Paris - Im Marais, zwischen dem Place de la Bastille und dem Friedhof Pere Lachaise.


Fast im Marais eine kleine Strasse, Rue Basfroi, zwischen der Rue de la Roquette und der Avenue Ledru Rollin, ganz nah am Place Leon Blum und der Metro Voltaire, da wo 11 tes und 3 tes Arrondissement sich berühren. Die Wohnung im Innenhof, zweiter Stock, hell und ruhig. Sie liegt zwischen der Bastille und dem Friedhof Père Lachaise, wo Besucher zu Pilgern werden, um Steine zu sehen, unter denen ehemals bekannte Leute der Ewigkeit entgegenschlummern.

 


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An der spitzen Ecke, wo Av. Ledru und die Roquette sich begegnen, steht ein kleines Karussel. Frühmorgens schon drehen Kinder darauf ihre Runden, die Mütter machen beim Brot holen eine Pause und ein kleines Schwätzchen. An der Roquette, von der Bastille hoch zum Place Leon Blum, ein Geschäft neben dem anderen, ein buntes Gemisch. Fast alles kann man hier kaufen. Nur die Seitenstrassen sind etwas ruhiger.

Quer durchs Marais zur Place des Vosges geht man eine gute viertel Stunde. Die Rue Rivoli ist nicht weit und die Seine nur einen Katzensprung entfernt. Aufwärts, vom Leon Blum zum Père Lachaise wird es ruhiger. Weniger Geschäfte links und rechts. Ein kleiner Platz lädt zum verweilen ein. Eine kleine Seitenstrasse vor dem Friedhof heisst Rue Repos. Vielleicht ein Hinweis, dass viele Menschen jenseits der Strasse sich nun dort von einem nicht immer leichten Leben ausruhen, denn auch einst bekannte Leute hatten sicher ihre Probleme.

Benannt ist der Friedhof, übrigens der größte der Stadt, nach dem Beichtvater Ludwig des XIV, den man auch den Sonnenkönig nannte. Als man in der Stadt kaum noch Platz für Grabstätten hatte, wurden die verwilderten Gärten eines grossen Besitzes Anfang 1800 zum heutigen Friedhof umgestaltet. Am Eingang steht eine große Tafel mit Hinweisen, wo man die Gräber bekannter Personen findet.

Breite Alleen und schmale Wege durchziehen den riesigen Friedhof. Hier große Monumente, an anderer Stelle einfache Grabsteine. Fast könnte man sagen, wer im Leben prahlte, tut es danach immer noch. Ein Friedhof ist immer eine Oase der Ruhe, auch wenn die Geräusche der Stadt gedämpft über Buschwerk und Bäume klingen.

 

 

Nein, nicht auf Pere Lachaise

 

Ein Friedhofsbummel ist für mich immer eine kleine Erholungspause im Betrieb der Großstadt. Da ist das Grab von Edith Piaf, deren Lied "Non je ne regrette rien" mir einfällt, dort das Grab von Simone Signoret, der bekannten Schauspielerin. Ich sah sie in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts in dem Film "Casque d'Or". Der Titel bezog sich auf ihre goldblonden Haare. Später war sie für ihre ernsten Rollen berühmt. Verheiratet war sie mit Yves Montand, der auch auf dem Père Lachaise beerdigt wurde.

 

Um nur einige Berühmtheiten zu nennen: Honoré de Balzak, Sarah Bernhardt, Pierre Brasseur, der als Schauspieler in vielen Rollen glänzte. Maria Callas, berühmte Opernsängerin. Sie war einmal mit dem Reeder Onassis befreundet, der später Jacqueline Kennedy heiratete. Frederic Chopin, lange befreundet mit Aurore Baronin Dudevant, besser bekannt als Schriftstellerin unter dem Pseudonym George Sand. Dann Marcel Marceau, der bekannte Pantomime. Und Molière, und, und, und.

 

Man sagt, dass fast zwei Millionen Besucher jährlich durch die Reihen pilgern, vielleicht auf der Suche nach einer verlorenen Zeit. Um hier seine letzte Ruhe zu finden, muss man für eine Grabstelle zwischen Zehn und Zwanzigtausend Euro anlegen, Dekoration, also Grabsteine und Monumente nicht eingeschlossen.

 

"Wäre doch nett", dachte ich beim Verlassen der Totenstadt, " wenn Du hier auch mit einem "Steinchen" vertreten wärst". Inschrift: " Hier, Zweimeterfünfzig tiefer, hat sich Hans Fander hingelegt". Sein letztes Geld gab er her, um ein wenig vom Glanz seiner Mitschläfer zu profitieren". Dabei dachte ich so zwischen Edith Piaf und Simone Signoret der Ewigkeit entgehen zu schlummern. Ives hätte mich nicht weiter gestört. Er liegt wohl auf der anderen Seite. Und Chopin hätte für die Himmelfahrt vielleicht noch eine Melodie komponiert. Aber aus der Umbettung der von mir verehrten Damen wird wohl nichts. Doch Träumen ist erlaubt. Wenn dann vielleicht der eine oder andere Besucher vorbei wandern würde, und sich die Frage stellt, wer Hans Fander wohl war, dann wäre ich der Vergessenheit entkommen. Und das mit einem billigen Stein, denn das Grab auf dem Pere Lachaise wäre ja schon reichlich teuer.

 

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Meine charmante Begleiterin wunderte sich über meine Vorstellungen. Sie fand meine Gedanken etwas skurril. Aber wer weiss...........................?

 

Beim Verlassen des Père Lachaise hatte mich die Wirklichkeit schnell eingeholt. Paris lebt, ich lebe, und das mittendrin. Zurück über den Place Leon Blum, vorbei am Karussel, noch schnell beim Bäcker eingeschaut, ein paar nette Worte gewechselt und dann hinüber in die kleine Rue Basfroi. Hinterhaus, zweiter Stock und Ruhe, mitten in Paris, fast im Marais.

 

Fotos: A.Pingstone + GNU-Lizenz + Dr.Buchegger + Fotos-Paris von Francois Frenkiel + fotosearch.de