Leidensweg

Ein Rückzug mit bösem Ende

von Bernhard Roth

Am 30.11.1944 wurde ich nach Berlin-Reinickendorf zur Ersatz-und Ausbildungsbrigade im Fallschirm-Panzerkorps „Hermann Göring" eingezogen, ich hatte mich dazu schon im Sommer 1943 freiwillig gemeldet. Im Dezember 1944 ­und Januar 1945 erfolgte die Ausbildung im sogenannten Flakbarackenlager Velten/Mark in Berlin-Hohenschöpping. Ende Februar wurden wir mit unserer 10. Kompanie nach Schmideberg verlegt, einem kleinen Ort zwischen Angermünde und Prenzlau. Wir sollen in der zweiten Verteidigungslinie an der Oder eingesetzt werden, die offiziell die Bezeichnung „Wotan-Linie" erhält. Wir müssen Schützengräben ausheben, Ein-Mann-Löcher buddeln und MG-Nester einrichten. Außerdem müssen wir an der Autobahn Berlin-Stettin Wache schieben. Unser Zug ist mit 35 Mann im Tanzsaal einer ehemaligen Gaststätte untergebracht. Der Zugführer und die Unterführer hatten ihren Logenplatz auf der Tribüne, die durch eine Steiltreppe zu erreichen war. Waschgelegenheit: Eine Pumpe im Hof. Toilette: Ein Plumpsklo im Hof oder mit Spaten in der Gegend oder Umgebung. Mitbewohner: Läuse. Verpflegung: Mäßig, wurde irgendwie in Kübeln herbeigeschafft. Ab Mitte März gehören wir zum 3. Regiment der neu aufgestellten 2. Ersatz-und Ausbildungsbrigade HG.

Mitte April 1945

Die Kompanie wird nach Lunow, in die HKL an der Oder verlegt. Zeitweise gehöre ich zu den vorgeschobenen Beobachtern auf dem Ostdamm des Oder-Schifffahrtsweges, dem Friedrich-Kanal. Wenn sich bei uns etwas bewegt, werden wir von den Russen auf der anderen Seite der Oder mit Granatwerfern beschossen. Das hatte ich völlig vergessen, als ich in Anbetracht der mäßigen Versorgungslage in einem Siedlungshaus in der Gartenstraße eine Pellkartoffelmahlzeit zubereitete. Aber Feuer macht Rauch, der steigt bekanntlich nach oben und das entging den Beobachtern auf der anderen Seite natürlich nicht. Erst als einige Artilleriesalven einschlugen, ist mir mein Fehlverhalten bewusst geworden. Passiert ist aber nichts und so haben die Pellkartoffeln meinen Kameraden und mir vorerst den Hunger gestillt. Zu Führers Geburtstag am 20. April gibt es tatsächlich Sonderrationen, jeder erhält eine Dose Schoka-Cola. In seiner Geburtstagsrede soll Göbbels vom sicheren Endsieg gesprochen haben. Der Führer glaube fest daran. Bei uns will zwar heimlich fast keiner mehr daran glauben, aber was wird aus uns, wenn wir den Krieg tatsächlich verlieren.

Die Verunsicherung ist groß, als wir erfahren, dass der Russe in einer großen Offensive südlich von uns die Oder überschritten hat und auf Berlin vorrückt. Wenn ein Teil der Roten Armee dabei auch einen Bogen Richtung Norden schlägt, sitzen wir in der Falle.

26./27. April

Aus heiterem Himmel kommt am 26. April ein allgemeiner Rückzugsbefehl. Wir marschieren an Angermünde vorbei über Altkünkendorf und Wolletz in die Kusselberge, westlich von Wolletz. Am späten Nachmittag des 27. April geraten wir unter schweren Beschuss durch Granatwerfer und Artillerie. Fazit: 16 tote Kameraden, die wir zurücklassen müssen. Gefunden hat man sie, zum Teil noch hinter ihren Waffen liegend, erst im Sommer bei Erntearbeiten in einem Rapsfeld. In der damaligen Situation sahen auch hier die Menschen im Ort wohl keine Möglichkeit zur Identifizierung der nur noch kaum erkennbaren Leichen. Lediglich das zufällig gefundene und noch brauchbare Soldbuch eines Unteroffiziers hat der Bürgermeister an die eingetragene Heimatadresse geschickt. Bekommen hat es tatsächlich die Ehefrau und sie ist 1946 nach Wolletz gefahren, um die Überführung ihres Mannes in den Heimatort im Vogtland zu beantragen. Bei der dazu durchgeführten Öffnung des Grabes wurden vier Erkennungsmarken sichergestellt und an die Deutsche Dienststelle in Berlin geschickt. Der Unteroffizier konnte nicht identifiziert werden. (Foto Friedhof Wolletz: Torsten Cavalier, Angermünde)

27./28. April

Am Abend gibt es ein schweres Gewitter mit starkem Regen. Wir werden total durchnässt setzen uns aber weiter in Richtung Glambeck ab, unter der Autobahn hindurch weiter über Parlow, Ahlimbswalde bis zum Südrand von Ringenwalde. In den frühen Morgenstunden des 28.April gibt es ein kurzes Feuergefecht mit den von Poratz herankommenden russischen Panzerspitzen. Unsere provisorische Stellung war nicht zu halten, wir müssen uns durch die Wälder in Richtung Reihersdorf – Dagersdorf absetzen und erreichen den Bahnübergang bei Templin schätzungsweise gegen 9,00 Uhr. Nach kurzer Rast und heftigem Beschuss müssen wir weiter in Richtung Lychen.

29 April 1945

Am Ostrand von Densow gehen wir erneut in Stellung. Am Nachmittag kommen russische Panzer mit aufgesessener Infantrie auf der Straße aus Richtung Templin. Durch eine Pak werden zwei Panzer erledigt. Im anschließenden Gefecht fallen 14 Kameraden, sie sind auf dem Friedhof in Densow beigesetzt. Die Übermacht ist zu groß, wir müssen die Stellung räumen und ziehen uns weiter in Richtung Lychen zurück.

30. April 1945

In der Nacht und weiter in den Vormittagsstunden geht es teilweise auf Pflasterstraßen durch die Wälder. Wir überqueren die Straße Lychen – Fürstenbergt westlich des Kastavensees in Richtung Neuthymen – Altthymen. Als wir mit anderen Einheiten im Wald vor Altthymen rasten, sind wir ganz plötzlich das Ziel russischer Infantrie. Die Russen stürmen mit „Urray" aus dem Wald auf die lagernden Truppen. Aber sie sind schlecht organisiert und es gelingt uns, sie zunächst zurückzuschlagen.

Ich werde mit meinem MG 34 an die linke Flanke vor einer Lichtung befohlen. Vorerst ist noch Ruhe, aber dann setzt schwerer Beschuss durch Granatwerfer ein. Ich bekomme einen Schlag in den Rücken, gehe über die linke Seite hoch um zu fühlen was passiert ist. In diesem Augenblick trifft mich ein Granatsplitter, etwa so groß wie die Kuppe des kleinen Fingers, in die linke Halsseite, verletzt die Halsschlagader und bleibt in der Nähe der Halswirbelsäule stecken. Herbeieilende Kameraden legen ein Verbandspäckchen an die stark blutende Wunde und schieben einen Stein zwischen Verband und Schlüsselbein, so liegt der Kopf auf der linken Seite und die Halsschlagader ist abgedrückt. Das hat mir vermutlich das Leben gerettet. Provisorisch versorgt mache ich mich auf den Weg Richtung Westen. Nach ca. 1 km erreiche ich Altthymen, alleine, die anderen Kameraden sind in der Waldstellung verblieben. Ich habe trotz vieler Versuche nie etwas über deren weiteres Schicksal in Erfahrung bringen können.

In einer Verwundeten-Sammelstelle in Altthymen wurde eine Verwundeten­karte als Anhänger ausgestellt und gleich ging es wieder raus auf die Straße. Auf der Treppe zur Sammelstelle lag bereits ein toter russischer Soldat. Also war der Russe schon hier gewesen und zurückgeschlagen worden. Ein vorbeikommendes Wehr­machtsfahrzeug, es war eine Zugmaschine mit angekoppeltem Anhänger, nahm einige Ver­wundete auf, konnte aber nicht alle mitnehmen. Für mich blieb ein Platz auf dem rechten vorderen Kotflügel. Den Scheinwerfer zwischen den Beinen, mit den Füßen auf der Stoß­stange abgestützt, zu allem Überfluss noch eine Panzerfaust in den Händen, so ging es ab Richtung Heimat. Aber ganz so glatt verlief es dann doch nicht. X-mal um­geleitet durch von der Feldgendarmerie gesperrte Straßen oder von T-34 unter Feuer genommen, es war grau­sam. Irgendwie jedoch hat es unser Fahrer geschafft, aus diesem Kessel hinauszukommen.

Über Feldwege und kleine Landstraßen durch die Mecklenburgische Seenplatte, weg aus der Hauptkampflinie. Irgendwann im Lauf des späten Abends passierten wir Wittstock. Ein SS-Mann hat mir bei einem Halt als Schutz für den ungünstigen Sitz auf dem Kotflügel seinen Mantel umgehängt, hilfreich gedacht, aber das wäre mir bei meiner Gefangen­nahme später in Schwerin noch fast zum Verhängnis geworden.

1.Mai 1945

In den frühen Morgenstunden sind wir dann in Meyenburg angekommen. Es gab in der Ortsmitte eine total überfüllte Sammelstelle für Verwundete. Vor einer mit einem Roten Kreuz gekennzeichneten Tür im Eingangs­bereich legte ich mich auf den Boden und schlief sofort ein. Ich weiß nicht, wie lange ich dort gelegen habe, als ich mit einem Fuß angestupst wurde. Einem Stabs­arzt hatte ich den Weg zum Verbandsraum versperrt. Er bat mich hinein und wechselte den Ver­band. Zu diesem Zeitpunkt war die Wunde verklebt, so dass kein Blut mehr austrat.

So zwischen 9 und 10 Uhr kam die Kunde, dass der Russe durchgebrochen und im Anmarsch sei. Raus auf die Straße, ein LKW hielt an, rauf auf den LKW, und weg. Da der LKW ein Verdeck hatte, konn­ten wir kaum etwas erkennen. Die Straße war überfüllt mit rückflutendem Militär und mit Flüchtlingstrecks, also ein heilloses Durcheinander. Es muss so gegen 15 Uhr gewesen sein, als amerikanische Jagdbomber zum Angriff übergingen und für ein noch größeres Durchein­ander sorgten. Tote, Verwundete, zusammengeschossene Trecks, grausam. Wir hatten Glück und konnten als die Jabos abgedreht hatten unsere Fahrt - soweit man hier noch von einer Fahrt sprechen kann - fortsetzen.

Es muss gegen 18 Uhr gewesen sein, als wir nach Schwerin kamen. Auf der Einfallstraße, aus Richtung Parchim kommend, war linker Hand ein Lazarett. Unser Wagen stoppte, und der begleitende Oberst gab uns Anweisung, das Lazarett aufzusuchen. Hier war alles in höchster Aufregung. Es gab keine Stelle, wo man sich melden konnte. Alles war überfüllt mit Verwundeten. Endlich fand sich ein Sanitätsdienstgrad, der neu ankom­mende Verwundete in ein Gebäude verwies, in dem u.a. Stroh gelagert war. Ab ins Stroh und schlafen, schlafen, schlafen.

2. Mai 1945

In der Frühe so zwischen 7 und 8 Uhr die Parole: "Alles, was laufen kann raus, der Iwan kommt!" "Nein, nicht schon wieder!", dachte ich. Soll man sich seinem Schicksal ergeben, oder hat man mit noch nicht einmal 18 Jahren noch die Kraft, weiter durchzuhalten? Dem Ver­nehmen nach kommen die amerikanischen Truppen aus Richtung Lübeck und sollen gar nicht mehr so weit entfernt sein. Also alle Mann ab in Richtung Lübeck. Schnell noch etwas Brot fassen, in den Kochgeschirrde­ckel ein Schlag Kunsthonig und weg, hoffentlich in die richtige Richtung.

Es muss so zwischen 10 und 11 Uhr gewesen sein, als wir an den Schweriner See kamen. Ich habe heute noch das Bild vor Augen: die plätschernden Wellen, die Sonne über dem See, nach rechts ging eine Straße zu einem Schloss, iich träumte so richtigvor mich hin. Der Blutverlust, die Strapazen, der Hun­ger, alles machte sich bemerkbar. Plötzlich ... Panzergeräusche, Aufheulen schwerer Motoren, ist es der Russe? Nein, es war der Ami! Die amerikanischen Panzer fuhren vor, hielten. Aufgesessene Infanterie springt ab. Schreie: „Hands upl" Ja, da war es soweit. Durcheinander überall. Deutsche Sol­daten, amerikanische Soldaten, ein buntes Gemisch. .Back!", hieß es, zurück - aber wohin?

Es war mein Glück, dass wir in die Richtung getrieben wurden, wo ich gerade herkam, also in Richtung Stadtausgang Parchim. Inzwischen hatte sich auch schon ein Ami meine Arm­banduhr angeeignet. Für mich kein großer Verlust. Das Glas war sowieso kaputt, die Uhr selbst blutverkrustet. Also weg und weiter! Nun, da war ja noch der Mantel, den mir der SS­-Mann umgehängt hatte, als ich auf dem Kotflügel der Zugmaschine saß. Diesen Mantel hatte ich ja an. Und auf dem linken Oberarm war der Adler, das Wahrzeichen der SS. Ein Ami hat­te das gleich entdeckt. "Du SS, du Schwein!" Die im Anschlag gehaltenen Handfeuerwaffen sahen in diesem Augenblick für mich ganz bedrohlich aus. Einige Tritte in den Hintern, ein paar Stöße mit dem Gewehrkolben ... damit war die Sache dann aber abgetan. Weiter ging die "Treibjagd" in Richtung Stadtausgang. Zu meinem Glück führte der Weg an dem Lazarett vorbei, in dem ich die vergangene Nacht genächtigt hatte. Da war ich wieder hellwach. Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts... und schon war ich hinter dem Eisentor des Laza­retteingangs verschwunden. Mein Weg führte mich geradewegs in einen Bettenbau. Hier entdeckte ich ein freies Bett. Den Mantel aus, die Jacke aus, Schuhe aus und ins Bett. Es war noch warm. Der Vorgänger hatte wohl beim Herannahen der Fronten (der Russe war zu diesem Zeitpunkt am anderen Ufer des Schweriner Sees nur 2 km weit entfernt) das Weite gesucht. So lag ich nach einigen Monaten voller Entbehrungen wieder einmal in einem Bett. Pflege­personal, Ärzte? Fehlanzeige!

Nach dem 3.Mai 1945

Es muss wohl am 3. oder 4. Mai gewesen sein, als ein Aufruf kam: "Alle Verwundeten, die gehfähig sind, fertig machen! Nach einem Fußweg von 300 oder 400 Metern, stehen amerikanische LKWs, die uns auf die Westseite der Elbe bringen, also raus aus dem Bereich der Russen." Viele Kameraden, meist mit Arm- oder Kopfverletzungen, folgten dem Aufruf. Und was war die Folge? Dort standen keine LKWs, dort war das große Gefangenenlager von Schwerin, in dem - der eine sagt 30 000, der andere sagt 60 000 - Kriegsgefangene lager­ten, meist unter freiem Himmel. Mit den Verwundeten hatte man ein Einsehen, man brachte sie im Lagergebäude einer Kaserne unter, in dem u.a. Trockengemüse und getrocknete Kartoffeln gelagert wurden.

Das erwies sich allerdings in den nächsten Tagen als Glücksfall. Während die Kameraden draußen auf den freien Wiesen nichts oder wenig zu essen bekamen - der Ami war für eine so große Menschenmenge nicht eingerichtet - konnten wir uns mit den vorgefundenen Trockengemüsen und Trockenkartoffeln schlecht und recht ernähren. Der Landser war schon immer erfinde­risch. Trockenkartoffeln, mit schwarzem Kaffee angerührt, auf einem Blechdeckel über offe­nem Feuer gebraten... Junge, das schmeckte, wenn auch nicht wie bei Muttern zu Hause.

In den folgenden Tagen war stets ein Verwundetenappell, der von deutschen und amerikanischen Ärzten abgehalten wurde. Da wurden immer wieder Kameraden aussortiert, die aufgrund ihres Zustandes nicht mehr im Lager bleiben konnten und ins Lazarett zurückverlegt wurden. Bei einem Appell am 8.5.1945 wurde von einem amerikanischen Arzt die Schwere meiner Verwundung festgestellt, so dass ich sofort in das Reservelazarett I in Schwerin überführt wurde. Dieses Lazarett, eine Schule in der Stadtmitte, sollte bis zum 1.Juli 1945 meine Bleibe sein. Nachdem ich einige Tage auf einem Strohlager in der Turnhalle der Schule gelegen hatte, wurde nach einer nochmaligen Untersuchung ein Bett für mich frei gemacht. In der Folgezeit entwickelte sich auf der linken Halsseite ein Aneurysma in einer Größe, dass man eine gespreizte Hand darüber legen konnte. Eine Röntgenaufnahme wurde erforderlich. Da aber im Lazarett kein Röntgengerät zur Verfügung stand, wurde ich zu einer Röntgenpraxis in der Stadtmitte über­wiesen.

Nach der Auswertung der Röntgenaufnahmen und weiteren Untersuchungen wur­de klar, dass ich operiert werden musste. Da jedoch im Lazarett I kein Neurochirurg zur Verfügung stand, wurde ich am 1. Juli in das Standortlazarett Schwerin verlegt, just an dem Tag, an dem in Schwerin der Russe Einzug hielt. Von diesem einschneidenden Ereignis habe ich persönlich aber nichts mitbekommen. Der 2. Juli brachte für mein weiteres Leben eine entschei­dende Wende. Als ich nach der OP, die von deutschen Militärärzten im Beisein einer russi­schen Ärztin durchgeführt wurde, aufwachte, war ich auf der rechten Körperseite vollständig gelähmt. Das Gesicht verzogen, der rechte Arm und das rechte Bein lahm und gefühllos ­was sollte nun aus mir werden? Und zu allem Überfluss konnte ich nicht mehr sprechen, konnte mich nur mit irgendwelchen Gesten verständlich machen. Wie man mir im Laufe der Zeit mitteilte, wurde bei der OP die linke Halsschlagader unterbunden und damit die linke Hirnhälfte unterversorgt. Ferner habe ich während der OP einen schweren Schlaganfall erlitten, an dessen Folgen ich heute noch zu leiden habe.

Von der russischen Besatzungsmacht bekamen wir im Lazarett kaum etwas mit. Bei den täglichen Visiten war lediglich ein Sanitätsdienstgrad der Russen anwesend. Am 17. Juli wurde ich dann nach fortschreitender Genesung mit anderen transportfähigen Kameraden in einem La­zarettzug der Engländer, über Lübeck, Hamburg und Bremen nach Ostfriesland transportiert und in das Fall­schirmjg.-Feldlazarett. 21 in Leer eingewiesen. Aus dem Lazarett entlassen wurde ich am 11.September 1945. Über die Entlassungs­lager Wittmundshafen (Engländer), Marburg (Amerikaner), Giessen und Weilmünster kam ich nach abenteuerlicher LKW-Fahrt am 24.September 1945 in meiner Heimatstadt Limburg/Lahn an. Wenn auch schwer angeschlagen - aber ich hatte den Krieg überstanden. Meine Eltern waren natürlich überglücklich, sie hatten seit Mitte Februar nichts mehr von mir gehört.

Übrigens, am 23. Mai 1945 war ich 18 Jahre alt geworden!