Kieler Woche 2009 - So ist es alle Jahre wieder. Ein Volksfest.


Eigentlich sollte bei der Kieler Woche ein guter Wind wehen. Tut es auch manchmal, aber nicht immer. Flaute nennen es dann die Segler. Und wenn's gut geht, sollte auch die Sonne scheinen und der Regen Gegenden vorbehalten bleiben, wo große Trockenheit herrscht. Aber so ist es nun einmal nicht.

Auch die diesjährige Kieler Woche begann mit verhangenem Himmel, zu viel Wind und zu viel Regen. Sicher, zwischendurch reißt die Wolkendecke auch einmal auf und ein paar Sonnenstrahlen erinnern fern an das, was man Sommer nennt. Wer wie ich, nun schon lange hier lebt, kennt das.

Das " größte Segelereignis der Welt " findet immer Ende Juni statt. Zum ersten Mal 1882, also vor weit über hundert Jahren. Aus dem ersten Wettsegeln zwischen Marineoffizieren und Kaufleuten entstand dann dieses jährlich wiederkehrende Ereignis, eigentlich eine Sache, die sich nur auf dem Wasser abspielt, oft weitab von der Innenförde.

Regattabegleitschiffe sind vollgepackt mit " Sehleuten ". Einige verstehen sicher etwas von der Sache. Für die meisten ist es eine Gaudi. Von weither kommen Besucher angereist. Die Hotels sind ausgebucht und in den Kneipen drängeln sich die Durstigen.

Den Kieler Yachtclub hat man umgebaut und renoviert. Schneeweiss steht das Gebäude nun wie eh und je am alten Olympiahafen. Im Vorrübergehen hörte ich Leute sagen, " da traut man sich ja gar nicht hinein," aber so schlimm scheint es nicht zu sein, denn selbst bei diesem schlechten Wetter sassen Gäste draussen unter Schirmen.

 

Natürlich ist die Kieler Woche auch ein gesellschaftliches Ereignis. Da eröffnen beliebte oder weniger beliebte Politiker mit ein paar Glockenschlägen oder Typhonhupen den Beginn der Festivitäten, und gesellschaftliche Ereignisse werden jedes Jahr von Leuten besucht, die sich schon Jahre kennen und sich in Freundlichkeit oder Unfreundlichkeit verbunden sind, ein paar Konzerte im Schloss, ein paar Bälle. Schöne Frauen gleiten hier mit ihren Gatten in Schwarz oder Uniform übers Parkett. Ein bißchen Erzählerei über dies und das, Küsschen links und Küsschen rechts, " Und dann bis zum nächsten Jahr an gleicher Stelle ". Vielleicht gibt es auch ein paar politische Gespräche ohne ernsthafte Folgen. Wind der Worte würde Antoine de Saint Exuperie sagen. Aber Wind ist hier ja meistens und der Worte gibt es viele.

Sicher geht es bei der Kieler Woche auch um den Kommerz. Die Innenstadt und das Ufer sind vollgestellt mit Zelten und Buden. Von orientalisch bis barbarisch wird hier alles gebrutzelt, gekocht und gegrillt, um die fast  3 Millionen Besucher, die erwartet werden, zu verköstigen, mit Bussen, Bahnen und allen möglichen Verkehrsmitteln reisen die Menschen an. Autos finden keine Parkplätze. Man spricht von rund  1500 Veranstaltungen, die man heute ja Events nennt. Volkstanzgruppen von Irgendwo bis zum Popkonzert von Nirgendwo. Wer glaubt, hier Musikgenuss der feinen Art zu finden, der ist am falschen Ort. Die Bässe dröhnen, der Boden bebt und es ist fast so wie beim Pingpongspiel. Eine Band/Kapelle spielt gegen die andere, aber lauter ist nicht immer besser. Zeiterscheinung, Zeitgeist. Ich wohne in einer ruhigen Strasse in Wassernähe. Das Bumbum dröhnt über Bäume, Büsche und Häuser bis fast Mitternacht, sogar durch meine geschlossenen Fenster. Es ist halt ein " Kulturereignis "

Dann die Schiffe. Sie sind die eigentlichen Schönheiten, zu sehen am Thiessenkai in Holtenau und in der Innentadt, direkt gegenüber dem Bahnhof und entlang der Fördekais, alte Drei-und Zweimastsegler, liebevoll restauriert und seetüchtig. Die meisten kommen aus Holland.

Die Gorch Fock, das Paradeschulschiff der Marine und unzählige grosse und weniger grosse Segelschiffe dümpeln in den Hafenbecken vor sich hin, bevölkert von Eignern und ihren Freunden und Geschäftspartnern. Motto " sehen und gesehen werden ". Dazwischen die Riesenfähren die nach Oslo oder Göteborg fahren, sowie die Kreuzfahrschiffe, die beladen mit ein paar tausend Menschen für ein oder zwei Wochen die Ostseeküste entlang fahren. Hier und dort ein paar Stunden Städtebesuche in St. Petersburg, Stockholm, Kopenhagen etc. etc. Allen Leuten, die diese schwimmenden Dörfer für eine kurze Zeit bewohnen, dürften diese Reisen in ganz individueller Erinnerung bleiben.

Zurück ans Ufer, wo sich Menschenmassen aneinander vorbeischieben, wo es inzwischen schon nach altem verbrannten Fett riecht und die ersten leicht angetrunkenen Besucher auf der Suche nacht Toiletten sind, deren es in Kiel ohnehin zu wenige gibt. Sieben Tage dauert das Spektakel. Den Budenbesitzern ist gutes Wetter zu wünschen, ( was heute am Dienstag auch vorherrscht ) denn die Standmieten lässt sich die Stadt gut bezahlen, sagt man. Den Seglern wünscht man immer einen guten Wind. Die Handbreit Wasser haben sie hier ohnehin unter dem Kiel. Und allen Besuchern eine möglichst angenehme Erinnerung an ein Ereignis, das sich im kommenden Jahr genau so wiederholen wird, wie schon seit 1882 zum 128. ten Mal. Die Kieler Woche.

 

Fotos: Foto Renard - Dirk Peters - Richard Fander