Das alte Packhaus am Kiel - Kanal

Kanal - Packhaus Kiel - Holtenau
von Gerd Newiger

 

Baujahr des Kanal-Packhauses 1780-1783 Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Eiderkanal

 

Die Fotos entstanden beim späteren Ausbau des Kiel-Kanals

Auftraggeber der dän. Königs Christian VII. Bereits 1854 wurde die Holzhandlung H. Grimm gegründet, die Ihre Geschäftsräume im Kanal-Packhaus hatte und Teil des Gebäudes, sowie das davorliegenden Grundstück als florierende Holzhandlung betrieb, bis 1982. Im Jahre 1983 wurde das Kanal-Packhaus-Grundstück an eine Lübecker Firma verkauft. Obwohl das Packhaus bereits unter Denkmalschutz stand, versuchte man trotzdem eine Abbruchgenehmigung zu erhalten um an dieser Stelle 120 Terrassenwohnungen zu bauen.

Diese Abbruch-Genehmigung wurde jedoch von der unteren Denkmalschutz-Behörde verweigert. Man entschloss sich trotzdem dieses Haus zu sanieren denn es lag in einer extrem günstigen Lage. Direkt an der meist befahrenen künstlichen Wasserstrasse der Welt, mit Blick auf die vielen großen Frachtschiffe, Segelschiffe und Kreuzfahrtschiffe, die zur Kanalpassage oft auf die Öffnung der Schleusen direkt vor dem Packhaus warten mussten.

 

Das Haus hatte Südlage und lag an einem vielbesuchten Kai mit vielen großen holländischen Segelschiffen, die man Chartern kann zu Ausflügen auf die Ostsee.

 

Zuerst flogen die Planer nach Kopenhagen wo im Stadtzentrum drei bereits wunderbar restaurierte Packhäuser standen. Man fasste Mut und begann mit großer Freude die Sache anzupacken, natürlich mit den Auflagen der Denkmal Schutz-Behörde.Und das war gar nicht lustig: 

 

Erstens: Die vorhandenen Fenster durften nur um einen Stein vergrößert werden d. h. es durfte im unteren Fensterteil ein Stein aus der Sohlbank herausgenommen werden. Im zweiten Obergeschoss muss man sich also auf die Knie legen um aus dem Fenster sehen zu können. Es wurde auch nicht erlaubt Blumenkästen (wie in Kopenhagen) vor die Fenster zu hängen. Im Hofbereich musste graues Betonpflaster verlegt werden, die Zwischenräume wurden mit grauen Kieselsteinen verfüllt. Tristesse ohne Ende.

Nun begann man mit der Arbeit. Man entrümpelte das Gebäude. Dann wandte man sich der Befestigung des Mittelteiles des Packhauses zu, denn es neigte sich schon sehr stark nach vorne. Man grub vorsichtig das  Erdreich auf und stellte fest dass das Gebäude auf Eichepfählen gegründet war. Aber auch schon im 1700 Jahrhundert hatte man dem Auftraggeber einige Kiefernpfähle untergejubelt, die waren natürlich in der langen Zeit völlig verrottet, wohingegen die Eichenpfähle noch vorhanden waren. Man ersetzte die nicht mehr vorhandenen Kiefernpfähle durch Stahlbetonpfähle, betonierte einen Starken Stahlbetonbalken unter die Vorderseite des Gebäudes und verhinderte damit das weitere Absinken des Gebäudes.

Die gewaltige Eichenbalkenkonstruktion im Inneren des Gebäudes befand sich bis auf einige Kleinigkeiten hauptsächlich in einem guten Zustand. Mittels Sandstrahlgebläse wurden sie vom hundertjährigem Staub und Schmutz befreit. Danach wurden mit Schallisolierten Leichtbauwänden die einzelnen Wohnungen abgeteilt. Die äußere Fassade sollte ebenso mit Sandstrahlgebläse gereinigt werden denn sie war sehr schmutzig.

Gesagt getan, man fing an zu Sandstrahlen und war fast mit der linken Gebäudeseite fertig, da kam einer vom Denkmalschutz zufällig vorbei und war völlig entsetzt als er das im neuen Glanz erstrahlende  Gebäude sah. Sofort aufhören, sofort stopp mit dem Sandstrahlen, ihr zerstört ja die wunderbare Patina des Gebäudes hieß es. Ja, es war natürlich auf Anweisung des Denkmalschutzes geschehen und hatte für den Auftragnehmer keine unangenehmen Folgen.

Der Rest der Außenfront des Gebäudes wurde dann mit Heißdampf abgewaschen. So sieht man, wenn man das Gebäude aufmerksam betrachtet, zwei verschieden aussehende Gebäude-Teile, eine Seite jungfräulich rot und die andere Seite mit einer schönen alten Patina.

Der Verkauf dieser 42 ein, zwei und drei Zimmer Wohnungen war innerhalb von zwei Wochen erledigt, nur der Verkauf des Erdgeschosses gestaltete sich als Gewerbeflächen etwas schwierig, denn hinter dem Packhaus war quasi die Welt zu Ende, danach kamen nur noch Kasernen der Marine ohne Publikumszugang.

Man widmete zwei Gewerbeflächen im Erdgeschoss um in Wohnungen und schließlich fand sich auch ein Käufer für das Restaurant.

 

Als das Gebäude fast fertig war, die Wohnungen alle einen Eigentümer gefunden hatten, wurde vom Denkmalschutz angeordnet vor dem Kanalpackhaus ein hölzernes Carport zu errichten. Es sollte den Anschein erwecken, von See her kommend, das hier eine PKW-Verlade-Station sei. Diese Anordnung brachte bei den Käufern der Wohnungen im I.O.G. der rechten Gebäudeseite, von See her gesehen, gewaltigen Ärger ein, denn sie hatten nun keinen freien Blick aufs Wasser mehr. Es nutzte nichts, der Carport wurde gebaut und steht heute noch.

Das Packhaus erfreut sich bei den Bewohnern großer Beliebtheit, es ist auch für ältere Menschen sehr gut geeignet, weil sich in den drei Treppenhäusern jeweils ein Aufzug befindet. Die Erhaltung der wunderbaren, massiven alten Eichenbalken-Decken-Konstruktion im inneren der Wohnungen vermittelt den Eindruck in einem alten Bauernhaus zu wohnen, mit dem Komfort einer Neubauwohnung und einer wundervollen Aussicht auf Hafen und Schiffe.

 

Eine kompetente und gute Hausverwaltung sorgt für ein gut funktionierendes Hausprojekt.

 

Fotos: Google - Elkes Fotoservice2oo6 - Tripavisor - Maritimes Viertel Holtenau - Thomas Kujawski