Monte Historique - Über die historische Ralley von Oslo nach Monte Carlo im Januar 2009

 
 

„12. Ralley Monte Carlo Historique“ 

Die Rallye Oslo – Monte Carlo 2009 im Spiegel der Geschichte,
beschrieben von Hans Fander

 
Wer in einer Rallye den Namen Monte Carlo entdeckt, denkt unwillkürlich an die „Mutter“ aller Rallye-Veranstaltungen, an die „Rallye Monte Carlo“, von den Fans liebevoll einfach „Monte“ genannt. Seit 1911 wird dieses Rennen ausgetragen, zunächst nur als Sternfahrt zur Ankurbelung des Tourismus gedacht, wurde daraus im Rahmen der Rallye-Weltmeisterschaften ein Klassiker des besonderen Art. Hauptsächlich in den See-Alpen des französischen Hinterlandes ausgetragen, verlangen die vielen Gebirgspässe und die im Januar meist unvorhersehbaren Wetterverhältnisse den Fahrern alles an Können ab und machen das Rennen  immer wieder zu einem Höhepunkt jeder Saison. 77 Mal wurde sie inzwischen ausgetragen, die Rallye Monte Carlo, zuletzt vom 20. Bis 24. Januar 2009. Die Erfolge deutscher Fahrer lassen sich allerdings dabei an einer Hand abzählen. Lediglich 1960 (Walter Schock und Rolf Moll) und 1980, 1982, 1983, 1984 (Walter Röhrl und Christian Geistdörfer) standen sie ganz oben auf dem Siegertreppchen.

Daneben finden mit dem Zusatz „Historique“ aber auch Oldtimer-Rallyes statt, bei denen die teilnehmenden Fahrzeuge bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Für die „12 Rallye Monte Carlo Historique“ die im Januar 2009 durchgeführt wurde, waren nur historische Modelle zugelassen, die bereits an einer klassischen Rallye Monte Carlo zwischen 1955 und 1980 teilgenommen hatten. Vorgegeben waren dabei zwei Fahrtstrecken, eine Route von Turin, Barcelona und Reims aus durch die See-Alpen zum Ziel in Monte Carlo, eine zweite von Oslo aus über Schweden und Deutschland zum „Quai Albert Ier“.

In Erinnerung an die Ereignisse der „Monte 1959“, beschloss mein französischer Freund Pierre Dellieri mit seinem sorgsam gepflegten Kleinauto Vespa 400 (zwei Zylinder – zwei Takte – zwei Sitze – vier Räder) an der Rallyeroute Oslo – Monte Carlo  teilzunehmen. Im Jahre 1959 hatten nämlich drei Vespa 400 in der Klasse bis 1000 ccm die Strecke Stockholm – Monte Carlo mit einem Durchschnitt von 65 km/h  zurückgelegt und Zuschauer wie Fachleute restlos begeistert. Von 322 gestarteten Fahrzeugen  erreichten damals nur 220 das Ziel, darunter ohne Panne die drei Vespa 400. Und diese Zuverlässigkeit wollte Pierre nach 50 Jahren erneut beweisen.

So klingelte denn Anfang Januar mein Telefon und Freunde aus Frankreich erzählten mir, die  Abfahrt in Oslo sei für den 25. Januar 2009 geplant, 27  Oldtimer  würden teilnehmen und in seinem fünfzig Jahre alten Vespa-Auto eben auch Pierre, der Bruder von Mireille. Und die Route würde auch über Kiel führen. Daraus müsste sich doch eine Geschichte machen lassen, sagte ich zu Mireille.

Übrigens Mireille und ihr Mann Roger lebten bis 2008 in Barbarenque, wo sie ein kleines aber feines Sommercafé betrieben. Die Crepes schmecke ich heute noch auf der Zunge. Ende 2008 schlossen sie ihr Café und verkauften “ Haus und Hof “ um sich zwischen  Brive und Limoges anzusiedeln (Siehe Kapitel „Barbarenque“). Zurzeit restaurieren sie die alte Bauernstelle die sie kauften, um dort auch einmal Feriengäste beherbergen zu können. Das Foto zeigt sie in der Januarsonne, die uns hier im Norden fehlt..

Ich rief dann ihren Bruder Pierre in Orgon/Provence an und vereinbarte mit ihm einen kleinen Empfang der Rallye-Teilnehmer auf dem Kai der  Stena-Line in Kiel. Herr Behling von den Kieler Nachrichten, den ich über die Fahrt informierte, war gerne bereit diesen historischen Moment zu veröffentlichen (siehe Artikel).  Die Wagen wurden dann beim Entladn in drei Reihen aufgestellt und Klaus Welsch war so freundlich, in eisiger Kälte noch einige Fotos als Erinnerung  zu machen.



Gegen 9 Uhr 30 fuhren die Wagen dann über Hamburg und Bad Hersfeld in Richtung Süden. Am Sonnabend, dem 28. Januar  2009, erreichten sie  wie vorgesehen Monte Carlo. Damit ging  eine historische Rallye zu Ende, in der alle gestarteten Wagen  die gesamte Strecke von 3.6oo Kilometern schadlos überstanden hatten.

Pierre unterhält übrigens in Orgon eines der schönsten Automuseen in Südfrankreich, das einmal sein Vater gründete.

Die Fotos zeigen im Museum ausgestellte Oldtimer. Der rote Wagen auf dem oberen Bild ist ein "Aries", Baujahr 1907, Besitzer war der Marquis de Barbentane. Der blaue Wagen links ist ein "DFP" von 1913, daneben steht ein "Bellanger" von 1921, beide Fahrzeuge wurden in Paris hergestellt.


 

 

Pierre Senior war Spezialist für Flugzeugmotoren. Anfang der 50er Jahre arbeitete er in Saigon in Indochina, so hieß damals noch das französische Kolonialgebiet, wo er für die französische Armee Flugzeuge wartete.Als er im Jahre 1953  aus der Armee entlassen wurde, fuhr er mit seinem Vespa-Roller  16 000  Kilometer in drei Monaten von Saigon über Kambodscha, Thailand, Indien usw. zurück nach Paris, dort wurde er bei seiner Ankunft entsprechend empfangen und gefeiert. Ein Foto zeigt ihn auf seiner Vespa in Indien. Auf der Fußablage ein paar Kanister mit Treibstoff, neben ihm steht ein alter Citroen mit Rechtslenkung.
 

Zur gleichen Zeit hielt auch ich mich in Indochina auf. Nur trat ich die Rückreise etwas komfortabler  auf dem  Dampfer “Pasteur “ an. (Foto  “ collection de l’auteur “ ).  Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs  fuhr die „Pasteur“ über England nach Kanada, erst 1946 kehrte sie nach Frankreich zurück. Danach transportierte sie Truppen nach Indochina, wo  die französische Kolonialarmee gegen den Widerstand der Einwohner bis 1954 vergeblich versuchte, die ehemaligen Kolonien,  die Frankreich während des Zweiten Weltkriegs  an Japan verloren hatte, wieder zu besetzen. Nach dem Abzug der französischen Truppen im Jahre 1954,  blieb es auch amerikanischen Verbänden über Jahre hinweg versagt, das Land zu erobern. Dazu wurde die „Pasteur“ dann allerdings nicht mehr benötigt, sie wurde 1980 auf Formosa (Taiwan) abgewrackt.


Kieler Nachrichten vom 27. Januar 2009:

Hauch von Rallye Monte Carlo in Kiel
27 Sportwagen donnerten gestern vom Schwedenkai zur Autobahn

Kiel – Die Formel 1 macht Winterpause, und Liebhaber alter Autos halten in diesen Tagen möglichst großen Abstand von den salzverkrusteten Straßen. Für die Teilnehmer einer illustren Wettfahrt von Oslo nach Monte Carlo sieht das anders aus. 27 historische Sportwagen kamen gestern mit der „Stena Germanica“ in Kiel an. Auf dem Autodeck der Kiel-Göteborg-Fähre brummten nicht nur Schwedenurlauber und große Volvo-Laster, sondern auch eine komplette Rallye-Flotte. Die bunt beklebten Sportwagen der „12. Rallye-Monte Carlo Historique“ nutzten die Fähre für die See-Etappe ihrer Route, die von Oslo nach Monte Carlo führt. Die 3.630 Kilometer lange Strecke  wollen die Teilnehmer bis Sonnabend gegen 18,00 Uhr bewältigt haben. Im Teilnehmerfeld befinden sich nur Sportwagen der Baujahre 1955 bis 1978 , die alle einmal an einer der legendären Rallyes an der Cote d`Azur teilgenommen haben. Ältestes Fahrzeug ist der 1957 gebaute Austin Healey 100/6 des norwegischen Duos Harald Faugsta und Hans Gaarden. Für Aufsehen sorgten die Franzosen Pierre Delliere und Christian Agostini mit ihrem 1960 gebauten Vespa 400. Der kleine Straßenfloh ist fast 50 Jahre alt. Nach dem Eintreffen in Kiel wurde Pierre Dellieri von Hans Fander begrüßt, der ein Freund alter Autos und ein Freund der Familie ist. „Ich wollte den Pierre unbedingt mal sehen“, sagt der Kieler und nutzt den kurzen Augenblick des Stopps für ein paar Grüße.

23 der 27 Rallye-Teams stammen aus Norwegen, zwei aus Frankreich und je eines aus Dänemark und Monaco. Die erste Etappe führte von Oslo nach Trollhattan in Schweden. Nach der Überfahrt mit der „Stena Germania“ ging es gestern bis in den Hessenpark bei Frankfurt. Heute geht es von dort weiter zur 24-Stunden-Fahrt in Richtung Monaco.
FB    

Une impression de rallye Monte Carlo à Kiel

Hier, 27 voitures de sport sont parties dans un bruit d’enfer du Quai des Suédois en direction de l’autoroute 

Kiel – La formule 1 fait une pause hivernale et, en cette saison les amateurs de voitures anciennes se tiennent à l’écart des routes où on a répandu du sel. Il en est tout autre pour les participants de la célèbre course Oslo - Monte Carlo. 27 voitures de sport historiques sont arrivées hier, transportées par le bateau „Le Stena Germanica“, à Kiel. Sur le ferry Kiel-Göteborg ne vrombrissaient pas seulement les voitures des vacanciers suédois et les gros camions Volvo, mais toute une flotte de voitures de rallye. Les voitures de sport bariolées, du 12ième Rallye historique Monte Carlo, ont utilisé le ferry pour l’étape sur mer de leur route qui va d’Oslo à Monte Carlo. Les participants veulent avoir parcouru les 2630 kilomètres d’ici samedi 18 heures.  Parmi les voitures participantes, il n’y a  que des voitures de sport datant des années 1955 à 1978, chacune a au moins participé une fois  au légendaire Rallye sur la côte d’Azur. La voiture la plus ancienne est une Austin Healey 100, construite en 1957, celle des norvégiens Harald Faugsta et Hans Gaarden. Les français, Pierre Dellière et Christian Agostini ont attiré tous les regards avec leur Vespa 400, construite en 1960. Cette voiture miniature a presque 50 ans. Dès son arrivée à Kiel, Pierre Dellière a été accueilli par monsieur Hans Fander qui est fan de voitures anciennes et ami de la famille. „Je  voulais absolument voir Pierre“, a dit monsieur Fander de Kiel et il a utilisé cette courte pause pour venir le saluer. 23 participants sur 27 de l’équipe du Rallye sont originaires de Norvège, 2 participants sont originaires de France, 1 du Danemark et 1 de Monaco. La première étape les a mené d’Oslo à Trollhattan en Suède. Après la traversée sur le „Stena Germanica“, l’étape suivante d’ hier, c’était à Hessenpark près de Francfort. Aujourd’hui, le départ est prévu dans la soirée, une course d’une durée de 24 heures  en direction de Monaco.