Die Meyer-Werft in Papenburg. Reisebericht von Gabriele Braune

Fahrt nach Papenburg mit Besichtigung der Meyer-Werft am 4. Juni 2012


Unsere Tour zur Meyer-Werft in Papenburg begann früh. Um 6.00 Uhr fuhren wir vom ZOB Kiel direkt nach Papenburg. Da die Busfahrer nach den neuesten Bestimmungen alle 2 Stunden ½ Stunde Pause machen müssen, fuhren wir gegen 8.00 Uhr auf die Raststätte „Oestetal", Unser Busfahrer, ein sehr gut proportionierter Mann, verspeiste erstmal 2 Brötchen. Unsere Mitfahrer suchten - so wie wir auch -das WC auf. Da wir lange keine Autobahntouren unternommen hatten, waren wir sprachlos über 0,70 € für einen Toilettenbesuch, die auch noch von einem Automaten kassiert wurden, so dass man sich nicht evtl. zu zweit durchschmuggeln konnte. Allerdings erhielten wir einen Gutschein über 0,50 €, den wir dann in der Raststätte für Schokolade o.ä. eintauschen konnten.

Dann ging es weiter. Da wir den sonst üblichen Stau vor dem Elbtunnel nicht hatten, waren wir gegen 10.45 Uhr in Papenburg, wo ein netter Stadtführer zustieg, der uns die Meyer-Werft und Papenburg zeigen sollte.

Doch zuerst fuhren wir zur Werft.

 


Riesige Hallen, viele Container und eine Menge Leute mit gelben und weißen Helmen kamen zuerst ins Bild. Dann ging es in den „Besucherrundgang". Nach einem 10minütigen Film über die Entstehung der Werft zeigte uns dann unser Reiseführer die im Laufe der Jahre von der Meyer-Werft gebauten Schiffe, die als Modelle (das Stück kostet 50.000 Euro und mehr) ausgestellt sind. Die Auftraggeber der Schiffe erhalten bei der Schiffsübergabe auch ein Modell

 


Die Gründung der Meyer-Werft:
Der evangelische Schiffszimmermann Henrich Jansen folgte um 1700 einem Aufruf von Drost Matthias von Velen, der Siedler für die „freie Herrlichkeit" Papenburgs suchte. Da es aber schon einige Familien mit dem Namen Jansen gab und man katholisch sein musste, wurde aus Jansen der Katholik Henrich Meyer. Der Enkel von Henrich kaufte 1795 dann die „Thurmwerft" am Papenburger Hauptkanal für 815 holländische Gulden und es gelingt ihm trotz Wirtschaftskrise die Werft weiter auszubauen. Nach Jahren des Holzschiffbaus zeigte man frühzeitig Pioniergeist, der die Grundlage für die stetige Entwicklung der Werft war. Das Unternehmen begann 1872 mit dem Bau von Eisenschiffen mit Dampfmaschinen. Zwischen den beiden Weltkriegen baute die Werft vor allem Fischdampfer, Lotsenschiffe, Feuerschiffe und Passagierschiffe für die Küstenfahrt.
Anfang der 70er Jahre schließt Joseph-Franz Meyer den bislang größten Auftrag in der Geschichte der Werft ab, als er für Russland 6 Gastanker bauen soll, die mit 20,5 Meter zu breit für eine Fahrt durch die Papenburger Eisenbahnbrücke sind. Als Verhandlungen mit der Eisenbahnverwaltung über die Verbreiterung der Brückendurchfahrt keine Fortschritte machen, entschließen sich Joseph-Franz, Godfried und Bernard Meyer zum Bau einer neuen Werft an der Seeschleuse. Im Sommer 1974 beginnt der Bau der neuen Werft und schon im September 1975 war der erste Stapellauf. Danach wird die Werft ständig erweitert. 1985 wird dann das erste Kreuzfahrtschiff - wie immer - quer zu Wasser gelassen. Nach Einweihung der neuen Schiffbauhalle 1987 werden die Schiffe dann nicht mehr mit einem „Querstapellauf" dem nassen Element übergeben, sondern das Dock wird per Knopfdruck geflutet und die Schiffsneubauten schwimmen auf und fahren „gerade" heraus. 1994 wird dann für 7,30 Meter tief gehende Schiffe die Ems ausgebaggert.
1995 feiert die Meyer-Werft ihr 200jähriges Bestehen. Die Firma befindet sich in sechster Generation im Besitz der Familie Meyer.


Beeindruckend ist auch die Fertigung der Schiffe. In den Vorfertigungshallen mit ihren Laserschweißanlagen werden einzelne Schiffsblöcke gebaut, die dann im Dock mit den weiteren vorgefertigten Teilen zusammengesetzt werden. Die Schiffskabinen werden in einer anderen Halle vorgefertigt und in die dafür vorgesehen Lücken im Schiffsrumpf eingesetzt. Damit die Arbeiter während der Arbeitszeit keine langen Wege zurücklegen müssen, um die Arbeitsmaterialien heranzuschaffen, wird jeweils ein mit allen Teilen bestückter Container dem Arbeitssegment zugeteilt. Es wird also keine Zeit verschwendet.



Grundriss Werftgelände


Nach fast 2 Stunden voll mit beeindruckenden Bildern und viel Information brummte uns der Kopf, aber wir waren begeistert. Nach einer kurzen Pause fuhren wir dann erstmal zum Mittagessen. Das Lokal wirkte auf uns als wenn eigentlich Ruhetag war. Wir waren die einzigen Gäste und saßen in einem nicht gut beheizten Raum. Die Wirtsleute haben wohl gedacht, dass die Körperwärme der Gäste das ausgleichen würde. Nach einem guten Essen ging es dann zur 1 ½ stündigen Stadtrundfahrt durch Papenburg.


Papenburg ist die nördlichste Stadt des Landkreises Emsland. Im Westen der Stadt verläuft der Dortmund-Ems-Kanal sowie die Ems. Ein- bis zweimal jährlich wird sie mit Hilfe des Sperrwerks in Gandersum aufgestaut, so dass die Meyer Werft die Hochseeschiffe in die Nordsee überführen kann. Kanäle prägen das Stadtbild Papenburgs ähnlich wie in Friedrichstadt. Sie wurden ursprünglich angelegt, um das Moor zu entwässern um so den Torf abbauen zu können und als Brennstoff nutzbar zu machen. Die Kanäle wurden als Abtransportwege entdeckt, woraufhin viele Holzschiffswerften entstanden, die Lastkähne bauten, die von Menschen später von Pferden durch die Kanäle „getreidelt" wurden. Zugunsten des Kfz-Verkehrs wurden später diverse Brücken gebaut, so dass die Kanäle heute nicht mehr von großen Schiffen befahren werden können. Das durch die Moorentwässerung gewonnene Land wurde in „Plaatzen" unterteilt und an die Kolonisten, mit einer Erbpacht ausgestattet, ausgegeben. Jeder Kolonist musste vor seinem Haus 7 Meter tief und breit ein Stück Kanal bauen. So wurde im Laufe der Jahre Papenburg mit diesem Kanalnetz durchzogen.

 


Unser Reiseführer konnte die verschiedenen Sehenswürdigkeiten wie die
St.-Antonius-Kirche, die wegen des moorigen Untergrundes auf 12 Millionen Ziegelsteinen gebaut wurde, gut mit netten dazugehörigen Geschichten rüberbringen. Allerdings fielen einigen Mitreisenden - besonders den Herren - aufgrund des guten Essens und dem dazu genossenen Bier die Augen zu. Da unser Reiseführer neben dem Busfahrer saß, bemerkte er dies erst später, obwohl er das sicher schon vermutet hatte. Doch weiter mit den Sehenswürdigkeiten.
Das Rathaus mit dem gartenartig gestalteten Rathausvorplatz, der Alte Turm, der einem Leuchtturm von Riga nachgebildet wurde oder die älteste Bockwindmühle Deutschlands, um nur einige Sehenswürdigkeiten zu nennen, hatten wir hier nicht vermutet. Durch die Kanäle ist die Stadt weit auseinander gezogen, so dass für die Bewohner lange Wege zum Stadtkern entstehen.
Das Freilichtmuseum am Obenende (Ortsteil von Papenburg) zeigt mit lebensgroßen Bronzefiguren, alten „Fehnhäusern" (Siedlungshäuser) sowie aus Torf gebaute Häuser bzw. Hütten, wie die ersten Siedler in Papenburg lebten. Das Schifffahrtsfreilichtmuseum zeigt originalgetreue Nachbauten alter Papenburger Schiffe aus Holz, die von Auszubildenden der Meyer-Werft nachgebaut wurden und die fest verankert in den Kanälen im gesamten Stadtgebiet verteilt liegen.


Die frühere im Ort liegende Meyer-Werft hat man nach Umzug der Werft in ein Kultur- und Freizeitzentrum umgebaut.
Darüber hinaus befindet sich in Papenburg eine der weltweit größten herstellerunabhängigen Auto-Teststrecken Europas, die uns unser Reiseführer allerdings nicht zeigen konnte, aber wir waren beeindruckt.
Nach soviel „Input" machten wir uns dann bei mittlerweile strömendem Regen auf die Heimreise nach Kiel. Es war ein interessanten und schöner Tag. Papenburg wird uns in angenehmer Erinnerung bleiben.

 

Fotos : Meyer-Werft

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