Du armes Schwein - oder wie ich "Flexitarier" wurde ...

                                                                                                                                                von Karin Schöniger

 

In meinem Elternhaus gab es feste Regeln, wann was auf den Tisch kam. In der Woche Frikadellen, Fisch oder Bratwurst, am Waschtag Milchreis, und am Sonntag reichlich Fleisch in Form von Braten, Gulasch oder Rouladen. Genauso habe ich es dann für meine eigene Familie übernommen.

Erst viel später, als niemand mehr über die Berichte von Massentierhaltungen hinwegsehen konnte, beschloss der Familienrat einige fleischfreie Tage in der Woche. Eine halbherzige Entscheidung, aber schon einmal ein Anfang des Verzichts. Doch schnell begriffen wir, dass das allein nichts half. Solange die Discounter untereinander um jeden Cent für Eier, Milch oder Fleisch kämpften, würde die Massentierhaltung weitergehen, immer billiger, immer schlechter, immer unwürdiger. Genau das Gegenteil wäre sinnvoll: Der Mindestpreis für Fleischprodukte!

Laut Fleischatlas 2013 isst der Durchschnittsdeutsche 12 Gänse, 37 Enten, 46 Puten und 945 Hühner im Laufe seines Lebens. (Quelle: Tagesschau.de) In einer Fernsehsendung sahen wir die Massentierhaltung von Geflügel und das Leiden durch übergroß angezüchtete Brustmuskeln (alles für Puten-und Hähnchenschnitzel).
Ab sofort wurde konsequent jegliches Geflügel von unserem Speiseplan gestrichen. Selbst bei der Weihnachtsgans machten wir keine Ausnahme. Gelitten haben wir dadurch nicht, im Gegenteil, unsere Kochrezepte wurden immer phantasievoller und ehrlich: Auch schmackhafter!
Bis auf max. 2 Eier zum Backen konnten wir auch problemlos auf Eier verzichten. Wer braucht Rühr-oder Spiegelei schon wirklich?

Hin und wieder Deichlammfleisch oder Rindfleisch von garantierter Weidehaltung ist nun eine Delikatesse und wir müssen nicht das Gefühl haben, von der Massentierhaltung und -schlachtung zu profitieren. Aus diesem Grund ist Schweinefleisch natürlich auch kein Thema mehr.

Zu einem rein vegetarischen Leben haben wir uns noch nicht entschließen können. Unser Verzicht auf Billigfleisch ist nur ein Kompromiss zum Tierwohl und wenn sich viel mehr Verbraucher dazu entschließen könnten, ginge es nicht nur den Tieren besser, sondern auch den Bauern, die bislang einem gnadenlosen Preisdruck unterworfen werden. Ein namhafter Schweinezüchter sagte kürzlich: „ Warum soll ich meine Stückzahlen reduzieren, die Verbraucher wissen doch Bescheid. An ihnen liegt es doch, wieviel Tiere produziert werden.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen !

Übrigens am 1. Oktober ist der internationale Weltvegetariertag. In Deutschland leben mittlerweile ca. sieben Mio. Vegetarier. Ihre Zahl hat sich seit 1983 mehr als verfünfzehnfacht. Die größte Rolle dafür spielen moralische Gründe, insbesondere die Massentierhaltung. (ks)

 

Erzeugerkilopreis 1,49 Euro