Die Sauna

Wellnesstempel: Zum Auf- oder Abregen?                                                                  von Karin Schöniger

Früher hielt ich sie für gesund, meine wöchentlichen Saunagänge, natürlich am Damen-Tag. Vielleicht hatte ich damals bessere Nerven, ich weiß es nicht mehr, vielleicht gab es aber auch wirklich weniger zum Aufregen. Wasser ist nach wie vor mein Element, also bin ich mit dem Liebsten häufig am Warmbadetag im Wellenbad, an kalten Wintertagen in der Holsten-Therme oder manchmal ganz luxuriös im Wellnesshotel mit dem Rundum-Sorglos-Programm unterwegs.

Die Qualität dieser Einrichtungen sagt etwas über die Investition, nicht aber über die Besucher aus. Das wäre ein Vorurteil. Im Gegenteil, ich habe manchmal den Eindruck, je höher der Eintrittspreis, desto mehr lassen sich die Gäste gehen. Hat ja schließlich genug gekostet, was interessieren da die Sauna-und Schwimmbadregeln? Doch inzwischen bin ich ein alter Hase, ich weiß, dass Hinweise und Verbote nur so viel wert sind, wie die Schilder, auf denen sie stehen. Das große Schild „Hier ist eine Ruhesauna“ erreicht zum Beispiel nicht die Leute, die ihre Brillen abgenommen haben und auch nicht die, die gerade munter quasselnd zu zweit die Sauna betreten. Ich habe es längst aufgegeben, an eine „Ruhesauna“ zu glauben. Ich bin schon froh, wenn der neben mir triefende Mann sein Handtuch tatsächlich ausgebreitet hat und nicht lässig auf einem halben Haufen Frottee sitzt, weil „Mutti“ ihm das Handtuch nicht gerichtet hat. Tatsächlich habe ich das noch nie bei einer Frau gesehen...

Ich glaube, Männer halten sich erst dann für richtige Kerle, wenn sie ordentlich schwitzen. Je mehr desto besser ! Da sitzt er dann, als Krone der Schöpfung, schön breitbeinig auf der höchsten Bank und wartet auf das Ergebnis. Die triefende Stirn wird gern mit einer flotten Handbewegung vom Schweiß befreit, sehe ich das rechtzeitig, kann ich mich immerhin noch wegducken. Kein Märchen ist es, dass vor kurzem ein Mann direkt neben mir saß, der eine dicke Wollmütze auf dem Kopf hatte, aus der es munter tropfte.

Still genießend sah er zu, wie sich das Rinnsal vom Kopf auf den gewölbten Bauch bewegte und dann noch eine Etage abwärts, bevor es auf dem Boden eine immer größer werdende Lache bildete. Er wirkte sehr zufrieden und nach dem Motto:“ Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“ verkniff ich mir meinen Kommentar über Hygiene im Allgemeinen und Saunaregeln im Besonderen...

In Ruhepausen könnte man in Ruheräume gehen, wenn man die Hoffnung hätte, sie wären wirklich ruhig. Weil das aber selten stimmt, kann man sich auch im Bademantel in einen Sessel setzen und das Schaulaufen der Gepiercten und Tätowierten beobachten. Alle anderen tragen nämlich Bademäntel... Auf diese Weise habe ich schon oft schöne und weniger schöne Körperbemalungen präsentiert bekommen und Piercings an Stellen, die wirklich gruselig waren. Manchen ( vielleicht wieder den echten Kerlen?) genügen Piercingringe nicht, da müssen es schon größere Schrauben sein. Wirklich beeindrucken kann mich beides nicht mehr. Mal sehen, was noch kommt...

Früher war alles besser? Ich weiß nicht, auf alle Fälle viel langweiliger. Denn wer das alles nicht möchte, kann ja immerhin noch wegsehen, hin zu den brav Eingehüllten, Feinsinnigen und rücksichtsvoll Schweigenden, je nach Lust und Laune!