Postkartengeschichte 1894 - 1904 - Wie alte Postkarten nach 100 Jahren zurück nach Aldekerk kamen.

Als meine Großmutter so um achtzehn Jahre alt war, man schrieb das 1894 - schickte man sich zu den verschiedensten Anlässen, oder auch einfach mal so, Postkartengrüße. Es gab kaum Telefone, aber zweimal am Tag wurde damals die Post ausgetragen. An Handys, wie sie heute fast an den Ohren vieler junger Leute wachsen, war nicht zu denken. Die Technik war gerade erst aus den Kinderschuhen geschlüpft.

Der Schuhkarton voller Postkarten, den meine Mutter nach Omas Tod seit 1954 verwahrte, überlebte den ersten und den zweiten Weltkrieg, verschnürt und aufgehoben bei all den "Dingen, die man nicht wegwirft ".

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Nach dem Tod meiner Mutter übernahm ich auch den Postkartenkarton, den ich dann zu den Dingen stellte, die man verwahrt.

Um das Jahr 2003 packte mich dann die große Aufräumerei. Einmal des Platzes wegen, den ich nach Aufgabe meines Ateliers brauchte. Aber auch, um mich von Dingen zu trennen, auf die niemand mehr Wert legte. So nahm ich mir auch den Postkartenkarton meiner Großmutter vor. Es waren ein paar Hundert Karten. Viele mit Glimmer und figürlichen Darstellungen, wie es damals üblich war. Aber auch Ansichten von Orten, Landschaften und sogar einen Zeppelin, den später ein Verwandter - er war Fotograf - über Aldekerk, dem Heimatort meiner Großmutter fotografiert hatte.

Damals schrieb man noch  " Sütterlin ", auch deutsche Schrift genannt. Da ich diese Schrift noch in der Schule lernte, konnte ich die Texte auf den Postkarten lesen.

Die Grüße an die  " liebe Josefine " oder das  " liebe Finchen " waren verbunden mit kleinen Begebenheiten aus dem Alltag der Schreiberinnen und der Schreiber - der Schreiber waren es nicht wenige. Sie war wohl beliebt, meine Großmutter, und als junge Frau sicher auch sehr lebenslustig. In späteren Jahren habe auch ich sie trotz schwerer Schicksalsschläge nie griesgrämig erlebt.

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Zweite von rechts ist meine Großmutter

Da stand ich nun vor einem kleinen Teil des papiernen Lebens meiner Großmutter. Ich kaufte passende Alben, in die ich die einzelnen Karten Stück für Stück steckte, stellte sie in den Schrank, wo nun die Postkartengrüße einer längst vergangenen Zeit einer noch ungewissen Zukunft entgegen schlummerten. Nein, wegwerfen konnte ich die Karten nicht.

So standen sie denn Jahre hier in Kiel bei mir im Schrank. Da ich sie ja kannte, schaute ich nicht mehr in die Alben. Als mich dann wieder einmal die " Aufräumerei " packte, suchte ich einen Interessenten für alte Postkarten, dem ich alle Alben im Frühjahr 2008 verkaufte. Die Großmutter, die meine Jugend begleitete, steckte ja nicht in den Postkarten, sondern in meinem dankbaren Gedenken.

Groß war meine Überraschung, als ich vor ein paar Tagen, wir schreiben jetzt den November 2009, eine Email aus Aldekerk, dem Heimatort meiner Großmutter erhielt.

Ein Sammler von " Aldekerkia " ( meine Version ) schrieb mir, er hätte in meiner Homepage die Geschichte über meine Großmutter gelesen. Er fragte an, ob ich denn mit Josefine Loyens aus Aldekerk verwandt sei. Er selbst interessiere sich für die Geschichte seines Heimatortes und sammele alte Postkarten. Als ich ihm sagte, ich sei der Enkel besagter Dame, kamen wir ins Plaudern.

Dann erzählte er mir, dass er vor einiger Zeit einen ganzen Packen Postkarten von einem Antiquar aus Eckernförde erworben hätte. Es wäre eine zusammenhängende Sammlung, die im Internet angeboten wurde.

Es sind alle Postkarten aus dem Karton meiner Großmutter, die zwei Weltkriege und viele Umzüge überlebten. Der Kieler Antiquar, dem ich die Karten verkaufte, reichte sie weiter an seinen Eckernförder Kollegen, der dann wiederum einen Käufer für die Karten suchte. Und das war dann der Sammler aus Aldekerk, der sich für die Geschichte seines Heimatortes, vor allen Dingen aber für die Familien, die dort einmal lebten und den damals kleinen, ländlichen Ort mit prägten, interessiert.

So sind die Postkarten, die meine Großmutter in jungen Jahren erhielt, nach über 100 Jahren wieder an den Ort zurückgekommen, aus dem sie stammt und der mir noch in guter Erinnerung ist, war ich doch als Junge oft mit meiner Oma in Aldekerk.

In den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war ich auf meinen Geschäftsreisen öfter in Aldekerk, so dass die Verbindung zum Heimatort meiner Großmutter erhalten blieb.

Kiel im November 2009

Die obigen Postkarten stellte mir der Erwerber aus Aldekerk für die Gechichte zur Verfügung.