Brustkrebs

 


Mein Leben nach der Brustkrebsdiagnose.                                                                                                         von Linda

 

Obwohl ich meine Großmutter nur mit amputierten Brüsten ( die ihr aufgrund von Brustkrebs schon in relativ frühem Alter amputiert wurden ) kenne, habe ich mich nie besonders mit dem Thema Brustkrebs befasst . Zwar ging ich zu allen notwendigen Vorsorgeuntersuchungen, aber Ängste diesbezüglich hatte ich keine . Auch diesmal ergab der Tastbefund beim Gynäkologen keine Auffälligkeiten. Bei der routinemäßig folgenden Mammographie waren die üblichen Zysten und Kalkablagerungen zu sehen, die ich schon ewig habe. Als ich erwähnte , dass ich seit einigen Tagen das Gefühl hatte , dass sich eine Brust beim anheben des Armes ( dies hatte ich beim auftragen des Deo - Stiftes im Spiegel bemerkt ) etwas atypisch abzeichnete, schaute sich der Arzt alles noch einmal genauer an. Aufgrund des sehr festen Drüsengewebes war alles schwierig zu beurteilen. Letztendlich war er sich bei einem Schatten nicht ganz sicher.

Also wurde ich zur Entnahme einer sog. Stanze in die Universitätsklinik Kiel überwiesen. Dort teilte mir die Ärztin bei etlichen Probeentnahmen unvermittelt ihre Vermutung mit , dass es Krebs sei . Sie erkannte mit Sicherheit zwei Tumore . Ich blieb relativ ruhig und gefasst und wollte mir diese so schnell wie möglich entfernen lassen , als sich der Verdacht durch die pathologische Untersuchung des entnommenen Gewebes bestätigte .

Die erste Operation wurde brusterhaltend durchgeführt, aber da nicht genügend gesundes Gewebe im Randbereich des entfernten Gewebes vorhanden  war ( dies erkennt der Arzt erst später bei der genauen mikroskopischen Untersuchung der entnommenen Knotens ) wurde mir dringend zu einer weiteren Operation geraten, die ich umgehend machen ließ . Leider war das Ergebnis das Gleiche: zu wenig gesundes Gewebe im Randbereich ... Damit hatte ich nicht gerechnet! Bis jetzt war ich guter Hoffnung gewesen, dass es mit dem Entfernen der Tumore relativ unproblematisch ablaufen würde , und die operierte Brust sah auch nach der zweiten Operation relativ normal aus. Jetzt ging es plötzlich um die Amputation der Brust. Viele schwere Stunden folgten, in denen viele Tränen flossen .

 Letztlich entschloss ich mich schweren Herzens beide Brüste abnehmen zu lassen, um nicht ständig mit der Angst leben zu müssen , ob evtl. in der verbliebenen Brust auch etwas entstehen könnte . Aber ich fühlte mich schwach und entkräftet , auch durch die beiden schon erfolgten Eingriffe. Ich fühlte mich so machtlos. Ich konnte nichts tun, mein Schicksal nicht wenden, ich musste mich einfach ergeben. Am Abend vor der 3. Operation badete und cremte ich mich und verabschiedete mich von meinen Brüsten. Alles war unwirklich. Wir machten einige Photos von meinem intakten Körper. Ob es je wichtig ist, diese Erinnerung zu haben, weiß ich nicht, aber es war mir in diesem Moment wichtig.
Als dann, nach der Amputation meiner Brüste, der Verband zum ersten Mal abgenommen wurde, habe ich noch einmal sehr geweint. Aber von diesem Moment an habe ich versucht , mich damit anzufreunden , dass dies jetzt mein neues Erscheinungsbild ist. Innerlich bin ich die gleiche Frau geblieben. Ich bin immer noch ICH. Und ich wollte meinen Alltag zurück, zur Arbeit gehen und mein Leben leben . Da nicht nachgewiesen werden kann , ob letztlich überhaupt eine Notwendigkeit für irgendeine weitere Therapie besteht , habe ich meinem Bauchgefühl vertraut , welches mir sagte , dass ich zu diesem Zeitpunkt den angeratenen Therapien der Ärzte nicht Folge leisten wollte . So habe ich mich gegen die Chemotherapie , gegen die Bestrahlungen und auch gegen die Hormontherapie entschieden . Engmaschige Kontrollen der Blutwerte und Ultraschalluntersuchungen werde ich selbstverständlich durchführen lassen . Vordringlich werde ich mit Hilfe meiner Physiotherapeutin , die zu meinem allergrößten Glück auch Osteopatin und Heilpraktikerin ist , weiter an meiner schmerzfreiheit " arbeiten " , damit ich mich frei bewegen kann , ohne , dass mich Vernarbungen und daraus resultierende Schmerzen daran hindern . Ihr fundiertes Wissen hat mir schon jetzt , 4 Monate nach den Amputationen , weitgehend dazu verholfen .
Mit den Brustprothesen , die ich in den dafür gefertigten Bh´s und Hemdchen trage , sieht man mir äußerlich keine Veränderung an und so bin ich , sogar eigentümlich gestärkt und glücklich , schnell in meinen Alltag zurückgekehrt. Geschenkte Zeit ! Ich fühle mich  jetzt gelassener und kann den Menschen noch liebevoller begegnen . Noch bewußter umgebe ich mich in meiner Freizeit mit Menschen , die mir guttun . Manche Beziehungen habe ich beendet . Ich versuche noch bewußter Stress oder Belastungen zu vermeiden und soweit möglich ein  unbeschwertes Leben zu führen .
Vielen Menschen sieht man ja ihre Narben, die ihnen das Leben , seelisch oder körperlich, zugefügt hat, nicht an . Das Leben ist ein Geschenk . Umso dankbarer bin ich jetzt für jeden Tag. Und ich genieße alles, so gut ich nur kann. Allerdings muss ich und darf ich an dieser Stelle sagen, dass ich all das ohne die so liebevolle Unterstützung meines  Partners sicher nicht so gut verkraftet hätte ! Ich werde als Mensch geliebt ! Mein Herz und meine Seele machen mich aus , nicht das Vorhandensein eines Körperteils .
Jeder Mensch sollte , sowohl mit sich selbst, als auch mit seinen Mitmenschen, gut umgehen! Weniger urteilen, verurteilen und werten! Wir alle brauchen Zuwendung und sollten sie auch anderen geben .

DANKE an den Mann an meiner Seite !!!!

 

März 2012