Der Maler Hannes Schultze-Froitzheim






Es war in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als ich Hannes Schultze-Froitzheim und seine Frau in Kiel kennenlernte. Sein großes Atelier im Knooper Weg war eine Welt, wo er an großen Staffeleien seine Werke schuf. Auf langen Tischen stapelten sich Zeichnungen und in den Schubladen großer Schränke lagen eine Vielzahl seiner Federzeichnungen und andere im In- und Ausland geschaffene Werke.

Für mich war Hannes Schultz-Froitheim ein Mann auf den " zweiten Blick ". Zunächst etwas distanziert und abweisend, ahnte ich aber, dass wenn erst einmal das Eis gebrochen war, wir sicher gut miteinander kommunizieren konnten. Und Dank der klugen und charmanten Gesprächsführung durch seine Frau, die ich bald sehr schätzen lernte, hatte ich das Vergnügen, öfter Gast in seinem Atelier zu sein. Es gab noch eine Dependence am Westensee mit einem hübschen Haus und einem großen Garten, wo meine Frau und ich einige Male frohe Stunden mit den Beiden verbrachten. Jahre später bezog Hannes Schultze-Froitzheim mit seiner Frau ihr elterliches Haus in einem schönen Stadtteil von Kiel. Sein nun neues Atelier befand sich im großen Dachgeschoß, wo er noch Jahre weiter arbeitete.

Bei meinem letzten Besuch, es ging ihm damals schon nicht mehr so gut, stand er an der Staffelei und arbeitete an seinem Selbstportrait. Er ahnte wohl, dass seine Kräfte nicht mehr lange reichten. Jetzt es hängt es gut sichtbar im Haus. Wenn ich heute manchmal seine liebenswerte Frau besuche, die ihn in seinen letzten Lebensjahren hingebungsvoll pflegte, dann sehe ich ihn, den Maler Hannes Schultze-Froitzheim wie er an seiner Staffelei steht und an seinem Portrait arbeitete.

Ein letztes Andenken verbindet mich immer noch mit ihm. Ich bin kein Künstler und eigentlich auch kein Maler, wenn ich auch über viele Jahre in meinem Atelier "Bilder machte". Das wusste er natürlich. Und bei meinem letzten Besuch, später empfing er Niemand mehr, schenkte er mir eines seiner eigenen alten Lehrbücher von Max Doerner aus dem Jahr 1944. Der Titel ist : "Malmaterial und seine Verwendung im Bilde". Seine Widmung ist so wie er war. Sie kam von Herzen wie er mir versicherte. Aber geschrieben steht auf der ersten Innenseite: " Schultze-Froitzheim für Fander 1.8.87".

Zu seinen Lebzeiten habe ich schon einige seiner Bilder erworben. Später, als er nicht mehr unter uns weilte, konnte ich seine Frau bewegen, mir eine Anzahl seiner Federzeichnungen, die unter anderem in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhundert in Spanien entstanden, zu überlassen. Sie sind nachstehend als Bildergalerie zu sehen. Einige seiner Gedanken, die er schriftlich nierlegte füge ich ebenso bei, wie eine Abschrift aus den Kieler Nachrichten, wo der Künstler auch damals schon öffentlich die Anerkennung fand die ihm gebührt. So lebt er denn weiter durch seine Werke und unvergessen.

Die nachstehenden Zeichnungen, Federzeichnungen und Bilder entstanden zwischen 1946 und 1960 in Italien und Spanien. Das Bauernhaus aus dem Bergischen Land im Jahr 1926. Die Bilder vergrößern sich beim anklicken.

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Zu seinen Arbeiten schrieb Hannes Schultze-Froitzheim einmal: Ich glaube an die Gesetzmäßigkeit des Malvorgangs, der dem Unterbewußtsein entspringt.

Wenn ich den Pinsel oder Zeichenstift ansetze, "ergibt" sich ein Zeichen, das eine Umgebung herausfordert, die zu ihm im Gegensatz steht und ihm dadurch zu einer besonderen Steigerung verhilft. So fordert eine dunkle tonige Form eine helle, leuchtende Umgebung; eine Rundung verlangt nach spitzen Formulierungen. Und der Unruhe, die durch viele kleine, farblich verschiedene Flächen hervorgerufen ist, setze ich eine möglichst große, einfarbige und geometrisch strenge Form entgegen. Sind somit erst einmal einige bildnerische Themen angeschlagen, muß ich vermittelnde Übergänge finden, durch die der Bildraum bereichert und zusammengeschlossen wird.

Ich stelle immer wieder fest, daß bei diesem Malvorgang Elemente auftauchen, die durch meine optischen Erlebnisbeziehungen zur Außenwelt in mir entsstanden sind; ich erinnere mich nach Beendigung der Arbeit an einzelne Situationseindrücke, die manchmal aus ganz verschiedenen Zeiten zurückblieben und im Bild in einem neuen Zusammenhang  eine verdichtete Bedeutung erhalten.