Mein Eckernförde

 

Mein Eckernförde                                    von Gerlinde Kammholz

Schon die Fahrt aus Kiel Richtung Eckernförde, durch die wunderschöne hügelige Landschaft , ist eine einzige Augenweide. Noch ist alles kahl, es ist März, die Natur steht in der Startlöchern, dem Frühling entgegen. Noch wenige Tage, dann schießt alles heraus aus der Erde an Grün und Farbe. Es ist so deutlich zu spüren. Der Winterschlaf der Natur ist fast vorüber. Auf den schönen und fast autofreien Nebenstrecken komme ich meinem Ziel Eckernförde näher.
Die sanften Hügel, diese liebliche Landschaft, die Weite, alles wirkt so friedlich. In der Ferne ist schon die Ostsee zu erkennen, ruhig liegt sie da, in ihrer dunklen blauen Farbe, leicht den Himmel spiegelnd. Die Sonne scheint warm und hell, endlich, nach so vielen dunklen Wochen und Monaten . Ausgestiegen aus dem Wagen atme ich diesen wunderbaren Duft vom Meer. Eine unglaubliche Ruhe fühle ich in mir, eine Freiheit, ein Glücksgefühl durchflutet mich.
Am Strand entlang spaziere ich in Richtung Innenstadt. Der helle Sand, die kleinen Wellen, die auf den Strand zuspülen. Ich gehe ganz langsam. Auskosten, verweilen, sich satt sehen und  sattriechen. Die Zeit , so scheint es, läuft hier langsamer. Die anderen Menschen empfinden es wohl ähnlich. Kein hasten und hetzen, kein kreischen und schreien. Hunde spielen und toben ausgelassen am Strand. Verliebte Paare, Familien und Gruppen, aber auch die alleine spazierenden Menschen. Alle sind hier willkommen, sich zu ergehen oder zu verweilen. Dieser Ort will scheinbar nur guttun und alle Menschen und Tiere beschenken.
Auf dem Weg zum Hafen höre ich vertraute und doch so lange entbehrte Geräusche, wie das fröhliche Gezwitscher der Spatzen. Selbst die Möwen erscheinen mir angenehm gemässigt laut mit ihren Rufen . Die Taue der Boote klappern leise an den Masten , und die schönen alten Häuser liegen im Sonnenschein. Im Hafen verkauft ein Fischer aus seinem Boot heraus frischen Fisch. Die Käufer stehen dort in einer Schlange  für den Dorsch, frisch aus dem Meer.
Langsam schlendere ich durch die schmalen Gassen mit ihren alten Fischerhäusern. Auch hier nimmt mich diese wunderbare Atmosphäre gefangen.
Es ist Markttag. Kein hasten und hetzen, sondern schlendern und genießen. Umrahmt von der alten und hübschen  Häuserkulisse der Stadt stehen die Marktleute mit Ihren Ständen und Waren. Blumen, Gemüse und Obst, einladend und doch unaufdringlich. Die Sonnenschirme über den Marktständen leuchten in der Sonne, rot und weiß, wie Himbeerbonbons mit Sahne. Die Kirchturmglocken läuten. Fast ein Moment wie aus längst vergangener Zeit.
Weiter bummele ich durchs Städtchen, dankbar für die Langsamkeit und die freundlichen Gesichter, vorbei an schiefen, geschichtsträchtigen und hübschen Häusern mit ihren alten und vielleicht neuen Geschichten.
Zurück am Strand setze ich mich auf eine einladende Bank. Im Sonnenschein vergesse ich die Zeit, lasse mich berauschen von dieser wunderbaren Stimmung, atme und fühle mich satt. Voller Dankbarkeit nehme ich alles in mich auf und lasse es fließen. Für mich gibt es nur wenige Orte, an denen ich mich auf so wunderbare Weise wohl und geborgen fühle.

Ich liebe Eckernförde.

 

 

 

Fotos: Fander u. meinestadt.de