Die Fahrt nach Binz

von Gabi Braune

 

Fahrt nach Binz vom 3. bis 5. Mai 2013

Um 6.00 Uhr ging es los mit dem Bus vom ZOB in Kiel. Dort stiegen nur 4 Personen ein. Den Rest sollten wir in Eutin und Lübeck einsammeln. Eutin war ja kein Problem, aber in Lübeck kamen wir in die „Rushhour“ und mussten die Mitreisenden auch noch vom Hauptbahnhof abholen, dabei gibt es vor Lübeck genug Treffpunkte, die günstiger zu erreichen wären. Doch dann waren wir endlich auf der „Zielgeraden“. Zwischendurch hatte uns unser Busfahrer darüber informiert, dass er kurzfristig mit einem ihm fremden Bus eingesetzt worden wäre. Das war dann auch zu merken. Erst war die Klimaanlage zu kalt, dann dachten wir er hat die Sauna angemacht. Dann kam die Nachricht, dass unsere Zimmer erst ab 16.00 Uhr frei wären, aber es auch keine Alternative gäbe, was wir bis dahin machen sollten. Diese Reise begann also nicht so prickelnd. Doch dann der erlösende Anruf: unsere Zimmer können ab Mittag belegt werden.

 

Das Seehotel Binz Therme lag etwas außerhalb vom Ortskern umgeben von Gäste-häusern. Auch Mutti und ich sollten in einem der Gästehäuser ein Zimmer belegen, was aber auf unsere Bitte hin geändert wurde, denn der Weg zum Frühstück im Haupthaus war doch etwas weit. Das uns nun zugewiesene Zimmer war wunder-schön. Fast 30 qm groß mit schönen Möbeln und WC und Dusche getrennt.  Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten, wollten wir mit einer Taxe zu der Försterei fahren, in der Mutti als Kind gelebt hat.

 

Eigentlich sollten es lt. Reiseführer nur 6 km nach Sellin sein (zu Fuß auf der Strandpromenade). Allerdings mit dem Auto fast das Doppelte. Aber was soll´s: Der Taxifahrer hat es gefunden und wir konnten uns etwas umsehen, bevor wir zurückfuhren. Sellin mit der Seebrücke sehen wir ja denn morgen auf der Rügenrundfahrt, dachten wir.

 

Zurück im Hotel haben wir es uns auf der Cafeterrasse des Hotels in einer windge-schützten Ecke in der Sonne gut gehen lassen bis zum Abendessen. Dann ging es zum Buffet. Man muss schon 2 bis 3mal um das Buffet herum gehen, um alles zu sehen und eine Entscheidung zu treffen. Das ist gar nicht so einfach. Aber wir haben es geschafft und – wie meistens – etwas zuviel gegessen. Aber es war lecker.

 

Am nächsten Tag ging es dann um 9.45 Uhr los zur Rügenrundfahrt. Unsere Reise-leiterin zeigte uns zunächst das Seebad Prora. Die für das Seebad Prora benötigten Flächen wurden durch die KdF-Organisation 1935 von Malte von Putbus erworben. Die Planungen sahen vor, für die Unterbrin-gung der Urlauber acht jeweils 550 Meter lange, sechsgeschossige, völlig gleicharti-ge Häuserblocks mit insgesamt 10.000 Gästezimmern zu errichten. Durch diese lang gestreckte, über etwa fünf Kilometer entlang der Küstenlinie reichende Bauweise sollte erreicht werden, dass alle Zimmer Meerblick hatten, während die Flure zur Landseite hin gelegen waren. Die geplante Ausstattung der nur 2,5 mal 5 Meter großen Zimmer, von denen jeweils zwei mittels einer Tür verbunden werden konnten, war an heutigen Maßstäben gemessen recht karg: zwei Betten, eine Sitzecke, ein Schrank und ein Handwaschbecken. Weitere sanitäre Einrichtungen fanden sich jeweils in den landwärts gerichteten Treppenhäusern der Blocks. Alle Gästezimmer sollten über Lautsprecher verfügen.

 

Durch den Krieg und DDR-Zeiten sind die Gebäude ziemlich verwahrlost, sollen jetzt aber nach und nach wieder zu einem Touristenzentrum ausgebaut werden. Die Lage ist sehr schön, bloß wer will in solchen Kasernen wohnen.

 

Dann ging es weiter nach Bergen. Bergen befindet sich in zentraler Lage von Deutschlands größter Insel Rügen. Die Stadt liegt in hügeligem Gebiet. Unmittelbar am nordöstlichen Stadtrand erreicht der Rugard eine Höhe von 91 m ü. NN. Das Gebiet um Bergen ist weitgehend landwirt-schaftlich geprägt. Der Ort selbst liegt auf einer Anhöhe, die während der letzten Eiszeit beim Rückzug des Eises entstand.
Nur unweit vom Zentrum entfernt befinden sich in nordöstlicher Richtung der Kleine Jasmunder Bodden, südöstlich der Greifswalder Bodden sowie die Stadt Putbus.

 

Vorbei an großen Hünengräbern, eine volkstümliche Bezeichnung im norddeutschen Gebiet für so genannte Großsteingräber oder Megalithanlagen, zumeist bestehend aus Findlingen, die nach der letzten Eiszeit liegen geblieben sind und zum Bau dieser Grabanlagen genutzt wurden, fuhren wir durch den Nationalpark Jasmund über die Schaabe.

 

Die Schaabe ist eine fast zwölf Kilometer lange Nehrung auf der Ostseeinsel Rügen. Sie liegt zwischen den Halbinseln Jasmund und Wittow. Vom Meer aufgespült und geformt, bildet sie sichelförmig die Begrenzung der Tromper Wiek und trennt auf der anderen Seite den Großen Jasmunder Bodden und den Breeger Bodden von der Ostsee. Der feine aufgespülte Sand bildet eine riesige natürliche Badebucht, die durch die Ortschaften Glowe und Juliusruh (einem Ortsteil der Gemeinde Breege) begrenzt wird.

 

Im Gegensatz zur zweiten großen Nehrung auf der Insel Rügen, der Schmalen Heide zwischen Jasmund und der Granitz, die durch den Bau des KdF-Bades Prora und einer jahrzehntelangen militärischen Nutzung mit der dazugehörigen Infrastruktur geprägt wurde, ist die Schaabe zwischen Glowe und Juliusruh bis auf eine Försterei und die einzige durchgehende Straße sowie dem danebenliegenden asphaltierten Fahrradweg unbebaut. Eine wunderschöne Landschaft. Besonders der kleine Ort Glowe hat uns begeistert.

 

Nun ging es weiter in Richtung Kap Arkona. Kap Arkona ist eine 45 m hohe aus Kreide und Geschiebemergel bestehende Steilküste im Norden von Rügen auf der Halbinsel Wittow. Das Flächendenkmal Kap Arkona gehört neben dem Fischerdorf Vitt zur Gemeinde Putgarten und ist eines der beliebtesten Ausflugsziele auf Rügen. Wir fuhren mit einer Kleinbahn zum Kap, wo sich zwei Leuchttürme, ein Peilturm und einige touristische Gebäude befinden. Den ca. 1,5 km langen Spaziergang zum Dorf Vitt an der Steilküste entlang, von wo man das Kap Arkona sehen kann, konnte Mutti allerdings nicht mitmachen und so blieben wir bei den Leuchttürmen und stärkten  uns bei einem Imbiss. Leicht erschöpft kam der Rest der Truppe dann nach 2 Stunden wieder zum Bus, der mit uns nun in Richtung Königsstuhl brachte.


Der Königsstuhl ist der berühmteste Kreidefelsvorsprung der Stubbenkammer im Nationalpark Jasmund auf der Insel. Man erreicht ihn entweder über den insgesamt etwa 11 km langen Hochuferweg, der von Sassnitz nach Lohme führt oder vom 3 km entfernten Großparkplatz in Hagen, ein Ortsteil der Gemeinde Lohme. Wir hielten auf diesem Großparkplatz und ließen Mutti und noch eine Mitreisende, die den unebenen und mit einigen Stufen versehenen Waldweg nicht laufen wollten, zurück. Wir machten uns also auf zur südlich gelegenen Victoriasicht, wo uns ein herrlicher Blick auf den weißen Kreidefelsen, das blaue Wasser und den blauen Himmel viele Fotos machen ließ. Die Treppen zum Strand mit seinen 412 Stufen wollte aber niemand benutzen, um den Königsstuhl mal aus einer anderen Perspektive aufzunehmen. Einer Sage zufolge soll der Name Königsstuhl daher kommen, dass in alter Zeit derjenige zum König gewählt wurde, dem es als Erstem gelang von der Seeseite aus den Kreidefelsen zu erklimmen und sich auf den oben aufgestellten Stuhl zu setzen.

 

Nach einer guten Stunde ging es dann weiter Richtung Sassnitz. Sassnitz ist eine kleine Hafenstadt. Neben dem Stadtzentrum mit vielerlei Ein-kaufsmöglichkeiten, findet man in Sassnitz eine historische Altstadt, die wir leider nicht besucht haben, eine Strandpromenade und einen idyllischen Hafen. Der Fährhafen Sassnitz ist ein Hafen für die Fährschifffahrt im Ortsteil Mukran der Stadt Sassnitz an der Prorer Wiek im Osten der Insel Rügen.

 

Aufgrund der vorgelagerten Lage in der Ostsee sind die von Sassnitz ausgehenden Fährlinien nach Schweden, Litauen und Russland die kürzesten von Deutschland aus bestehenden Seeverbindungen in diese Länder. In diesem Hafen wollte die Mehrzahl der Mitfahrenden unbedingt noch eine Kaffeepause einlegen. Mutti und mir wäre die historische Altstadt allerdings wesentlich lieber gewesen, denn als Kieler haben wir „Hafen“ genug.

 

Von Sassnitz ging es nun direkt zurück in unser Hotel in Binz. Da wir ja nun auf der „Rügenrundreise“ nicht die Selliner Seebrücke gesehen hatten und wir uns dies auf keinen Fall entgehen lassen wollten, haben wir uns kurzfristig (dauerte allerdings 30 Minuten bevor das Taxi kam) nach Sellin fahren lassen. Es war mittlerweile 17.30 Uhr und die Touristen schon in ihren Ferienwohnungen oder Hotels, so dass wir uns auf der Fahrt zur Brücke in aller Ruhe die schönen alten Häuser ansehen konnten. Unser Taxifahrer konnte uns unheimlich viel über die Geschichte von Sellin und Göhren (seine Heimatstadt) erzählen. Toll war auch der Blick auf die Selliner Brücke in der Abendsonne. Mit dem Fahrstuhl sind wir dann zum Strand runter gefahren und haben uns das Brückenhaus, welches 1998 nach Wiederaufbau eröffnet wurde, angesehen. Mit 394 Metern Länge ist die Selliner Seebrücke die längste Seebrücke der Insel.

 

Nach diesem ereignisreichen langen und anstrengenden Tag haben wir uns es dann gut gehen lassen an dem Abendbuffet, denn am nächsten Tag ging es ja schon wieder Richtung Heimat. Da die „Mehrheit“ entschieden hatte erst um 10.00 Uhr loszufahren, konnten Mutti und ich noch das tolle Schwimmbad in unserem Hotel genießen, um dann in aller Ruhe zu frühstücken und die Koffer zu packen.

 

Die Rückfahrt am 5. Mai sollte über Warnemünde gehen. Das Ostseebad Warnemünde ist ein Ortsteil im Norden der Hansestadt Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Die Warnow mündet hier in die Ostsee und gab dem Ort seinen Namen, er wurde 1195 erstmals in dänischen Urkunden erwähnt. Mit einem 150 Meter breiten Sandstrand verfügt Warnemünde über den breitesten Sandstrand der deutschen Ostseeküste. Jeden Sommer findet in Warnemünde die Warnemünder Woche und die Hanse Sail statt. Beide Ereignisse ziehen jeweils etwa eine Million Touristen nach Warnemünde.

 

Wir freuten uns auf einen Spaziergang entweder an der Promenade oder in der In-nenstadt. Aber weit gefehlt ,es ging mal wieder Richtung Hafen. An diesem Sonntag lag dort die „Queen Elisabeth“ und ein Volksfest ähnlich der Kieler Woche erwartete uns. Es war ein Geschiebe und Gedränge, so dass wir uns in einer Gaststätte ein ruhiges Plätzchen suchten und Spargel gegessen haben. Gegen 15.00 Uhr traten wir dann endgültig die Heimreise über Lübeck und dem Autohof unseres Busunternehmens an. Bis auf uns 4 „Kieler“ war der Bus dann leer. Der Fahrer musste nun seine obligatorische Pause nach 2 Stunden einlegen. Leider ging es nach dieser Pause nicht weiter, denn wir mussten noch auf 2 Busse warten, die aus Italien kamen und auch noch Fahrgäste für Kiel hatten. So verzögerte sich unsere Weiterfahrt um eine ¾ Stunde, was wir sehr ärgerlich fanden. Gegen 20.00 Uhr waren wir dann endlich in Kiel. Unsere 3tägige erlebnisreiche Tour war zu Ende. Allerdings gibt es auf der Insel Rügen noch einiges zu entdecken.