vielen misslungen Versuche. Aber nun, sagte ich zuletzt, "hat Ihr Papagei mir das Pfeiffen auf zwei Fingern beigebracht". Auf dem Weg zum Bäcker, vorbei am vielblumigen kleinen Bauergarten von Madame, pfiff ich dann unentwegt, bis es Ingrid zu peinlich wurde und ich wieder gesittet neben ihr ging. Aber heute bestehe ich immer noch darauf, dass ich ohne den Papagei nie gelernt hätte, auf zwei Fingern zu pfeiffen.

Kurz vor der Rückfahrt nach Kiel, abends beim Besuch von Serge und Marie-France, haben wir Muscheln aus dem Belon zum Abendbrot serviert. Gedämpft mit Weisswein und Kräutern, dazu, wie im Rheinland üblich, Schwarzbrot mit Butter. Es war ein langer Abend und irgendwie ein wehmütiger Abschied, ahnend, dass trotz fast eindringlicher Einladung Serge wohl keine große Neigung hat, die Reise nach Kiel anzutreten. Aber ab und an telefonieren wir oder schicken uns eine Email und halten auf die Weise den Kontakt, der uns an eine andere Zeit und an Erlebnisse erinnert, die er auf dem Wasser und ich an Land hatte.

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