Die Kirmes... ein kleiner Schulaufsatz

 


Es war in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als in den ersten Klassen der Grundschulen vom Schreiben auf Schiefertafeln umgestellt wurde auf das Schreiben in linierte Hefte. Vorbei die Zeit, wo man mit angefeuchteten kleinen Schwämmchen die Buchstaben von der Schiefertafel wischte. Vorbei das quietschen und kratzen der Griffel, die man auch mit Spucke anfeuchten konnte, um diese Geräusche zu vermeiden. Das hatte noch den wunderbaren Nebeneffekt, dass die mit feuchtem Griffel geschrieben Worte zunächst fast unsichtbar auf der Schiefertafel waren und erst langsam beim trocknen sichtbar wurden. Beinahe wie Zauberei.

Die Umstellung auf das Schreiben in Heften hatte zur Folge, dass der Hausmeister der Schule auch in den ersten Klassen die in den Bänken vorhandenen kleinen Tintenfässer füllen musste. Statt Griffel hatten wir nun Federhalter in den alten hölzernen Griffelschachteln. Dazu immer noch ein paar Ersatzfedern der Sorte Sütterlin oder Ly. Später hatten dann schon einige Mitschüler „Füller“, also Füllfederhalter. Sie wurden von uns bewundert, mussten sie doch nicht mehr ihre Federn ins Tintenfaß tunken. In meiner Erinnerung war es auch die Zeit, als wir von der alten deutschen Schrift auf das Schreiben in lateinischer Schrift wechselten. Das hatte zur Folge, dass ich noch heute zwischen die lateinischen auch immer einmal deutsche Buchstaben mische.

Und so begann auch die Zeit des „Aufsatzschreibens“ als Hausaufgabe. Die Schiefertafeln konnten die Lehrer ja nicht mit nach Hause nehmen, um nachzulesen „wer die meisten Fehler“ machte. Mit den Heften war es nun einfach. Die waren nicht dick und die Aufsätze in der Anfangszeit auch noch recht kurz.

 

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Und dann war wie jedes Jahr in meiner Heimatstadt Krefeld „Kirmes“ auf dem Sprödenthal-Platz an der Rheinstrasse. Damals, dass Geld saß nur in wenigen Familien locker, gingen wir mit Groschen auf die Kirmes. Es gab allerlei Naschzeug und für die meisten von uns Kindern war es schon ein Vergnügen einmal etwas besonderes zu bekommen, was es sonst nicht gab, Ich mochte „Moppen“. Eigentlich sind Moppen ein etwas härteres Weihnachtsgebäck in kleiner runder Form. Sie schmecken nach allen möglichen Gewürzen, hauptsächlich aber nach Nelken und Zimt, und sind wirklich ziemlich hart.

So kam es denn in der Schule, wie es kommen musste. Die Kirmes war für unseren Lehrer der Anlass uns als Hausaufgabe einen Aufsatz über eben diese Kirmes schreiben zu lassen. Ich schrieb dann mit meiner schönsten Schrift meinen Aufsatz mit der Überschrift :

Die Kirmes
Auf der Kirmes da sind Mopen zu verklopen, die man in den Mund kann stopen.


" Dieser eine Satz war mein ganzer erster Aufsatz im neuen Heft ".

 

Im feinsten deutsch, alles mit einem „ p “ geschrieben. Moppen schreibt man aber mit zwei " p ". Und mit einem  p  ausgesprochen, hört es sich wirklich komisch an. Das musste die Runde im Lehrerkollegium gemacht haben. Auf dem Schulhof wurde ich in den Pausen von dem einen und anderen Lehrer belustigt angeschaut. Und dann hatte es sich zuerst in der Klasse und später auch in der Schule herum gesprochen. Da ist der mit den "Mopen“ hieß es dann. Aber wie so vieles, ließ auch die Bewunderung für meine Schreibkunst nach und machte Raum für die vielen Fehler in meinen späteren Aufsätzen. Und hätte meine patente Mutter mir nicht manchmal bei den Hausaufgaben über die Schulter geschaut und hier und da eine Korrektur vorgenommen, wobei sie ein paar Flüchtigkeitsfehler stehen ließ, dann hätte ich sicher bei lauter 5 en und 6 en in der Addition die besten Noten in unserer Klasse, vielleicht sogar in der ganzen Schule gehabt. Schließlich erkannte sie, klug wie Sie war, wie man es anstellt bei kleinen Hilfeleistungen nicht zu sehr aufzufallen.

Das meine patente Mutter viele Jahre später Sekretärin des Anrdt-Gymnasiums und des Staatlichen Studienseminars in Krefeld war, konnte sie damals noch nicht ahnen. Und in diesen Positionen war sie viele Jahre sozusagen die " Mutter der Schule " und bei vielem Generationen von Schülern, bekannt und beliebt. Das Kollegium sicher nicht ausgeschlossen.

Und noch heute denke ich mit einem Schmunzeln an meinen ersten Aufsatz und erzähle manchmal, wenn es sich bietet im Freundeskreis die kleine Geschichte von den „Mopen“. Und meine wohlwollenden Freunde sagen dann, na, ein bisschen bekloppt warst Du ja schon immer. Worauf ich sie dann korrigiere und sie bitte auch an diesem Wort ein „p“ weg zu lassen.

 

Mop(p)en - Zutaten