Der kleine Maulwurf

Eine kleine Urlaubsgeschichte von Christel Schneidewind  2013.

Eigentlich brauche ich mich nicht groß vorzustellen. Irgendwie habe ich keinen guten Ruf bei den Garten- und Wiesenbesitzern. Und deshalb ist es besser: ich bleibe im Verborgenen. Dabei bin ich ein ganz süßes Tier, habe ein wunderschönes glänzendes Fell – nur dass ich schlecht sehen kann. Man behauptet gern „Du bist blind wie ein Maulwurf“. Dabei bin ich gar nicht blind, ich kann eben nur nicht allzu gut sehen. Und für mich reicht es. Dafür kann ich aber sehr gut hören und riechen!!! Na bitte.
Aber ich will nicht schimpfen. Ich bin auch sehr nützlich. Denn da, wo ich lebe, ist der Gartenboden besonders gesund. Und ich helfe Ungeziefer und Schädlinge zu vernichten.
Wenn ihr das vorher gewusst hättet: Ich fresse nämlich für mein Leben gern Schnecken. Aber, die habt ihr immer abgelesen, weiß ja nicht, warum. Niemand hat an mich gedacht.

Ganz im Gegenteil. Da wurde eine „kleine Mauer“ um das Grundstück, vor allem um das Gartengelände gezogen. Nur, weil ich nicht in den Garten einwandern sollte.Das habe ich schon lange beobachtet.
Aber ich habe eben auch keine guten Augen – und deshalb hat es auch sehr lange gedauert, bis ich endlich mitbekam: Überall ist diese Mauer ja doch nicht gesetzt.
Und seit einigen Tagen habe ich das Große Los gezogen: Ich habe es geschafft – und bin mit aller Gewalt in den Garten eingezogen. Eigentlich wollte ich mich ja nicht zeigen. Doch des Nachts – aber auch am Tage – muss ich doch einmal sehen, was draußen los ist. Da war noch so ein schwarzhaariges Ungetüm. Die Katze „Tessa“ und der Kater.
Als ich die beiden erblickte, war ich schnell wieder verschwunden. Sie haben auch gute Nasen – und würden sofort merken, wenn ich an die Luft gelange.
Ja, und mein großes Los ist, dass zur Zeit die Pfirsiche und andere reifen oder nicht reifen Früchte von den Bäumen und Sträuchern fallen können. Das ist natürlich ein köstliches Vergnügen.
Da ich nun gerade jetzt erzähle, wie es mir hier so ergeht, habe ich mir gedacht: da kann ich für die Urlauber einige kleine Episoden liefern. Außerdem wissen viele über mich fast nichts.
Tessa und Felix (oder Moritz? halt der Kater) lagen auf den Liegen. Sie haben mich  zum Glück nicht entdeckt. Gestern war es ja auch noch sonnig. Heute ist der Himmel bewölkt, es ist kühl – aber es regnet zum Glück nicht. Ich kann mir ja meinen Pelz nicht versauen – und deshalb gehe ich bei Regen überhaupt nicht aus dem Bau.
Dabei habe ich solch einen Hunger auf Pfirsiche … Man sagt, die schmecken süß und gut. Versucht habe ich es noch nicht – deshalb bin ich so neugierig auf diese Früchte.
Doch wenn die Katzen in der Nähe sind, bin ich nicht sicher. Die Fische können mir ja nichts anhaben. Sie haben es gut, können immer im „Teich“ schwimmen, bekommen ihr Futter gereicht und müssen nicht einmal um Hilfe rufen, wenn die Frösche oder die Katzen sie ärgern.
Ich armer Maulwurf muss mich verstecken, damit mich niemand sieht und mir nichts tut. Dabei stehe ich doch unter Naturschutz. Da sieht man mal. Ich bin wertvoller als die drei Katzen oder die Fische, weil ich ein fleißiges Wühltier bin.
Soll ich das beweisen: Im Garten habe ich heute mindestens drei große „Aufstosser“  (Haufen) angelegt. Einmal bin ich aus Versehen wieder auf der Wiese gelandet. Aber da habe ich schnell kehrt gemacht.
Heute ist jemand auf meinem „Berg“ herumgetrampelt, das tat mir direkt in den Ohren weh. So geht es ja dann aber auch nicht.
Ich will nur einmal nachfragen, was heute für ein Tag ist: Aber wen frage ich da? Mal leise sein, vielleicht hört man irgend etwas vom Radio oder Fernsehen her?
Doch: Heute ist Montag, der 16. September.
Gestern war ja Sonntag – und ich musste arbeiten, nämlich den Boden auflockern. Aber ich hatte eben wirklich meine Ruhe. Niemand störte mich in meinem Gang, ich konnte ruhig schlafen und hab so richtig schön das noch sonnige Wetter genießen können.
So ist es, wenn niemand im Haus ist – wenn die Katzen meinen, sie müssen auf  „Brautschau“ oder Mäusejagd gehen. Dann herrscht wirklich Ruhe. Das ist aber auch nicht das Wahre.
Bewegt sich etwas im oder am Haus, weiß ich, ich bin nicht allein hier – und das ist auch gut, vor allem braucht man keine Angst zu haben, dass Wölfe kommen. Man sagt, es gäbe hier Wölfe. Sie sollen größer sein als wir Maulwürfe. Aber da kann man sich unter denen ja bestimmt verstecken. Und welcher Wolf frisst schon Maulwürfe. Schließlich muss der als „geschütztes Wesen“ ja auch wissen, dass  auch wir unter Schutz stehen. Ach, das ist ein gutes Gefühl. Aber ob sich alle daran halten?  Die Katzen können ja weder lesen noch sind sie daran interessiert, wenn Mäuse und Maulwürfe in ihrem Revier herrschen. Nun gut, für heute soll es mir reichen.
Morgen erzähle ich Euch, wie die Menschen versuchen, mich zu bekämpfen. Diese Bande, sie meint – alles besser zu wissen und alles richtig zu machen. Typisch Mensch. Also, bis demnächst.
Dienstag, 17.9.2013
Ich habe mal kurz aus meinem Mäuseloch gesehen: Huh, ist das hier kalt. (6 Grad). Und während ich „nach dem Rechten“ sehen wollte, versuchte doch eine der schwarzen Ungeheuer – sicher der Kater -, in meinem Eingang zu wühlen. Wenn er wüsste, dass mein „Haus“ noch viele Ein- und Ausgänge hat, da kommt es auf den einen gar nicht an. Natürlich, dieser Ausgang  war gerade an der Gartentür – günstig, wenn ich beobachten  will, ob Besucher kommen…
Aber ich hatte euch ja versprochen, etwas von den garstigen Bekämpfungsmitteln und Methoden der Menschen gegen uns Maulwürfe zu erzählen.
Also, dann passt auf. Glaubt aber den „Wissenschaftlern“ nicht alles. Sie wollen nur immer Recht haben und tun so, als ob sie die Welt der Maulwürfe ergründet hätten. Man solle Pferde über die Wiesen oder durch die Felder und Gärten traben lassen. Das würde wahrscheinlich  unsere Ruhe stören. Nun stelle ich mir vor, hier in „meinem Reich“ hopsen Gäu…, nein kleine Pferde herum. Erst einmal muss man für die Tiere ja einen Stall besitzen, dann brauchen sie mehr Platz als wir Maulwürfe – und Futter…. Geht also gar nicht. Das ist bestimmt großer Schnickschnack.
Nicht genug davon, dann wird behauptet, wir hassen Menschenhaare und verziehen uns, wenn man die Haare in unsere Gänge steckt. Kann ja sein, wenn die Haare nicht gewaschen sind. Aber wer hat so viele Haare, die er opfern wollte. Dann liefen die Männer nur noch mit Glatze herum. Das könnte uns stören, denn wenn die Sonne scheint, blendet und spiegelt es…. Und welche Dame opfert ihr Haar für uns, sie wäre schön dumm. Das ist doch der Schmuck der Frauen, eine schöne Frisur. Naja, bringt also auch nichts.
Neulich erzählte man, dass Seifenlauge hilft, aber darin müssen Nüsse gekocht sein. I-git! Und das wollen sie dann in unsere Gänge gießen – und uns damit vertreiben. Ob das gelingt.?
Mein Gang ist ca. 1000 m lang, nicht nur ein Gang, er ist verzweigt und auf einer Rieeesen-Fläche. Wieviel Seifenlauge muss da zubereitet werden – und wie viele Nüsse sollen darin gekocht werden.
Das finde ich ja dann ganz gemein. Da werden die Nüsse noch versaut, nur weil man uns überhaupt nichts gönnt, weder die Ruhe noch die herrlichen Nüsse. Knacken müssten sie diese vorher natürlich. – Gekocht sind sie sicherlich leichter verdaulich, aber in Seifenlauge, eklig ist das schon – und man kann sicherlich davon einen Durchf….., bekommen?
Viel gemeiner finde ich,  Katzen- und Hundekot in unsere Gänge zu schmieren. Das ist wirklich das Letzte. Dann sagt man, dass wir Musik nicht mögen. Die haben alle eine Ahnung?!
Es muss ja keine Techno-Musik sein. „Die kleine Nachtmusik“ von Mozart höre ich persönlich am liebsten, oder das Abendlied „Guten Abend, gute Nacht…“ Ich könnte ja sagen, die Musik mag ich nicht, vielleicht wird sie dann doch gespielt – und ich habe ein himmlisches Vergnügen. Mit Rasierwasser will man uns vertreiben. Das würden wir nicht mögen.
Natürlich, wir brauchen es nicht, weil wir uns ja nicht rasieren. Aber welcher Mann rasiert sich schon liebend gern. Da tun sie, als wenn sie das Rasierwasser nur deshalb in unsere Gänge bringen, damit wir verschwinden. In Wirklichkeit mögen sie es auch nicht – und sind froh, sich einen Bart stehen zu lassen und das flüssige Zeug auf diese Weise zu entsorgen.
So sind die Menschen: Hinterhältig und unehrlich, aber sie behaupten ihr Territorium und vergraulen alles, was ihnen in den Weg kommt. Und mit der Chemie machen sie nicht nur uns das Leben schwer, auch die Pflanzen leiden vielleicht darunter. Nun stellt euch vor, die nehmen die Seifenlauge auf – und aus den bunten Blumen werden es nur noch farblose Blätter?
Dabei frage ich mich auch „Stehen denn die Menschen unter Naturschutz?“ Ich glaube kaum, sonst würden nicht so viele auf den Straßen ihr Ende finden.
Ach, noch etwas: Das schlägt ja wirklich dem Fass den Boden aus: Fischköpfe, zwei an der Zahl, soll man in unsere Gänge schieben. Pfui, die stinken ja im Laufe der Zeit wirklich. Aber das spüren die Gartenbesitzer ja dann auch – und können nicht mehr in ihrem Reich die Blumen genießen oder genussvoll auf ihrer Campingliege und Gartenschaukel die Mittagssonne genießen.
Warum  gönnen sie uns auch unsere Ruhe im Garten, auf den Feldern und Wiesen nicht?  Wir tun ja auch nichts Böses. Wir beißen niemanden, wir fressen ihnen nichts weg – nur die Schnecken, Würmer, Larven, Engerlinge usw. – alles das, was sie auch nicht mögen.
Nur die Pfirsiche, die muss ich noch auskundschaften und probieren.. Kann natürlich sein, dass sie für uns zu süß sind. Auch ich muss aufpassen, dass mir mein Pelz nicht zu eng wird. Für heute soll es genug sein. Nur noch etwas, was ich vorhin gesehen habe.
Tessa liegt auf dem Schreibtisch-Sessel. Ob die etwa die Computer-Technik erlernen will. Viel zu spät. Da muss man zeitiger anfangen. Naja, ich kann diese Technik schon gar nicht begreifen, da sprechen sie von EXEL, sollen doch gleich Häcksel sagen, wenn sie zerkleinertes Gras oder Stroh meinen. Aber vornehm geht die Welt zugrunde, sie werden das schon merken. Nur noch Technik und Technik und Technik im Kopf – schon die Katzen werden verseucht. Anstatt in freier Natur alles Schöne zu sehen … nur nicht uns, sonst sind wir ja verloren. Ich werde mich jetzt verziehen, muss doch mal sehen, ob bei mir noch alles in Ordnung ist. Macht es also gut.
Vielleicht morgen wieder? Hoffentlich erlebe ich etwas Schönes, sonst muss ich wieder zur Maulwurf-Wissenschaft greifen und Euch weiterbilden lassen. Tschüß denn auch…. Ach, übermäßiges Düngen soll uns auch vertreiben…. Na so etwas?! Und Buttermilch, wer hat so viel Buttermilch, da sieht man – welche Theorien hier im Lande kursieren.
Alles Quatsch. Wer uns in seinem Garten aufgenommen hat, der hat uns lieb und lange. Und alles andere ist ja nebensächlich. Die viele Mühe, uns zu vertreiben, bringt überhaupt nichts – macht nur Arbeit, kostet Geld und das kann sich ein jeder sparen.
Nicht einmal eine große Mauer hält uns auf, in schönen Gärten zu leben. Sollen sie uns doch auch einmal unseren Spaß lassen. Wir sind ja so schüchtern und lassen uns nicht einmal am Tage sehen. Nicht etwa, dass wir Angst hätten, nein! Schüchtern sind wir arme geplagten Maulwürfe. -  aber schöne Tiere!
Und weil ich so gut hören kann, meinen viele „Maulwurf-Wissenschaftler“, mich mit Musik zu stören. Ha, und dann haben sie selbst von dem Lärm die „Nase“ voll! Aber so ist das, genau so. Weil ich auch besonders gut riechen kann, will man uns mit der Vergrämung – mit dem Gestank irgendwelcher Buttersäuren oder Rasierwasser vertreiben. So langsam gewöhnen wir uns auch daran.
Und wenn man bedenkt, wir sind ja so brav, wir fressen nicht eine Pflanze an, sondern ernähren uns von Ungeziefer,  nur von Engerlingen und anderen „Krabblern“. Aber die schwere Gartenarbeit, die wir haben, macht auch wirklich hungrig. Wir müssen täglich 20 bis 50 Gramm Nahrung aufnehmen, annähernd die Hälfte unseres eigenen Körpergewichts. Wir werden ca. 60 bis 120 Gramm schwer.
Wenn wir länger als 12 bis 24 Stunden ohne Nahrung auskommen müssen, verhungern wir. Im Herbst sind wir ja besonders aktiv, wir durchwühlen den Boden nach Regenwürmern, die wir mit einem Biss lähmen und anschließend als Winternahrung in unsere Vorratshöhlen bringen. So langsam sieht man das in diesem Garten. Da wühlen jetzt die Katzen schon nach uns, sie können uns „nicht riechen“, besser doch: Sie riechen uns und wollen uns fangen. Naja, wir müssen wirklich wachsam sein. Ich werde demnächst eine „Versammlung“ unter uns Schwarzpelzen einberufen – denn ich glaube, ich muss auch die anderen warnen. Sie mögen nur nicht auch noch in „meinen“ Garten kommen. Sonst gibt es sicherlich wirklich Ärger.
Noch etwas Interessantes: Viele meinen, wir sind Nagetiere. Stimmt nicht. Tatsächlich gehören wir zur Ordnung der Insektenfresser. Unsere nächsten Verwandten sind die Spitzmaus und der Igel. Aber die Spitzmaus steht nicht unter Naturschutz, taugt also nichts und ist sicherlich nicht so fleißig wie wir Maulwürfe.
Wir können bis zu 16 cm groß werden, und haben große sechsfingrige Grabeschaufeln. So sind wir mit unserer Figur und unseren „Schaufelhänden“ perfekt für unser Leben unter Tage angepasst.  Ein bisschen irreführend ist das: eigentlich haben wir fünf Zehen und die sind durch ein „Sesambein“ verstärkt. Deshalb „sechsfingrige Grabeschaufeln “
Ich will aber keinem jetzt die „guten“  Ratschläge geben, uns zu vertreiben. Nur soviel: wir bleiben sowieso so lange es uns gefällt. Ihr könnt uns mal….. schließlich stehen wir unter Naturschutz und wer uns etwas Böses will, bekommt eine harte Strafe bis zu drei Jahre „Knast“ oder wie das bei den Rowdys heißt!?
Ja, das war heute meine wissenschaftliche Anleitung, die niemand, aber auch niemand ernst nehmen soll, immerhin leiden wir darunter – und bald ist es Winter, da wächst sowieso nicht allzu viel in den wunderschönen Gärten. Übrigens ein kleiner Tipp: Ich bin ein nachtaktives Kerlchen…. Na, schnallt Ihr es? Aber ehe die Menschen anfangen zu denken, sind wir längst verschwunden.
Nur aufpassen, die drei Katzen haben es faustdick hinter den Ohren. Lediglich die kleine Katze, Tessa, ist ein Schäfchen. Vor der Katze haben wir keine Angst, aber sie vor uns. Sie stand neulich vor uns, kann nicht einmal miauen und rennt weg, wenn es ihr zu klamm wird. Naja, sind ja auch nur Tiere. So für heute nehme ich an, geht es gleich ab in den Bau.
Ein Besucher war heute hier, war aber – wie ich erkennen konnte – bei den Hühnern. Die brauchen ja auch einmal Besuch. Sonst rennt hier jeden Morgen, am Tage und auch am Abend eine Person umher, ruft die Katzen – als wenn die nicht bleiben können, wo sie sind. Mich stören sie doch nur! Die Fische ruft sie nicht, ungerechte Welt. Aber Futter bekommen sie, habe ich auch mitbekommen. Es roch nach Fischfutter…. Sehen konnte ich es ja nicht so genau. Nur dieser große Mensch….der hier herumtobt, den konnte ich genau sehen.
Gesagt hat sie, diese Person, dass sich die Maulwurfshaufen glattklopfen will. Na, das wird ein Theater in meinem Bau geben. Sie will, dass der Besitzer einen schieren Garten nach seinem Urlaub wiederfinden soll. Schöner Begriff „schier“, habe ich gehört – gefällt mir. Ich weiß ja, was das bedeutet – sollen sie es doch selbst herausfinden. Sie werden schon sehen, wenn ihr Garten schier ist. Mich regt das auf, weil es um meine Arbeit geht. Dabei soll man doch jedes Handwerk schätzen und nicht zerstören. So ist es bei den Menschen: Jeder denkt nur an sich, denkt nur daran, was er macht – ist gut und richtig. Wenn wir etwas anrichten, dann ist es falsch, stört oder macht etwas kaputt.
Eigentlich sind die Katzen nicht unsere „Feinde“, obwohl ich sie nicht gern habe, sondern die Menschen. Aber die dürften gar nicht unsere Feinde sein.. Sie selbst haben ja bestimmt, dass wir geschützte Wesen sind. Naja, sie reden eben, wie sie es brauchen und wie es ihnen gefällt. Wenn sie davon einen Vorteil haben, ist alles gut. Aber, wenn es anders kommt. Dann haben sie alle einen großen Rand, dann wird alles schlecht geredet, dann sind wir die bösesten Maulwürfe der Welt.
Nun gut, ich halte jetzt mein spitzes Mäulchen und lege mich etwas auf dem Ohr. Aber ich habe keine Ohrmuscheln… Ist ja nur deshalb, weil ich mir nie die Ohren waschen kann, wozu brauche ich dann Ohrmuscheln.
Mittwoch, 18.9.2013
Bis jetzt haben wir schon fünf Maulwurfhaufen aufgeschaufelt. Das war schwer. Aber es ist schön geworden. Sieht ja aus wie ein richtiges Gebirge, aus unserer Sicht selbstverständlich. Wir können uns vorstellen, den Gartenbesitzern gefällt das vielleicht nicht so. Aber die suchen doch immer Muttererde. Ist das ein Tipp? Außerdem sind sie verreist, da stört es sie persönlich nicht. Sie sehen es ja nicht. Und „was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ hab ich gehört.
Besser ist natürlich, die Haufen wieder platt zu machen und richtig fest andrücken. Da haben wir Probleme, die Öffnung wieder herzustellen. Aber wen interessiert das schon. Immerhin können wir uns einen anderen Fleck suchen. Geht ja auch. Wenn es auch sehr beschwerlich ist. Nun habe ich Euch von uns so viel erzählt.
Ab morgen will ich versuchen, die Gegend zu erforschen und mal zu beobachten, was hier alles geschieht. Wenn es auch gefährlich ist, aber die Katzen – das habe ich schon mitbekommen – treiben sich sowieso immer herum – da kann man schon einmal über Feld und Wiese wandern und bei diesen Ausflügen erkunden, wo wir hier überhaupt gelandet sind. Und wenn uns jemand stört, alle vier Stunden können wir einen neuen Maulwurfhaufen aufwerfen. Das wird eine Freude…. für alle.
Für heute ist Regen angesagt  - und so ist es auch, nass und ungemütlich. Aber da muss niemand die Gärten gießen oder Obst pflücken. Fenster putzen. Wenn ich das sehe, ist doch großer Blödsinn, die werden doch wieder nass und vielleicht auch schmierig. Aber Menschen denken eben anders als wir. Wir haben ja auch keine Fenster, brauchen wir ja auch nicht – da schauen sowieso nur die hinein, mit denen wir nichts am Hut haben.
So, es wird gleich Mittag sein, ich werde mich ein bisschen ausruhen, es war eine anstrengende Nacht – mindestens fünf Hügel habe ich aufschütten müssen – und schlimm war, dass die Katze oder Katzen anfingen, darin herumzuwühlen, um mich zu fangen. Aber ich habe mich ganz ruhig verhalten und erst weitergearbeitet, als das Gekratze der Katzen aufhörte. Also, machts gut. Morgen ist auch noch ein Tag – und zu viel will ich von mir auch nicht verraten. Wer weiß, zu welchem Zwecke das alles „ausgenutzt“ und verwendet wird.
Ich grüße euch heute mal aus der Ferne und bin euer treuer und lieber Maulwurf. Einen Namen habe ich nicht, noch nicht. Aber ich kann es mir ja mal überlegen. Bis die Leute aus dem Urlaub zurück sind, habe ich ja Zeit. Ach so,  ich werde euch noch etwas von meinem Körperbau erzählen. Aber erst einmal sollt ihr etwas von meinen ‚Aktivitätszeiten’ und meinem Sozialverhalten erfahren. Das Sozialverhalten hat nichts mit dem „menschlichen“ Sozialrecht zu tun, aber das werdet ihr selbst herausfinden.
Nun los: Wir sind europäische Maulwürfe – ist klar – wir sind ja nicht in Amerika! Und die haben keinen ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus. Unsere Aktivitäten sind in drei Phasen aufgeteilt: Wach- und Schlafphasen. Hat ja der Mensch auch, manche schlafen den ganzen Tag, manche Menschen  - und wachen nur, wenn es zum Tanz oder auf Reisen geht.Unsere Wachphasen sind meist vormittags, nachmittags  und gegen Mitternacht mit einer Dauer von jeweils etwa vier bis fünf Stunden. Nun rechnet einmal aus, wie wenig Schlaf wir haben – und mit welcher Ausdauer wir arbeiten und leben.
Während  dieser Phasen durchstreifen wir unsere Gänge auf der Suche nach Essbarem. Das ist klar. Das gibt es auch bei den Menschen. Manche warten nur darauf, dass ihnen das Essen vorgesetzt wird und sie an den Tisch gerufen werden. Soll es ja geben.
Wir halten keinen Winterschlaf, sondern sind auch während der kälteren Jahreszeit aktiv. Um in dieser Zeit nicht zu verhungern, verlegen wir unsere Aktivitäten in tiefer gelegene Bodenschichten und dort legen wir unsere Vorräte an. Bei den Menschen nennt man so etwas glaube ich Keller oder Tiefkühltruhe.
Wir Europäischen Maulwürfe sind wie die meisten Insektenfresser Einzelgänger, die außerhalb der Paarungszeit den Kontakt zu Artgenossen meiden. Warum auch. Sie wollen den Konkurrenten ausschalten, kennt man doch – und für eine ganze „Herde“ gibt es nicht genug … Ihr wisst schon, was ich meine. Ihr seid ja nicht dumm – ihr seid ja Menschen.
Die Gänge und die Nester werden mit Drüsensekreten markiert, um eindringende Artgenossen aufmerksam zu machen. Diese Tiere sind territorial und bewohnen ein durchschnittlich 2000 Quadratmeter großes Revier. Das sind Flächen. Und wenn ich an „meinen kleinen Garten“ denke, da bin ich ja richtig eingesperrt. Ist doch echt nicht schön. Wo hat man da noch Lebensfreude?

Nur in der Paarungszeit im Frühling erweitern die Männchen ihre Reviere beträchtlich, so dass es sich mit dem der Weibchen in der Umgebung überlappt – natürlich das Revier - Ich erzähle euch aber nun nicht, ob ich ein Weibchen oder Männchen bin… Sonst zieht ihr Schlussfolgerungen, die mir nicht gut tun. Und was hat das euch zu interessieren.
Arbeiten müssen bei uns Männchen wie Weibchen genauso. Hier gibt es nicht die „menschliche“ Gleichberechtigung.
Donnerstag, 19.9.2013
Weil ich euch gestern erzählt, wie aktiv wir sind, sollt ihr auch wissen, was das auf sich hat. Ich spreche immer nur von uns europäische Maulwürfen. Es gibt ja noch andere Arten, aber die interessieren uns nicht hier. So weit reisen sie nicht und einen Ausweis haben sie nicht außerdem auch Flugangst – also scheidet die Einwanderung per Luft und Wasser auch aus. Nun sollt ihr noch  erfahren,  welche Grabetätigkeit und welche Gangsysteme wir uns schaffen.
Unsere Gänge sind selbst gegraben und unterirdisch. Wir haben eben keine Maschinen, nur unsere eigenen „Grabehände“. Der Tunnel unseres unterirdischen Gangsystems kann sich sowohl knapp unter der Erdoberfläche als auch bis zu einer Tiefe von einem Meter erstrecken. Das Aushubmaterial wird an die Oberfläche geschoben. Das sind die sogenannten Maulwurfshügel. Wenn ihr nun glaubt, die Maulwurfshügel befänden sich über unserem Gang – weit gefehlt! Sie liegen rund 15 Zentimeter neben den Gängen, weil die Erde schräg nach oben gedrückt wird. Bei besonders lockerem Boden fällt kaum Aushubmaterial an und bei Schneebedeckung kommt es sogar vor, dass die Gänge durch die Grasnarbe führen. Die Grabegeschwindigkeit kann – je nach Bodenbeschaffenheit  bis zu sieben Meter pro Stunde betragen. Sind wir nicht schnell und fleißig? Die fertiggestellten Gänge durchlaufen wir mit einer Geschwindigkeit von bis zu 67 Meter pro Minute (5 km pro Stunde)!
Der größte Teil der Maulwurfsgänge liegt nicht tiefer als 10 bis 20 Zentimeter, oft noch oberflächennäher, aber unterhalb der Hauptwurzelregion.
Nur im Winter, vor allem bei Frost, und bei großer Trockenheit im Sommer verlegen wir unsere Aktivität in größere Tiefen von bis zu 50 bis 60 Zentimeter. Diese Nahrungsgänge verlaufen oft kreisförmig und sind untereinander mit der Nestkammer verbunden. Wenn man das bildlich darstellen soll, so erinnert es skizziert an einen Schlüssel mit Bart  - kann man sich schlecht vorstellen, oder?  Naja ist auch nur eine Andeutung. Ich werde ja nicht alles verraten – und schon gar nicht so vorstellen, dass auf einmal alle meinen Gang ausräumen. Wo käme ich da hin.
Die Nestkammer, das sollten sie wissen, liegt tiefer als die Nahrungsgänge und wird mit Laubblättern und Gras gepolstert. Diese Nester dienen als Ruheplätze, als Nahrungslager und auch zur Jungenaufzucht. Die Tiefe dieser Nester im Boden hängt natürlich auch vom Grundwasserstand ab – schließlich können wir uns keinen Pool im Bau leisten – und wird bei Frost, wie die Gänge, tiefer gelegt und es werden Erdhaufen zur Bedeckung darüber geschichtet.

Das ist schon auffallend: Nämlich große Maulwurfshügel, „Burgen“ genannt – sind Anzeichen dafür Oft gibt es neben dem Hauptnest auch noch einige Ausweichnester.  Auch wir haben nicht nur eine Ein-Raum-Wohnung. Steht uns ja auch zu. Schließlich planen wir auch für ein Mehr-Generationen-Haus…. Nun ist wieder einmal Pause. Ich glaube, ich habe schon viel zu viel von mir erzählt. Das bedeutet nämlich, dass viele Menschen mich verfolgen, mir nachstellen oder mich fangen.
Mein „Nachbar“ wurde gefangen – und dann hat man ihn auf dem Acker ausgesetzt. Stellt euch das vor. Das soll ja bei den Menschen sogar strafbar sein. Welche Ängste der Arme ausgestanden haben muss. Und dabei war es mein bester Freund. Ich habe ihn nie wieder gesehen, vielleicht treffe ich ihn irgendwann doch wieder. Ich kenne ja auch den Acker nicht, wohin man ihn brachte. So ein trauriges Schicksal möchte ich nicht erleben…
Aber ich werde jetzt meine Ruhephase einlegen. Tschüß. Was ist da oben los: da klopft jemand mit einer Schaufel meine Hügel platt. Solch eine Störung, solch eine Frechheit. Na, da werde ich mich aber rächen. Das gibt weitere neue Hügel… Von wegen. – Ruhezeit ist Ruhezeit. Die Menschen dürfen auch nicht mit dem Rasenmäher herumwüten, wie sie es gerade wollen.
Aber uns stören. Nun gut. Ich bin ja eigentlich nicht nachtragend. Aber das reicht mir wirklich. Bevor alle zur Ruhe gehen, möchte ich gleich noch erwähnen: Ich habe die Hügel wieder „aufgestoßen“. Nun kann auch ich erst einmal eine Ruhepause einlegen. Hab ich ja auch verdient.
Nun ist es wieder Abend geworden, noch scheint aber die Sonne – nur nicht hier im Wald, die Katzen tummeln sich auf der Liege, warm ist es ja nicht, aber sie haben es trotzdem gemütlich. Es wird nicht mehr lange dauern, dann ist es wieder dunkel und die drei „Räuber“ werden aus der Veranda verbannt. Schließlich haben sie ihre eigene Wohnung. Nur da sind sie nicht eingesperrt und können – so wie sie Lust und Laune haben – draußen herumtoben. Dabei bleibt es nur nicht. Es heißt ja, Katzen sind nachtaktiv – und das ist natürlich eine große Gefahr für uns Maulwürfe. Man weiß ja nie, wie das bei den dreien ausartet.

Den einen Abend saß Grauli auf dem Heu-Reiter und schaute ganz gespannt in meine Richtung. Ich habe mich getraut, mich zu bewegen und hatte solch einen Hunger und wollte in meine Gänge kommen. Aber …. Das soll aber nicht heißen, ich sei ein Angsthase. Das sind ganz andere Tiere. Nur – Ihr wisst es – meine Augen täuschen mich manchmal, und weiß ich, wie weit die Katzen von mir entfernt sind. Ein Sprung – und sie haben mich in ihren Krallen.

Naja, ich bin heute k.o. Die Katzen haben meine Hügel zerstört. Sie wühlen, um uns zu finden. Und soll es uns wirklich an den Kragen gehen. Dafür liebe ich mein Leben zu sehr. Jetzt möchtet ihr sicherlich wissen, wie alt wir werden können. Aber davon erzähle ich Euch heute nichts mehr. „Geheimnisse“ muss man auch mal für sich behalten können. Und Überraschungen bekommt ihr die Tage vielleicht noch. Mal sehen.
Gute Nacht.
Freitag, 20.9.2013
Ach, ich hab es geahnt. Schon wieder:  Die Katzen haben meinen Eingang so etwas von zugewühlt, sie wollten mich herauslocken, aber ich bin ja nicht „von gestern“. Da haben sie wirklich meinen Hauptgang zugemüllt. Als Ausweg bin ich außerhalb des Gartens aufgestoßen – musste mich aber sofort wieder „verdrücken“, weil  zwei Katzen – wie es aussah – dort wühlten. Mann, Mann, Mann, was soll das werden. Hoffentlich ist die Urlaubszeit bald vorbei, dann liegen die Katzen und der Kater nur auf dem Sofa in der Veranda oder auf dem Schreibtischstuhl – und ich habe meine Ruhe.
Schließlich braucht jeder einmal einen ruhigen Moment, um die Seele baumeln zu lassen oder darüber nachzudenken, wo er welche Insekten findet. Das Leben ist ja nicht mehr so einfach. Früher, ja früher – da gab es alle möglichen Dinge. Da gab es noch nicht solche hoch- gezüchteten Käfer wie heute und vieles andere mehr. Es waren eben andere Zeiten. Aber dafür hatten wir auch nicht so moderne Zäune, wo niemand durchkriechen kann.
Ach, ist doch egal. Ich werde mich wirklich erst einmal auf die faule Haut legen – und mich daran freuen, dass ich im Gartenland leben kann. Übrigens, die Pfirsiche schmecken. Ein bisschen sauer – aber das macht mir ja nichts aus. Die Engerlinge sind auch nicht süß.
Von einem „heiklen“ Thema habe ich noch gar nicht gesprochen. Nämlich von unserer Fortpflanzung. Da muss ich etwas ausholen.
Bei uns ist das so, dass die Weibchen nicht aktiv sind, sie warten in ihrem Bau geduldig auf ein Männchen. Soll es bei den Menschen ja auch geben – und dann werden sie alt und grau
und ….
Jedenfalls paaren wir uns im Bau, nur selten ist dies in der Nacht an der Oberfläche. Ist ja auch zu gefährlich. Die Tragezeit erstreckt sich über einen Zeitraum vom 28 bis 30 Tagen, die meisten Jungtiere kommen im April zur Welt. Ein Wurf umfasst zwischen drei und sieben Jungtieren. Der durchschnittliche Wurf beträgt aber nur drei bis vier Jungtiere. Sie sind bei der Geburt nackt und blind. In der dritten Lebenswoche beginnt den Jungtieren das Fell zu wachsen.

Kurz darauf öffnen sie auch ihre Augen, warum nicht früher? Sicherlich finden sie es auch nicht schön, wenn da so nackte Gestalten umherwuweln. Sie wachsen ja aber auch sehr schnell heran und haben bereits in der vierten Lebenswoche die gleiche Größe wie ihre Mutter. Mit vier  Wochen werden die Jungtiere abgesetzt und sind eine Woche später bereits selbständig. In der sechsten Woche haben sie das Revier der Mutter bereits verlassen. Im Frühjahr nach der Geburt können sich die Europäischen Maulwürfe selbst fortpflanzen. Wie es bei den Ausländern ist, kann ich natürlich nicht sagen. Sicherlich anders.

Unsere Lebenserwartung liegt bei vier bis fünf Jahren. Nur ein kleiner Teil der Maulwürfe erreicht aber dieses Alter. Viele, die meisten sterben zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr. So ist es sicher, weil sie nicht so viel Maulwurfsrente und damit vielleicht Hunger haben oder aber sie warten zu lange in ihrer Höhle auf das männliche Maulwürfchen und vor Gram sterben sie dann.
Naja und Kinder haben sie dann nicht, wenn sie in ihrer Höhle versauern – wer soll sie dann pflegen und hegen?

Man sieht, wir haben schon ein armes, erbärmliches Leben. Und in der Landwirtschaft und im Gartenbau wird der Maulwurf dann noch als Plage angesehen. Ist doch gemein, dabei leben wir ja auch nicht so lange. Zum Glück haben – ich glaube die Grünen – uns als Naturschützlinge angesehen. Das müssen die Grünen gewesen sein oder Jäger werden die auch genannt. Die haben uns sicherlich beobachtet, wie wir die Schnecken weggenascht haben. Und Schnecken sind ja hässlich. Die machen Schaden: sie fressen, was ihnen vor die „Klappe“ kommt – und sind schleimig und unangenehm. Aber da spricht davon, dass wir diese Schädlinge fressen. Wir leisten doch auch ein gutes Werk.

Was wäre, wenn der Mensch auf solch einer glitschigen Schnecke ausrutscht und sich ein Bein, oder vielleicht (nur) einen Arm bricht. Das wäre schlimm. Aber bei uns da spricht man davon, dass wir mit unseren Hügeln Schäden anrichten: Die landwirtschaftlichen Maschinen gehen kaputt und die Gänge stören die Wurzeln am Wachstum. Alles dumme Ausreden. Wir sind und bleiben nützliche Tiere, weil wir Schadinsekten vernichten. Darum sind wir Nützlinge…
So, was wollt ihr nun noch von mir wissen.
Ach so, ob ich wirklich Pfirsiche verdrücke. Naja, passiert kaum. Ich klettere ja nicht auf die Bäume. Und was herunterfällt, sehe ich selten. Ich rieche zwar die Früchte, aber manchmal haben sie Ameisen nützlich gemacht und das ist immer so lästig, wenn eine Ameise in meine Nase beißt.
Wo wir überall leben, wollt ihr wissen. Na erst einmal in eurem Garten. Das ist schon ein Paradies. Herrliche Blumen und Sträucher blühen dort. Und sonst kommen wir im „gemäßigten Europa“ vor. Was immer das sein soll. Ihr seid Menschen und versteht das eher. In Südeuropa und im hohen Norden kommt der europäische Maulwurf nicht vor. Vielleicht verziehen wir uns in die Kälte, wir sind doch nicht „von gestern“. Die Menschen verdrücken sich in den kälteren Jahreszeiten nach Mallorca oder wie die Buden heißen und wir sollen vielleicht ins Eis gehen. Nee.
Aber bis nach Großbritannien und nach Russland, stellenweise bis ins westliche Sibirien zieht es uns schon. Nicht alle von uns, ich habe ja schon gesagt, viele werden nicht alt. Und alte Maulwürfe können auch nicht so weit wandern. Und was sollen die in Sibirien? Da ist es auch nur für eine geringe Zeit warm, wenn man es als warm bezeichnen darf. Naja und russisch sprechen, wenn wir kaum die deutsche Sprache beherrschen, können die schon gar nicht. Englisch wäre ja noch eine Variante, aber es fällt uns auch schon schwer. Wir bleiben lieber beim Deutsch, das hören wir täglich und so müssen wir uns nicht umstellen.
Es reicht schon, dass viele platt oder Dialekt sprechen. Jaja, so ist nun unser Maulwurfleben. Inzwischen habe ich auch so viel erzählt, dass ich wieder müde werde.
Langsam wird es hier auch herbstlich. Es fällt so viel Laub von den Bäumen. Das ist aber auch gut, denn wir müssen uns ja wieder neue Lager und Höhlen anlegen. Schließlich ist es nicht mehr lange hin und wir bekommen wieder Nachwuchs.
Und in dem Garten hier ist es so wunderschön, da bleiben wir noch länger. Den Kindern habe ich es auch empfohlen. Sie sollen sich doch genauso wohl fühlen wie wir. Und außerdem bin ich froh, wenn sie nicht zu weit wegziehen. Man weiß ja nicht, ob man einmal Pflege braucht. Einen Pflegedienst wie bei den Menschen gibt es hier nicht. Wir sind ja auch pflegeleicht, unser Pelz ist immer glatt und sauber.
Unsere 44 Zähne müssen wir aber auch pflegen. Es gibt ja noch keine Maulwurf-Zahnärzte. Wie wir das machen, interessiert aber wohl nicht. Die Menschen machen es ja auch ab und zu oder zwischendurch mit dem Essen eines Apfels… Übrigens hat man uns in Brehms Tierleben als „ein wahrhaft furchtbares Raubtier“ beschrieben. Ist doch Rufmord, nicht?
Ach, was ich noch sagen will. Es gibt nicht nur Maulwürfe mit schwarzem Pelz, auch mit braunem. Und dann gibt es – wie in de Natur überall – auch Albinos, also ganz weiße Tiere. Die stehen sicherlich noch mehr unter Schutz. Viele behaupten, das seien heilige Tiere. So ein Blödsinn. Da hat die Farbe nur nicht mehr gereicht –und jetzt bilden sie sich ein, sie seien etwas Besonderes.
Naja, für  heute melde ich mich ab. Ich gehe auf Wanderschaft. Will doch mal sehen, was sich so tut in der Welt.
Drum sage ich nur: PIEP.
Sonnabend, 21. September
Weil jetzt überall noch Urlaubszeit ist, habe ich mir vorgenommen, auch etwas Urlaub zu machen, mich zu erholen und so tun, als ob ich nichts zu tun hätte. Für mein leibliches Wohl muss ich ja doch sorgen – das ist ein wirklicher Kampf.
Aber erst einmal muss ich euch erzählen, dass endlich – nach einer verregneten Nacht – wieder die Sonne ein bisschen herausgekommen ist. Und stellt euch vor, ich habe mich wieder einmal aus dem Gartenreich herausgewagt und „Hügel“ auch in der Nähe von dem Nachbargrundstück gesetzt. Ganz böse Blicke habe ich dafür geerntet. Aber schlimmer ist, dass die Katzen überall in den Hügeln nach mir wühlen. Wenn sie wüssten, dass sie dabei ganz schmutzige Pfoten bekommen – und damit gehen sie dann in die Veranda. Aber man kann das ja wieder wegwischen. Das ist eine Idee, daran hat der „Pflegedienst“ noch gar nicht gedacht. Aber vielleicht kommt er doch von selbst auf diesen Gedanken. Schließlich ist Denken ja Menschensache.
So, Urlaub ist angesagt – und ich werde mich erholen.
Was ich heut auch entdeckt habe: Schnecken fressen Pfirsiche. Da ist nämlich unter einem Strauch ein kleiner Pfirsich liegen geblieben – und es saßen gleich sage-und-schreibe  drei Schnecken daran. Köstlich für mich, aber nicht für die anderen.
Macht es gut: ich habe Pause.
Nun stellt euch vor. Ich habe gesehen, dass der Kater mit der Nachbarin „geschmust“ hat. Das ist ja ganz ´was Neues. Aber ich glaube, auch er hat Sehnsucht. Tiere sind ja auch nur Menschen….
Aber wir haben wieder herrliche Hügel gesetzt, dachten wir. Aber da kam diese „Pflegekraft“ und hat sie breitgetreten und zusätzlich noch Wasser draufgespritzt. Gemein, aber wir waren ja gerade nicht in dem Gang. Das war nämlich unterhalb des Wohnzimmerfensters – und im Garten war gerade ein Regenwurm-Konzert.  Da mussten wir natürlich hin. Kennt ihr wohl nicht? Natürlich, nur deshalb, weil ihr nicht so gute Ohren habt.  Macht euch nichts daraus. Irgendwann kommt es sicherlich wieder einmal dazu – und wenn ihr aufpasst, hört ihr es vielleicht auch.
Im Moment regnet es nicht, aber sehr warm ist es zur Zeit auch nicht. Morgen ist Herbstbeginn. Herrlich leuchten die Ebereschen, d.h. die Früchte. Wenn man sich diese roten Vogelbeeren ansieht, sie sehen aus wie kleine Äpfel. Sie sind ja auch Kernfrüchte. Die Vögel sitzen in den Bäumen und picken daran herum. Übrigens fressen die Rotfüchse und Dachse ebenso die Vogelbeeren, die Mäuse nehmen sich die Früchte mit unter die Erde, und dann wundern wir uns alle, wenn neue Vogelbeerbäume wachsen. So entwickelt sich die Pflanzenwelt weiter. Ohne uns Tiere wären die Menschen überfordert. Für heute macht es alle gut. Morgen ist Sonntag, der 22. September. Mal sehen, wie sich der Tag in unserem Leben zeigt.
Ganz zeitig wurden die Fensterläden geöffnet, die Fische haben auch schon ihr Futter bekommen und die Katzen, sie wurden wieder einmal zuerst bedient. Eigentlich möchte ich auch Katze sein. Sie liegen auf dem Sofa, haben ihr eigenes Zimmer, bekommen Leckerli und buntes Trockenfutter sowie Frischfutter – und können jeden Tag, wenn sie wollen, spazieren gehen. Brauchen sich nicht zu ängstigen, dass sie weggefangen werden wie wir es immer befürchten. So, ich muss unsere Höhle putzen, bis später.
Dabei habe ich die „Maulwurfhügel“ wieder schön aufgeputzt. Aber nicht nur im Garten, auch auf der Wiese – um die anderen zu täuschen!
Sonst ist heute nichts wesentliches passiert. Die Katzen lassen sich kaum sehen, die Fische geben ihr Ruhe. Sie sind so leise, das tut direkt in den Ohren weh.
Es wird abends schon recht früh dunkel. Man merkt, der Herbst hat angefangen. Wie lange dauert es noch, dann liegt vielleicht der erste Schnee. Hoffentlich noch lange nicht.
So, heute geht es zeitig in die Höhle, ich bin k.o. und da ruhe ich mich mal lieber aus. Morgen früh muss ich wieder zeitig auf Futtersuche gehen. Man hat es eben nicht leicht. Immer muss man auf Suche nach preiswertem Futter sein – was auch noch schmecken soll. Gute Nacht, piep.
Montag, 23.9.2013
Wie jeden Morgen, steht die „Pflegeperson“ auf der Matte – füttert die Raubtiere, öffnet die Fensterläden, nimmt die Zeitung und evtl. Post aus dem Kasten, gießt die Blumen, Füttert die Fische.
Gestern hat sie alle unsere Maulwurfhügel zerstört, diese …. diese … Person.
Da kann ich nun wieder schaffen, um alles in Ordnung zu bringen. Schlimm. Dabei bin ich ja auch nur ein „Mensch“..
Donnerstag, 26.9.2013
Hallo, war das ein ruhiger Wochenbeginn – niemand hat mich gestört. Lediglich das Reh, das ist dauernd hier herumgetigert, hat sogar die einzige Rose – am Weg – bei den Nachbarn abgefressen. Ich habe es zufällig gesehen! Eine gelbe, ganz kleine Blüte…. Aber sie muss dem Reh wirklich geschmeckt haben.
Ja, in der  Zwischenzeit hatte ich sehr viel im Garten zu tun: Mehr als zehn Maulwurfhaufen habe ich geschafft. Eigentlich hatte ich ja noch mehr vor, aber da ist immer wieder diese Pflegeperson gekommen und hat auf meinen Haufen herumgetrampelt – und immer wieder musste ich von vorn anfangen. Dabei soll man das Handwerk anderer genauso schätzen wie sein eigenes.
Die sollen erst einmal die schwere handwerkliche Arbeit von uns bewältigen. Wir haben es auch nicht so leicht. Außerdem haben wir nicht so lange Arme wie die Menschen…. Es ist eben alles beschwerlich. Aber wem erzähle  ich das. Die Menschen sind doch alle gleich: Jeder denkt nur an sich und nicht an uns ….
Naja, irgendwann werden wir auch unsere Rechte erstreiken, wie die Menschen.
Da wurde von  Wahlen. gesprochen: „ Wir gehen wählen, haben die gesagt,“ die am Haus vorbeigingen. Was das schon wieder soll. Für sie wäre „MERKEN“ wichtig. Sollen sie doch aufschreiben, wenn sie nichts behalten können. Was hat das mit Wahlen zu tun, ich verstehe es nicht. Naja, bin auch nur ein Maulwurf… Und da kenne ich mich wirklich nicht aus.
So, ich will mich jetzt erst einmal ausruhen.
Hier muss wieder ein „Vieh“ herumturnen. Vom Fensterbrett hat es heute das Brot und die Eierschalen und die Schüssel heruntergeworfen. Wer weiß, vielleicht ein Waschbär? Oder ein fremder Kater. Ich habe Angst und deshalb nicht aufgepasst. Schließlich riskiere ich doch nicht mein Leben – nur wegen des Hühnerfutters, ne ne.
Heute regnet es immer zu. Dabei hatte ich mir gewünscht, dass die Sonne mal wieder scheint und ich mein Pelz trocknen kann. Die Pflegeperson hat mir doch Wasser in meine „Gänge“ gegossesn – ganz nass bin ich geworden. Der gute Pelz, extra zum Wochenende habe ich mich schön gemacht – und dann das.
Ach, ich bin ja so müde.
Bis spä….
Oh, heute ist ja schon der 27. September.
Da habe ich aber so richtig verschlafen. Nicht böse sein, es war auch heute so ein schönes, sonniges Wetter, da mußte ich raus in den Wald. Ich habe die Krause Glucke gesucht. Ihr wisst ja, das ist ein ganz leckerer Pilz. Aber es waren vor mir schon Leute im Wald – und (ich glaube), die Rehe haben nicht nur die Rosen abgefressen, sie holen sich auch die Pilze. So ein habgieriges Tier-Volk.
Aber ich beende jetzt meine „Korrespondenz“ mit euch. Morgen ist der Urlaub vorbei und dann geht es hier wieder „andersrum“. Ich vermute, dann wird Jagd auf meine „Hügel“ gemacht. Au, au.

Für den 28. September wurde wieder so schönes Wetter gemeldet. Wollen wir hoffen, dass die Meteorologen sich nicht irren. Lebt wohl, ihr Menschen. Ich muss ja sicherlich bald auswandern. Außerdem kommt irgendwann, aber bald der richtige Herbst – und der Winter. Hoffentlich ist bald wieder Frühling. Lebt also wohl – bleibt alle schön gesund. Im nächsten Jahr, im nächsten Urlaub hören wir uns vielleicht wieder, vielleicht.

Euer Maulwurf

und seine Erzählerin  Christel Schneidewind

 

 

(Auszugsweise Wikipedia)