Meine wunderbare Mutter

In memorian

Länger als 25 Jahre war sie als Sekretärin am Arndt-Gymnasium tätig. Frau Maria Fander, die am 2. April 1990 in Kiel im 88. Lebensjahr verstorben ist. Geboren am 21.10.1902 in Aldekerk am Niederrein, trat sie in schwerer Zeit am 1. Aprill 1942 als Nachfolgerin von Frau Küppers ihren Dienst an der Schule an, der bis zum Eintritt in den Ruhestand am 31.Oktober 1967 dauern sollte. Mehrere Jahre war sie in Personalunion Sekretärin auch des Staatlichen Studienseminars Krefeld.

Gewiss war Frau Fander eine „Verwaltungskraft“, die sich in ihrem umfangreichen, die gesamte Schule umfassenden Wirkungsbereich bis in die Einzelheiten auskannte und ihr Sachgebiet souverän beherrschte. Sie hatte dabei Ordnungsprinzipien die ganz auf ihren Arbeitsstiel zugeschnitten waren: Alle gewünschten Daten und Unterlagen  fand sie in kurzer Zeit, wenn auch gelegentlich an den „unmöglichsten“ Stellen.

Während der Jahrzehnte ihres Wirkens an der Schule sah sie viele Generationen von Schülern kommen und gehen. In ihrer mütterlichen Art fühlte sie sich für jeden Jungen persönlich verantwortlich, half und tröstete, wo es nötig war, und freute sich über jeden Erfolg ihrer Schützlinge.

So ist sie den Ehemaligen als „Mutter der Schule“ bis heute unvergessen geblieben. Nach ihrem Eintritt in den „Ruhestand“ blieb sie noch acht Jahre in der Bibliothek des Kaiser-Wilhelm-Museums bei Professor Wember tätig.

Ihren Lebensabend verbrachte sie in Kiel, optimistisch und agil wie eh und je. Sie war interessiert an allen Problemen des Lebens und nahm Anteil an den Sorgen und Nöten ihrer Mitmenschen. Vielen hat sie in unauffälliger Weise durch ermutigenden Zuspruch geholfen, obwohl auch ihr Kummer und Leid nicht erspart geblieben sind.

Ein erfülltes Leben hat sich vollendet. In dem Herzen aller Menschen, die ihr begegnet sind, wird sie weiterleben.      (Artikel von Günther Mathar)

 

Kommentar von Christel Schneidewind aus Thießen in Sachsen Anhalt 

 

Das Foto der Frau Maria  Fander zum Nachruf „Meine wunderbare Mutter“

Erinnerungen….

Wenn ich mir das Foto der Frau Maria Fander an ihrem Arbeitsplatz ansehe, so werden auch Erinnerungen an meine berufliche Laufbahn als Sekretärin  wach.

So wie auf ihrem Schreibtisch der Frau Fander zu erkennen ist, sah es auch auf dem „meinen“ aus:  das alte Telefon, nicht so wie heute mit Digitalanzeige, man durfte die Drehscheibe noch wirklich drehen….

Da gab es noch keine Wahlwiederholungstaste – man musste mit diesem Gerät wirklich arbeiten und lernte so auch die Telefonnummern größtenteils, also hatte man sie im Kopf und immer parat.

Ich schrieb natürlich auch auf einer manuellen Schreibmaschine, keiner elektrischen. Die gab es später. Meine Schreibmaschine war eine „alte“  metallene Rheinmetall-Maschine, wo man auch den Tastenkorb selbst einmal herausnehmen und reinigen konnte und mit Reinigungsknete die Tasten sauber hielt.  Die Maschinenpflege war ein Punkt während der Lehrzeit als Stenotypistin. Unsere Lehrerin war dabei sehr streng. „Saubere Tasten – sauberes Schriftbild: die Visitenkarte der Sekretärin!“

Später gab es dann auch bei uns die ersten elektrischen Schreibmaschinen. Als Sekretärin bekam ich – stolz wie „Bolle“ – auch eine. Nur hatte sie ihre „Macken“: Die Tastenhebel sprangen heraus und so war die Maschine mehr in der Reparatur als an meinem Arbeitsplatz.

Die alte Rheinmetall-Büroschreibmaschine hatte ich glücklicherweise nicht weggegeben. Sie stand noch auf dem Bücherschrank. Es gab in den sechziger Jahren noch immer Stromsperren und ohne Strom arbeitet die beste elektrische Schreibmaschine nicht. Also ist „Vorsorge“ alles gewesen.

 Eine Korrekturtaste gab es an der „alten“  Schreibmaschine aber noch nicht, nicht einmal an „meiner“ ersten elektrischen Schreibmaschine. Man musste also beweisen, dass man fehlerfrei schreiben kann. Sonst hieß es, das Schriftstück noch einmal tippen. Wie oft passierte es, dass sich im letzten Satz oder im letzten Wort  ein Tippfehler einschlich. Aber Ordnung muss sein und auch das Radieren musste gelernt sein und durfte nicht sichtbar sein. Und man musste die Kopien ja ebenfalls verändern… Kohlepapier war zwischen die Blätter gelegt, mitunter drei bis vier Kopien wurden auf einmal getippt.

 Aus Westberlin bekam ich  von den Großeltern einen Radierstift, Stenobleistifte und Stenoblöcke aus holzfreiem Papier: Eine Errungenschaft, die unmessbar und ein richtiger Schatz war.

Von dem Radierstift habe ich noch heute einen kleinen Rest von einem halben Zentimeter Länge.

Die Stenobleistifte waren weicher als die gewöhnlichen und so ließ es sich leicht stenografieren, die Verstärkungen mussten erkennbar sein, sonst las man das Stenogramm fehlerhaft…. Wer schreibt noch heute Stenogramme? Eine Kunst, die kaum jemand heute (noch) beherrscht und schon gar nicht mehr lernt. Ich jedenfalls bin stolz, dass ich die Stenografie gelernt habe – und noch zum Teil beherrsche.

Ja, die Arbeitsmaterialien der Sekretärin und das Berufsbild  haben sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Stenostifte, Radierstifte, Stenoblöcke werden nicht mehr benötigt. Häufig wird nicht einmal mehr eine Sekretärin benötigt, die Mitarbeiter erledigen ihren Schriftwechsel per Computer selbst.  

Und wenn ich mir den Schreibtisch der Frau Fander weiter ansehe – ich hatte auch einen „Halter“ für die Schreibstifte (Füllfederhalter oder/und Kugelschreiber).

Es erinnert mich so vieles an meinen beruflichen Anfang als Stenotypistin bzw. dann als Chefsekretärin.

Frau Fander hält gekonnt ihren Stenostift in der linken Hand, „gekoppelt“ mit dem Telefonhörer.

„Eine Sekretärin muss nicht nur schreiben können, sie muss schreiben, hören – d.h. telefonieren -  und ‚kombinieren‘ können.“

So lernten wir in der Ausbildung – der Steno-Schule – bereits einen Text abzutippen,  dazu ein Lied zu singen (das war „der kleine Trompeter“) und im Takt zu schreiben.

Das Ergebnis musste aber ein tippfehlerfreies Schriftstück sein.

Übrigens war das Perfektionsschreiben ein Prüfungskriterium in der Ausbildung als Stenotypistin. Das bedeutete, dass man einen vorgegebenen Text abzuschreiben hatte  - natürlich in einer vorgegebenen Zeit – und dieser Text musste  fehlerfrei  sein.

Radierungen waren unzulässig. Das hieß, bei einem Tippfehler bekam man die Note „fünf“. Und „fünf“ war durchgefallen.

Das alles fiel mir bei dem Lesen des Artikels „Meine wunderbar Mutter“… und beim Betrachten des Fotos ein.

Danke für den Artikel von Günther Mathar, der neben den beeindruckenden Worten in mir viele Erinnerungen wachgerufen hat, Erinnerungen an mein Berufsleben vor mehr als 50 Jahren.

Christel Schneidewind