Namibia - Land der Gegensätze

Namibia - Land der Gegensätze                    von Karin Schöniger

Im Mai letzten Jahres war es endlich soweit: Wir (ein Paar in den 60ern) unternahmen eine gut geplante Reise durch die Republik Namibia. Die Übernachtungen in verschiedenen Lodges (Gästehäusern) für 3 Wochen hatten wir im voraus gebucht.
Nach ca. 10 Stunden Nachtflug ab Frankfurt landeten wir in Windhoek, klimatisch gesehen war dort Herbst. Namibia leitet seinen Namen von der Wüste Namib ab und wurde 1990 unabhängig von Südafrika. Die Vielfältigkeit der über 2 Mio. Namibier findet man auch in den 3 Sprachgruppen mit über 30 Einzelsprachen und Dialekten wieder. Ca. 50% sprechen Ovambo, Amtssprache ist jedoch Englisch.
Windhoek ist eine gepflegte Hauptstadt mit ca. 400.000 Einwohnern und deutscher Kolonialvergangenheit. Die großzügigen Häuser in den hauptsächlich von Weißen bewohnten Vierteln sind nach außen mit Stacheldraht und nach innen mit Wachhunden geschützt. In dem von Farbigen bewohnten Armenviertel Katutura, wo sich Wellblech- an Bretterbude reiht, erlebten wir jedoch unübersehbare Anzeichen von extremer Armut und ein Wohlstandsgefälle, was nicht leicht zu ertragen war.
Nach 2 Tagen verließen wir Windhoek mit unserem Mietwagen in Richtung Süden. Westlich von Mariental hatten wir eine Lodge am Rande der roten Steppenwüste Kalahari gebucht, wo wir freundlich empfangen wurden. Höhepunkt war abends die „Sundowner Tour" in offenen Jeeps.
2 Tage später ging es in den „Fish River Canyon", nach dem Grand Canyon in den USA die größte Schlucht der Erde mit einer Tiefe von 549 m. Welch ein Gegensatz zu der Steppenlandschaft der Kalahari ! Unsere Unterkunft war eine Hütte aus Naturstein in einer urtümlichen Landschaft aus Stein und Fels. Die Felshöhlen wurden von Dassies (Klippschiefern) bewohnt. Unglaublich: Diese possierlichen kleinen Tiere sehen wie Murmeltiere aus, sind aber die nächsten noch lebenden Artverwandten des Elefanten!
Ein Abstecher an die Atlantikküste führte uns fort aus dieser Felswüste nach Lüderitz, einer farbenprächtigen Gründerstadt mit viel altdeutscher Nostalgie, deutschen Straßennamen und Gewerbetreibenden.
Weiter ging es durch die Namib-Wüste Richtung Norden nach Swakopmund. In dieser grandiosen Sandwüste rechts und links der schlecht zu befahrenden Schotterpisten erfasste uns ziemlich unangenehm das Gefühl, nahezu allein in Afrika unterwegs zu sein. Stundenlang begegnete uns kein Fahrzeug - eine Handyverbindung gibt es hier sowieso nicht.
Swakopmund selbst ist ein Seebad mit vielen schönen Ferienwohnsitzen an herrlichen Stränden, jedoch trübt der eiskalte Benguelastrom, eine aus der Antarktis gespeiste Meeresströmung, nahezu an der gesamten Küste Namibias das Badevergnügen.
An der Küste von Swakopmund bis Walvis Bay im Süden sieht man große Kolonien von Seerobben und exotischen Wasservögeln. Im Hinterland von Walvis Bay erstrecken sich riesige Sanddünen, die das nördliche Ende der Namib Wüste bilden.
Der Höhepunkt unserer Reise in „tierischer" Hinsicht war aber zweifellos der Etosha Nationalpark, ein ca. 22.275 qkm großes Naturschutzgebiet im Norden Namibias. 2 spannende Tage in geliehenem Jeep und vielen Begegnungen mit Elefanten, Giraffen, Löwen und natürlich unzähligen Zebras und Straußen.
Am Ende unserer langen Reise, die bis auf eine Reifenpanne ohne Hindernisse verlief, kamen wir zurück nach Windhoek, unvergessliche Bilder voller Gegensätze in uns. Und es ist klar, wir müssen noch einmal hin, es gibt noch soviel zu entdecken !