Kurkonzert - Erlebt in Badenweiler, auf dem Weg in die Provence.

Ende Februar, auf dem Weg in die Provence, verbrachten wir ein paar Tage in Badenweiler. Bei uns im Norden ist es um diese Jahreszeit noch kalt und meistens weht dazu ein eisiger Wind. Hier aber, in der wärmsten Ecke Deutschlands, waren die Temperaturen schon angenehm. Man konnte in leichter Kleidung durch die Weinberge wandern und im warmen Wasser der Römertherme baden. Eine Ahnung schon vom Süden, der mir ja Heimat ist.

Kurkonzert stand auf einer Ankündigung. Und dann gab es noch ein paar Vorträge über Dies und Das. Nichts was unser Interesse weckte. Also gingen wir ins Kurkonzert.

Und dann kamen sie auf die Bühne. Eine ältere Trachtenblaskapelle, verjüngt durch ein pausbackiges Mädchen in der ersten Reihe. Sie spielte die Klarinette. Auf der Bühne war es wohl zugig. Alle trugen schwarze Hüte. Die Musikantenunniform bestand aus schwarzen Kniebundhosen und als Blickfang rote Westen mit schwarzen Bordüren. Die Waden waren weissbestrumpft. Nur der Dirigent war leicht vergoldet auf seiner roten Weste. Er kündigte die Stücke die gespielt wurden mit einem leichten tscheschichen Akzent an. So ähnlich wie Karel Gott.


Er war wohl der Chef des Kurorchesters, das so vermutete ich im Winter frei hat und mangels Arbeit am Kurgast die Musiker aus einheimischen Vereinen ausleiht.

Scheinbar hatte er vergessen, die Noten für das nächste Stück aus den Kulissen mit zu bringen. Er verschwand unter leichtem Applaus des spärlichen Publikums hinter den Kulissen und kam dann wieder, die Noten verteilend an seine Musiker.


Nach jedem Tschingderassabum ging er unter leichtem Applaus des älteren Publikums gravitätisch von der Bühne, um nach fünf Minuten mit neuen Noten zurück zu kommen. Dann Verbeugung zum Publikum. Ankündigung des nächsten Stückes, während die Musiker auf ihren Plastikstühlen auf den nächsten Einsatz warteten. Dann wieder ein Tschingderassabum-bum-bum bis zum nächsten Noten holen hinter den Kulissen.Höhepunkt war die Ankündigung eines zusammen geschriebenen Stückes aus allerlei Opern und Operettenseligkeit. Über der Blasmusik ertönte stets das Pling-Pling-Pling des Hämmerchenspiels, dass von einem schon recht betagten Herrn mit sichtlicher Freude und dem Bemühen gespielt wurde, die Kollegen von der Blasmusik zu übertönen.

 


Nach dem erneuten Abgang des Dirigenten, der wie eine zu groß geratene Ausgabe von Karajan wirkte und seiner Rückkehr vors Publikum, bliesen die Musikanten noch das Stück von den " dunkelroten Rosen, die man schönen Frauen schenkt ". Und unter weiterem Dingderassabum schmunzelte ich bei dem Gedanken an die Rosen, die auch ich machmal Frauen schenke, wenn sie auch nicht immer dunkelrot sind. Mit finalem Operettenliedgut ging ein lustiger Abend im Kurhaus zu Ende.

 


Bei milder Vorfrühlingsabendluft bummelten wir zu unserem Quartier, wo wir der Weiterfahrt am nächsten Tag in den Süden entgegen schlummerten. Vielleicht träumte meine Gefährtin ja noch von den musikalischen dunkelroten Rosen.

 

Zurück bleibt die nette Erinnerung an ein paar Blasmusiktöne, gespielt von weissbestrumpften Musikern, an einem Abend in Badenweiler.