Kitesurfen - Frei wie der Wind

Kitesurfen - Frei wie der Wind                         von Rasmus Angenendt    
Noch vor gar nicht langer Zeit als schnelllebiger Trendsport belächelt, ist das Kitesurfen alles andere als eine vorübergehende Erscheinung. Wohl keine Sportart verbreitet sich in unseren Küstenregionen an Nord- und Ostsee so rasant.
Kiten ist für mich ...
... die große Freiheit, ausgeliefert der Kraft von Wind, Wasser und Wellen.
 
 

Frei wie der Wind!


Da draußen bin ich allein mit den Elementen. Die Gedanken sind nur beim nächsten Sprung, bei der nächsten Welle. Kein Handyklingeln, nichts stört. Und alles geht mit wenig Krafteinsatz. Ich kann stundenlang auf dem Wasser sein und erlebe das Gefühl von Freiheit, allein mit den Naturgewalten, so intensiv wie wohl selten sonst.
Am faszinierendsten sind die Sprünge. Ich kante an, lenke den Schirm nach hinten, und dann werde ich hochgerissen in luftige Höhen. Für Sekunden bin ich schwerelos. Und wenn ich einen hohen Sprung auch noch sauber lande, vor der nächsten Welle und sofort wieder in voller Geschwindigkeit über das Wasser gleite, dann wird alles andere unwichtig.
in kurzes Surfbrett, ein übergroßer Lenkdrachen, das Meer und viel Wind - das macht Kitesurfen aus. Geschwindigkeiten bis zu 50 Knoten sind in dieser Sportart ebenso möglich wie Sprünge bis zu zehn Meter Höhe.
Kitesurfen vereint viele Sportkomponenten in sich: Wellenreiten, Wakeboarden, Lenkdrachenfliegen, Windsurfen und Segeln. Surfer aus den USA und aus Frankreich entwickelten die Prototypen für diese besondere Form des Windsurfens in der Mitte der 80er-Jahre. Seit 2000 verbreitete sich das Kiten dann rasend schnell über verschiedene populäre Windsurfreviere und übt bis heute eine ungebrochene Faszination aus.

 

 

Anfänger lernen in kleinen Gruppen.


Das Besondere
: Wird der Kite, also der Lenkdrachen, richtig eingesetzt, gleitet der Kitesurfer lautlos über das Wasser, kann Sprünge bis zu zehn Meter Höhe machen. Geübte Kiter bauen in diese Flugphase gerne Tricks ein, was Wakestyle genannt wird. Doch auch das einfache Hin- und Hergleiten auf dem Wasser hat seinen Reiz. „Dieses lautlose Dahingleiten, das Sausen des Windes in den Ohren, Gischt spritzt ins Gesicht. Man fühlt sich so frei. Das ist gigantisch!", schwärmt ein Kiter am Strand von St. Peter-Ording. Hinzu kommt der unproblematische Start in den Sport. Kite aufpumpen, Leinen auslegen, starten, los. Keine 15 Minuten dauert es von der Ankunft am Strand bis zum ersten Sprung.
Die Vorteile
Die Ausrüstung ist leicht, kompakt zu verstauen und daher einfach zu transportieren. Der Kite lässt sich bis auf Rucksackgröße falten, das Board passt in jeden Kleinwagen. Zusätzlich wird nur noch ein Trapez benötigt, also eine Hose oder ein Gurt, mit dem der Lenkdrachen am Körper befestigt wird. Empfehlenswert sind ein Helm, eine Prallschutzweste sowie in norddeutschen Breiten ein Neoprenanzug.
Der Sport ist einfach und schnell zu erlernen. Schon ein Zweitageskurs reicht, um sich die Grundlagen anzueignen. In der Regel ist ein Anfänger danach in der Lage, selbstständig weiter zu üben.
Kitesurfen ist kein Kraftakt. Mithilfe des Trapezes ist es jedem möglich, einen Kite zu kontrollieren und den Zug, der durch den Wind entsteht, zu dosieren.

 

 

Der Einstieg
Kitesurfen ist anfangs zu 90 Prozent reines Lenkdrachenfliegen. „Den Kite zu beherrschen ist der Hauptbestandteil eines Anfängerkurses", meint Ralf Madert, Leiter der Surfschule „Surfer‘s Paradise". „Wir üben zunächst den Umgang mit dem Material, also den verschiedenen Kite- und Boardarten mit ihren Sicherheitssystemen. Wir bringen den Anfängern bei, gefährliche Situationen zu erkennen und zu vermeiden", so Madert.
Von der Wetterkunde über den Aufbau und die Steuerung des Kites, die Selbstrettung und den Relaunch, also das erneute Starten des Kites nach einer Wasserung, bis hin zum Anfahren und Höhelaufen lernt der Schüler alles Nötige für den Einstieg.

Die Risiken
Das Material in der heutigen Zeit ist deutlich besser als noch vor ein paar Jahren. War es früher noch an der Tagesordnung, dass der Kite bei einer Bö ein immenses Kraftpotenzial entwickelte und so manchen Kiter unfreiwillig weite Strecken hinter sich herzog, ist diese Art von Unfällen heute fast ausgeschlossen. Die 2006 eingeführten Bow-Kites ermöglichen es, den Kite durch Änderung des Anstellwinkels nahezu drucklos werden zu lassen - eine Revolution für die Sicherheit beim Kitesurfen. Wenn der Kiter darüber hinaus sein Revier gewissenhaft auswählt und sich an die Regeln hält, steht dem Spaß nichts im Weg.                                                                                                      www.wind-und-wasser.eu

Fotos: Beckmann