Eckart Cordes - Kiel - Ein besonderer Buchhändler und seine Geschichten

 

 

 

Kieler Kulturpreisträger Eckart Cordes 

Von Ruth Bender | 22.03.2013 00:00 Uhr

Die Zeitung zum Frühstück ist tägliches Leseritual; und im Wohnzimmer in der Lornsenstraße liegt das neue Buch von Martin Walser auf dem Tisch. Meßmers Momente, ein schmaler Band, gefüllt mit knappen altersweisen Sentenzen. Eckart Cordes streicht mit Andacht über den schönen Einband, wendet und blättert das Buch und sagt: „Das kann ich ganz gut lesen.“

 

Kiel. Nach fast zwei Jahren schwerer Krankheit, mit Rückschlägen und Rollstuhl lässt er es langsam angehen – aber seit Beginn des Jahres ist der ehemalige Buchhändler, Literaturvermittler und Kieler Kulturpreisträger wieder auf den Beinen, hat derzeit mit Reha und Sprachtraining einen Vollzeit-Job – und zu seinem 80. Geburtstag am 24. März wieder einen Blick für die Zukunft.

Dass Gefühl, nicht Herr seiner selbst zu sein, sei am schlimmsten gewesen, sagt Cordes, verstummt und lässt den Blick nach innen wandern. Der sprudelnde Geschichtenerzähler, der stundenlang aus einem unerschöpflichen Anekdotenschatz plaudern konnte und nach dem Verkauf seines legendären Buchladens in der Willestraße (2000) mit seinen magisch ausufernden Erzählabenden das Publikum verzauberte, ist stiller geworden. Er spricht vom täglichen Spaziergang in die Orthopädie und dass er jetzt wieder auf der alten Triumph-Schreibmaschine aus dem Buchladen tippt. Er freut sich über die Genesungswünsche von Günter Grass, erinnert sich an Peter Bichsel, der über die Jahre zum Freund geworden ist, und ruft Kater Amor zur Ordnung.

„Die Dinge, die man gemacht hat“, sinniert Cordes, „dass sich Autoren wie Arnold Stadler, Grass und Bichsel hier wohlgefühlt haben, das hilft schon.“ Neben dem nimmermüden Einsatz von Ehefrau Inke. Er hat sie ja alle gehabt bei seinen Internationalen Autorenabenden, die 1961 zum ersten Mal über die Bühne gingen. Elias Canetti kam, Günter Kunert, H.C. Artmann, Gabriele Wohmann, Ulla Hahn, Peter Härtling, Siegfried Lenz – es gab Zeiten, da trieb es die deutschsprachige Gegenwartsliteratur-Szene nach Kiel. „Irgendwann hat sich eine aus der anderen Lesung ergeben“, schmunzelt er. Auch internationale Stars ließen sich von der offenen Literaturbegeisterung von Eckart Cordes locken: John Irving, Andrzej Szczypiorski, Connie Palmen und kein Geringerer als Peter Ustinov. Verdienste, die die Stadt Kiel 2006 mit dem Kulturpreis für den unermüdlichen Buchhändler honorierte.

Die Gäste waren bei Cordes das eine, das andere die unnachahmliche Art, mit der der Gastgeber die Leseabende zwischen Wohnzimmer-Atmosphäre und großem Auftritt austarierte. „Die Geschichten müssen wiederkommen“, sagt er nun vehement und da blitzt sie wieder auf, die Lust am Erzählen, die Erinnerung: „Und die kommen auch.“ Nahziel ist erstmal das Kieler Kulturleben. Eckart Henscheid im Literaturhaus hätte er kürzlich schon allzu gerne gehört – „das ist ja auch ein Cordes-Autor“. Und im Opernhaus peilt Cordes Wagners Fliegenden Holländer an – schlimm genug für den glühenden Opernfan, der sich normalerweise keine Kieler Premiere entgehen lässt, dass er diesmal noch nicht dabei war. Bleibt der Geburtstag, zu dem ihm Inke Cordes eine kleine Feier ausrichtet: „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Und ich wünsche mir, dass es weiter aufwärts geht.“

 

Artikel mit freundlicher Genehmigung aus KN-online (http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Kulturszene/Die-Geschichten-kommen-wieder)

 

Erzählungen und Lebensgeschichten von Eckart Cordes (Audio)

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(Eckart Cordes)

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