Krefeld - meine Heimat - Erinnerungen

 
 
Es war einmal. So fangen alle Märchen an, auch die Erinnerungen an das Krefeld meiner Jugend.
 
Wo heute das Polizeipräsidium ist, Ostwall Ecke Nordwall, stand einmal das Haus  Ostwall 246 in dem ich 1928 geboren wurde.  Beim großen Fliegerangriff 1943 wurde es  zerstört. Rechts sieht man noch ein Stück der Fassade. Das mittlere Trümmerfeld ist der Garten, der an die Lohstrasse grenzte. Der Durchblick zeigt die zerstörten Häuser in der Lohstrasse. Die linke Fassade befindet sich am Nordwall Ecke Lohstrasse.
 
Mein Geburtshaus gehörte dem Bankier Conrad Sohmann. Seine Frau, Maria, geborene Stinnes ist über ihren Tod hinaus bekannt durch ihre Stiftungen, die bedürftigen Frauen Mittel für ihren Lebensunterhalt gewährte. Nach ihr ist auch eine Straße in Krefeld benannt.
In dieser " Stadtvilla " hatten meine Eltern die erste Etage gemietet. Im erhaltenen Adressbuch von 1928 steht noch der Eintrag unter dem Ostwall 246 - Hans Fander, Kaufmann.
 
Rüdiger Feldmann, der in alten Unterlagen der Stadt recherchierte und die abgebildeten Fotos fand, gilt mein besonderer Dank.
 
Dank auch dem Krefelder Stadtarchiv, das die alten Fotos dann .zur Verfügung stellte.
 
 
Hier, im Haus Ostwall Ecke Nordwall habe ich wie man so schön sagt, " das Licht der Welt " erblickt. Erinnerungen an die kurzen Jahre am Ostwall habe ich nicht. Meine Mutter hat mir später erzählt, dass sie dort in den ersten Jahren ihrer Ehe glücklich war. Im  Garten hatte ich einen Spielplatz und der Ostwall war früher noch eine ruhige Flaniermeile. Die Eltern meines Vaters wohnten nicht weit, am Oranierring Ecke Hülserstrasse, und andere Familienmitglieder der väterlichen Familie auch in unmittelbarer Nähe. Später, ich ging schon auf dem Westwall in die Schule, besuchte ich öfter einen Freund, dessen Vater auf dem Ostwall, kurz vor der Nordstraße, eine "Krawattenfabrik" hatte. Zuerst habe ich immer vergeblich den Schornstein der Fabrik gesucht, dachte ich doch, dass eine Fabrik auch einen Schornstein haben muss, wie seinerzeit die Fabrik des anderen Großvaters in der Vereinstraße. Später erfuhr ich dann, dass Kaufleute sich auch Fabrikanten nannten, die Krawatten in Heimarbeit nähen ließen, um sie dann "en gros" zu verkaufen. Natürlich gab es auch größere und kleinere Firmen, in denen Näherinnen die Krawatten herstellten. Vor dem Bombenangriff im Jahr 1943 kam ich oft, wenn ich mit meinen Freunden ins Hülser Bruch fuhr ( für uns ein Abenteuer-Spiel-Revier ) mit dem Rad am Elternhaus meines Schulfreundes, der Krawattenfabrik der Geschwister Rühl, fast am Ende des Ostwalls, und an  meinem Geburtshaus an der Ecke Nordwall und Ostwall vorbei. Stolz sagte ich dann, hier wurde ich geboren ( sicher sagte ich aber - hier bin ich geboren ). Bis dann 1943 bei dem großen Bombenangriff die Stadt in Trümmern versank und mein Geburtshaus am Ostwall auch.
 
 
Rechts ein Stück Fassade Ostwall 246. In der Mitte war der Garten der an die Lohstrasse grenzte. Links die Fassade des Eckhauses am Nordwall Ecke Lohstrasse. Der Durchblick zeigt noch Reste der alten, kleinen Häuser in der Lohstrasse.
 
 
Unten die alte Industrie und Handelskammer auf dem Nordwall, nahe dem Friedrichsplatz. Hier befand sich auch die Handelsschule, die ich ab 1942 bis zur Zerstörung des Gebäudes 1943 besuchte.
 
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Mein Vater, Hans Fander 1930 als Bademeister.
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Im Garten, Nordwall Ecke Lohstrasse 
 
 
Das Haus des Großvaters in der Alten Linnerstrasse 44.
Das Fabrikgebäude war in der Vereinstraße.
Die Firma Billen hatte in Krefeld die Telefonnummer 6.
Als Junge konnte ich vom Speicher der Wohnung auf die Shetdächer der Fabrik klettern.
 
Später hatte hier unten die Firma Lemm ihr Lederwarengeschäft, bis im Krieg alles zerstört wurde. Heute ist das Geschäft in der Hochstrasse.
 
 
In der Haustüre Alte Linnerstrasse 44
in den 30er Jahren.
 
 
 
 
Rheinstrasse mit Dionysiuskirche
Den Namen trug sie ru recht, führte sie doch immer geradeaus bis Ürdingen an den Rhein.
Von 1933 bis 1945 wurde sie in Adolf Hitler Strasse umbenannt. Danach wurde sie wieder die alte Rheinstrasse.
 
                                                    
                                              
  Die Rheinstrasse war von der Dyonisiuskirche bis an die damalige Kronprinzenstrasse, heute Philadephiastrasse, einer der Hauptgeschäftstrassen in Krefeld
 
 
Und so sah die Rheinstrasse vor dem Krieg aus
 
                                             Schwanenmarkt                                                              Schwanenmarkt
Erinnerungen an den Schwanenmarkt. Im führenden Bekleidungsgeschäft Deihn war der Bruder meiner Großmutter väterlicherseits zuständig für die gesamte Haustechnik. Als Hausmeister oblag ihm auch die Aufsicht über die Mitarbeiter, die für die Reinigung der Geschäftsräume zuständig waren. Gegenüber dem Schirrhof am Ende des Oranierrings hatte er einen schönen Kleingarten mit vielen Obstbäumen. Dort besuchte ich ihn öfter. Als die Pfirsische wieder einmal reif waren lud ich aus heiterem Himmel ein paar Freunde zum "Pfirsischessen" ein. Es war so wie in dem alten Lied von Nachbars Garten, wo die Kirschen so süß schmeckten. Kurzum, ein Gartennachbar sah uns, erzählte dem Onkel von unseren " Diebstahl ". Für mich gab es ein Donnerwetter. Und seitdem wurde ich aus dem Garten des Onkels verbannt. Für ihn war ich zum Leidwesen seiner Schwester, meiner Großmutter ein Dieb. Ein wenig recht hatte er ja.
 
Im Brunnen ließen wir unsere Papierschiffchen fahren. Und wer die meiste Puste hatte um den "Luftantrieb " zu gewährleisten, der hatte dann natürlich gewonnen.
 
Und noch eine Erinnerung an den Schwanenmarkr ist die Gaststätte Jordan. Wenn wir damals vom sonntäglichen "Friedhofsausflug", man musste ja nach den Gräbern schauen zu Fuß über die Gladbacherstrasse zurück in die Stadt gingen, dann war "Jordan" für mich die Endstation. Die Männer tranken ain Bier, was die Frauen tarnken, daran kann ich mich nicht erinnern. Ich aber bekam eine Knackwurst mit Kartoffelsalat und eine Limonade, bevor ich mich von den Großeltern und einem Onkel verabschiedete und nach Hause in die Alte Linner Strasse ging.
 
 
Der alte Schwanenmarkt mit der Gaststätte Jordan
 
 
Hochstrasse
So wie heute, war die Hochstrasse schon immer die größte Geschäftsstrasse.
 
 
Hochstrasse Ecke Südwall - So war es einmal
 
 
Alte Linnerstrasse 44
So sieht sie heute aus. In meiner Erinnerung ist natürlich ein ganz anderes Bild. Im Nebenhaus arbeitete im Souterain der Schuster Dreschmann. Für uns Jungs war es völlig normal, dass wir in " unserem Viertel " in jede Werkstatt gehen konnten. Herr Dreschmann hatte eigentlich immer so kleine Holzstifte zwischen den Lippen, mit denen die Ledersohlen am Unterleder der Schuhe befestigt wurden. Jahrzehte später lernte  ich in der Provence einen "alten Schuster" kennen, der die Ledersohlen nicht nur klebte, sondern auch noch "stiftete". Und in dem kleinen Stück der Alten Linner Straße, von der Kronprinzenstrasse bis an die Vereinstrasse gab es noch das Tabak-Geschäft Rixen, eine Bäckerei und eine Metzgerei,sowie an der Ecke Vereinstrasse eine Drogerie
 
 
Ein kleiner Markt in der Innenstadt. Der große Markt ist immer noch zweimal wöchentlich auf dem Westwall. Aber gegenüber der Zeit, an die ich mich erinnere, und wo ich mit meiner Großmutter einkaufte, ist der Markt heute eher klein. Und heute noch erinnere ich mich ein Lieblingsgericht, das meine Großmutter zubereitete.Stielmus. Leider habe ich es seit damals nicht mehr gegessen. In Afrika gab es kein Stielmus, in Asien auch nicht. Und auch in Frankreich mit den schönsten Märkten der Welt, nirgendwo habe ich Stielmus gefunden.
 
Das Stadttheater
 
Früher, bevor alles im Krieg zerstört wurde, befand sich das Stadttheater in der Rheinstrasse. Irgendwann, ich muss etwa sieben Jahre alt gewesen sein, hatte meine Mutter die Idee, ich sollte noch in eine Kinderballettgruppe eintreten, die im Stadttheater probte. Eigentlich war ich für eine "künstlerische Laufbahn" völlig ungeeignet. Viel lieber spielte ich mit meinen Kameraden auf der Strasse, oder wir stromerten durch die Büsche am Bahndamm, wo damals noch ein Wasserturm stand. Aber ich gehorchte, der Wunsch meiner Mutter war für mich wichtig, sorgte sie doch alleine für unsere "Restfamilie", die aus ihrer Mutter und mir bestand. Ihr war der Mann und mir der Vater abhanden gekommen. Eigentlich war ich ja schon zu alt, um noch aufgenommen zu werden. Wieso es doch gelang ist mir heute noch schleierhaft. Also Trainingsstunden im Saal mit Spiegeln und Stangen an den Wänden. Schon bald zeigte sich, dass ich weder Eignung noch Neigung zum "Balletteur" hatte. Aber es war Herbst, und der Beginn der Proben der Weihnachtsmärchen für die Kindervorstellungen. In "Peterchens Mondfahrt" fand ich dann als "Schauspieler" Verwendung als Maikäfer. Und wenn ich so bedenke, welche Karriere ich als Tänzer und Schauspieler hätte machen können, ein Traum meiner Mutter hätte sich sicher erfüllt. Aber ich denke, später war sie auch zufrieden mit meiner Entwicklung im kaufmännischen Bereich.
 
 
Das alte Stadttheater an der Rheinstrasse
 
 
  
Meine "schöne grüne" Heimatstadt
Krefeld, die Samt und Seidenstadt, so benannt nach einer "sauberen Industrie", die sich aus kleinen Anfängen entwickelte und im lauf der nun schon Jahrhunderte wärenden Entwicklung (leider heute nicht mehr) zu einem bedeutenden Zentrum der Samt und Seide, aber auch der Teppichweberei eintwickelte. Die Besitzer der Firmen nannte man "Seidenbarone". Bedeutende Stiftungen und Zuwendungen aus ihren Kreisen machten es möglich, dass Krefeld ein "grünes Stadtbild " erhielt.Viele Parks und Alleen und Straßen sind nach ihnen benannt. Man sagt, Krefeld sei um 1900 einer der reichsten Städte des damaligen Deutschen Reiches gewesen.
 " Der Schluff "
Der Schluff, so nennt man heute noch die Kleinbahn, mit der Waren transportiert wurden, die von den seinerzeit in Krefeld ansässigen kleinen Speditionen an den Bahnstationen entladen und zu den Firmen gebracht wurden.
Erinnerungen an längst vergangene Kindertage.Oft ging mein Großvater mit mir über den Oranier - und Preußenring von der Hülserstrasse bis zur St. Antonstrasse und erzählte mir skurile Geschichten über den "Schluff".Vorbei am Nordbahnhof, in dem schon immer eine Gaststätte war, in der ich als junger Mann später mit meinen Freunden Billard spielte. Ein großer Billardtisch stand in der Mitte der Gaststube. An der Kreuzung Preußenring war ein kleines Schrankenwärter Häuschen, umgeben von Büschen, Sträuchern und Blumen. Wir wohnten Norstrasse Ecke Preußenring und aus dem Eckfenster des Wohnzimmers schaute man auf die Kreuzung mit dem Häuschen des Schrankenwärters. Häufig bimmelte es, wenn die Schranken herunter gelassen wurden. Und gerne erinnere ich mich an das Geräusch der kleinen Bahn, deren Lokomotive schnaufte und stampfte und qualm aus dem kleinen Schornstein über dem Kesseln ausstieß, denn damals wurde sie noch mit Kohle unter Dampf gehalten. Und bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit heulte ihr Signal auf. Sozusagen die Stimme der Lokomotive die rief: Achtung ich komme.Damals hatte die Kleinbahn noch viel zu tun. Und an der Schienenstrecke ansässige Firmen hatten oft einen Gleisanschluß. Damals träumte ich davon einmal Lokomotivführer zu werden. Aber wovon träumt man nicht als Junge?
Der Name "Schluff"kommt eigentlich von den Pantoffeln, in denen man meistens langsam herum schluffte. Und so langsam fuhr wohl auch die kleine Bahn, die es schon seit 1868 gibt. Heute ist es nur nich eine Museumsbahn,die im Sommer von St.Tönis, einem Vorort von Krefeld zum Hülserberg fährt, ein Stück durch Hülser Bruch zum Hülser Berg, wo man dann in der Gaststätte auch heute noch Kaffee trinkt und Kuchen isst. Für uns war damals die Krönung des Ausflugs mit dem Schluff die Besteigung des Aussichtsturms auf dem Hülser Berg. Das Schlürfen von Wasser aus der Eremitenquelle das an einem Weg langssam aus dem Berg läuft. Und unten im Bruch gibt es heute noch den "Krefelder Sprudel", wo in Verbindung mit einer kleinen Gaststätte Sprudelwasser aus dem Untergrund kommt. Als Jungs war das Bruch und der Hülserberg für uns ein Abenteuerrevier. Und wer nicht wenigstens mit dem Rad einmal den Sandberg herunter fuhr und auf die Nase viel, der kann auch heute noch nicht mitreden.
Mehr über der "Schluff" finden Sie auf Wikipedia und auf der Webseite  -Freunde der Kieler Eisenbahn e,V.-
Für mich aber bleiben unvergessen die Ausflüge mit meinem Großvater am und mit dem Schluff. Und viele Jahre später hatte auch mein Vetter das Vergnügen mit unserem " Opa " die gleichen kleinen Abenteuer zu erleben, nur umgekehrt, von der St. Antonstrasse zum Nordbahnhof.
 
 
 
 
 
            
                      Nordbahnhof in Krefeld. Heute eine der beliebtesten Gaststätten der Stadt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Kirche St.Anna in Krefeld, der Küster Herr Cicich und der "Pastor Sittard" der die  Gemeinde  leitete.
 
 
Der spätere Pastor Sittig von St. Anna, war bis weit nach dem 2. Weltkrieg Kaplan in der Liebfrauenkirche am Ende des Westwalls. Ich habe noch gute Erinnerungen an ihn, da er sich auch um die Jugend der Pfarre kümmerte.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
IMPRESSIONEN VOM LUISENHOF IN KREFELD
 
http://www.reitstall-luisenhof.de/luisenhof-wp/impressionen-vom-luisenhof/
http://www.reitstall-luisenhof.de/luisenhof-wp/das-luisenhof-team/
 
WOHNEN UND ERHOLEN VOR DEN TOREN DER STADT
 
 
 
Wer will schon in einem Hotel wohnen, wenn es in Krefeld den Reiterhof " Luisenhof " mit seinen Apartements am Hülser Bruch gibt. Das Bruch, eine Landschaft mit weiten Wiesen, kleinen Feldern und den buschigen Wald, der von der Stadt aus mit dem Rad leicht zu erreichen war, und in dem wir als Jungs  Räuber und Gendarm - und Indianer spielten. Der Hülser Berg mit seinem Aussichtsturm und der "Sandskall", einem sandigen Abhang, den wir, wie wir damals glaubten fast "todesmutig" mit unseren Rädern hinab fuhren. Meisten fielen dann unten mit unseren um. Und die Eremitenquelle mit ihren frischen Wasser. Es gibt sie heute noch. Dieser Erinnerungen waren es , die mich veranlassten nach einer Unterkunft zu suchen, in der die Erinnerung und das Heute nah beisammen liegen. Die kurze Zeit in meiner Heimatstadt war auch eine Reise in die Vergangenheit. Und Erinnerungen an Wanderungen mit meinem Großvater tauchten auf, der sich hier sehr gut auskannte. Hat er doch selbst als Junge in der Gegend gelebt, gespielt, wie wir später auch. Nein, die kurze Zeit auf dem Luisenhof weckte nicht nur Erinnerungen. Sie weckte auch die Lust wieder zu kommen, die Ruhe zu geniessen, den Blick über weite Pferdekoppeln mit dem Pappelhintergrund, der für die Gegend, unseren Niederhein so typisch ist.