Mit 88 Jahren...

Geschrieben von Fander.

Hermann Hesse schrieb 1905 einmal:

IM NEBEL

Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, kein Baum sieht den andern, jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt, als noch mein Leben licht war. Nun, da der Nebel fällt, ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt, das unentrinnbar und leise von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den andern, jeder ist allein.

 

88 JAHRE WERDE ICH NUN...

ein Alter, in dem man meist nicht verschont bleibt von gesundheitlichen und anderen Problemen . Viele meiner Bekannten sind schon nicht mehr unter uns. Die Reihen werden lichter. Und wer in meinem Alter noch unter uns ist, hat möglicherweise nicht mehr die Kraft oder auch das Verlangen, noch Dinge zu unternehmen, die ihm früher Freude machten.

Ich selbst habe immer noch das Verlangen viele Dinge zu tun die ich früher alleine, oder mit Freunden und Bekannten machte . Aber was hilft das Verlangen , wenn ich bestimmte Vorhaben nicht mehr teilen kann oder ich die Erwartungen derjenigen nicht mehr erfülle, wenn sie jünger sind? Durch den Verlust meines Augenlichtes hat sich mein Leben sehr verändert. Bekannte und Freunde haben sich zurückgezogen. Da kommt kaum noch Post und auch das Telefon klingelt nur noch selten. Verblieben sind nur wenige nahestehende Menschen.

Und da fiel mir kürzlich wieder das Gedicht von Hermann Hesse ein, der da schreibt, dass seine Welt voller Freunde war, und nun, da es ihm nicht mehr gut ging, auch die Freunde nicht mehr „sichtbar“ waren.

So ergeht es nun auch mir mit 88 Jahren.

Und so kann ich mich den Zeilen von Hermann Hesse heute nur anschließen, der schrieb:

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.....

 


VON JAY

Hans Fander rief mich die Tage an. Fragte mich, ob ich das Gedicht Im Nebel von Hermann Hesse kenne. Das kenne ich seit über sechzig Jahren, es stand auf der ersten Seite der Welt am Sonntag, die ich am Sonntagvormittag für meinen Vater unten im Ort am Bahnhofskiosk gekauft hatte. Es hat mich sehr beeindruckt. Auf dem Rückweg, die Bismarckstraße hinauf, habe ich es auswendig gelernt. Ich kann es immer noch aufsagen. Hans Fander hatte das Gedicht gerade auf seine Seite gesetzt. Es ist ein Text über das Alter und das Älterwerden. Sie können die Seite gerne in Ihren Blog setzen, sagte er. Das schien ihm wichtig zu sein. Ich erfülle ihm gerne den Wunsch und habe seine Zeilen in meinen Bock unter JAY eingestellt. Hier noch einmal die letzten Zeilen von Hermann Hesse’s Gedicht:

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.....

 
Das klingt jetzt ein wenig melancholisch, aber melancholisch ist Hans Fander eigentlich gar nicht. Er kommt aus dem Rheinland, und er hat diese angeborene Fröhlichkeit, die man bei den Menschen dort häufig trifft. Wenn man seine Erzählungen auf seiner Seite im Internet liest, kann man ihn ganz gut kennenlernen. Gut, der Schlaganfall im letzten Jahr hat ihn zurückgeworfen, aber er hat ihn überlebt. Es ist traurig, für einen Maler, dass er langsam blind wird, aber irgendwie kommt er auch damit klar. Weil er diese wunderbare Frau an seiner Seite hat, die im letzten Jahr bei dem Schlaganfall alles richtig gemacht hat.


Wir alle werden älter, wir wissen nicht, was sich das Leben für uns noch ausgedacht hat. Aber wenn ich mit achtundachtzig Jahren noch so gut drauf bin wie Hans Fander, dann danke ich meinem Schöpfer. Vielleicht sollte ich mir ein Laufband kaufen, Hans Fander hat eins. Er hat kein Klavier mehr, aber eine  Klarinette und mehrere Bandoneons hat er noch. Seine Saxophone hat er an Schüler verschenkt, die heute schon in einer Band spielen. Als er das letzte Mal bei mir war, hat er sich an mein ➱Klavier gesetzt und gespielt.



Als wir uns vor Jahren kennenlernten, lag dick Schnee. Er war in eine Diskussion mit Hannes Hansen vertieft, Schnee und Kälte schien die beiden nicht zu stören. Ich wollte grüßend vorbeigehen, aber Hannes griff mich am Arm und stellte mich vor. Drei Männer im Schnee. So lernte ich endlich den Mann kennen, von dem ich schon viel gehört hatte. Der als französischer Fremdenlegionär Jahre in Asien und Afrika lebte, und überlebte. Der Direktor einer Versicherungsgesellschaft war und dann Maler und Erzähler wurde. Auf diesem Photo hält er eine kleine Rede, das kann er gut. Er könnte ganze Säle füllen. Rechts von ihm sitzt seine Lebensgefährtin, die hier endlich auch einmal ins Bild kommt.

Da ich bei Bildern bin, diese Ansicht von Kiel hier hängt bei ihm zu Hause, ich finde es ist eins seiner schönsten Bilder. Hans Fander hat sich im hohen Alter an den Computer herangewagt. Hat jetzt einen Mac mit allem Zubehör, vor allem mit einer Sprecheinrichtung für Sehbehinderte. Er hat nicht nur den Computer, er schreibt auch damit. Und was er aus seinem Leben schreibt, das lesen schon viele. Beinahe eine Viertelmillion Leser zeigt der kleine Zähler auf seiner Homepage an. Ich kann seine Erzählungen nur empfehlen (und habe das auch schon getan), er breitet sein Leben vor uns aus. Nicht alles. Wie er in die Fremdenlegion gekommen ist, das steht noch nicht auf seiner Seite.

Aber die Sache mit dem Grab auf dem Père Lachaise schon: "Wäre doch nett", dachte ich beim Verlassen der Totenstadt, "wenn Du hier auch mit einem "Steinchen" vertreten wärst". Inschrift: "Hier, Zweimeterfünfzig tiefer, hat sich Hans Fander hingelegt. Sein letztes Geld gab er her, um ein wenig vom Glanz seiner Mitschläfer zu profitieren". Dabei dachte ich so zwischen Edith Piaf und Simone Signoret der Ewigkeit entgegen zu schlummern. Ives hätte mich nicht weiter gestört. Er liegt wohl auf der anderen Seite. Und Chopin hätte für die Himmelfahrt vielleicht noch eine Melodie komponiert. Aber aus der Umbettung der von mir verehrten Damen wird wohl nichts. Doch Träumen ist erlaubt. Wenn dann vielleicht der eine oder andere Besucher vorbei wandern würde, und sich die Frage stellt, wer Hans Fander wohl war, dann wäre ich der Vergessenheit entkommen. Und das mit einem billigen Stein, denn das Grab auf dem Père Lachaise wäre ja schon reichlich teuer. Wir wollen mal hoffen, dass das noch ganz lange hin ist. Ich wünsche ihm nur das Beste.

Sie können noch mehr über Hans Fander in diesem Blog in diesen Posts lesen: Tango, Fremdenlegion, Monte Carlo, Gary Glittet…etc.


Lieber Jay,
Immer wieder bin ich von Ihren Blogs berührt. So auch von diesem und von den Verweis auf Herrn Fander.

Ich kannte viele der erwähnten großen Männer in der internationalen Rück- und Direktversicherung und meine Familie war eine der Gründerfamilien der Colonia, die dann den Nordstern kaufte und der später an die französische AXA verkauft wurde.

Dass Herr Fander so viele große und unterschiedliche Talente in sich vereint - ich bewundere das.

Danke für Ihren Post!
Ihr AW