Prag Reise

Ingrid Luise Dobrick und Hans Fander
 
September in Prag

„Wer nur in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren“ (Wandspruch im Waggon des Schnellzuges „Porta Bohemica“ auf der Strecke Hamburg - Prag).

Lange hatten wir uns eine Prag-Reise vorgenommen, nun ging es endlich nach gemütlicher Fahrt im Erster-Klasse-Abteil über Berlin und Dresden, vorbei am wegen seiner Schönheit viel gepriesenen Elbsandsteingebirge, Richtung Goldene Stadt. Dort ließen wir uns vom Hauptbahnhof ins Hotel „Central“ mitten in der Altstadt fahren, wobei der Taxifahrer uns naive Touristen natürlich kräftig übers Ohr hauen konnte.

Vom kleinen, altmodischen, hochgelegenen Hotelzimmer ein wunderbarer Abendsonnenblick über die Dächer und Kirchenkuppeln der legendären Goldenen Stadt. Hans, überwältigt von diesem malerischen Motiv, konnte nicht aufhören zu fotografieren.

Anschließend machten wir im Dunklen einen Bummel durch die
Historische Altstadt, die man von Filmen und Fotos schon zu kennen meint und die man sich auch genauso schön, interessant und geheimnisvoll verwinkelt vorgestellt hat.

In den nächsten zwei Tagen erkundeten wir zu Fuß bei schönstem Wetter die von internationalen Touristengruppen überlaufende Stadt mit den prächtigen, teilweise wieder restaurierten Gebäuden aus der kaiserlich-königlichen Epoche, genossen das berühmte Panorama auf einem der riesigen Moldau-Flussdampfer, erkletterten den überwältigend prächtigen Hradschin mit imposanter Karlsburg, wo Hans mir von einem der albanischen Maler zwei kunstvolle Aquarelle kaufte. Wir bummelten über die weltberühmte Karlsbrücke mit den riesigen steinernen Heiligenfiguren und den vielen Kitsch-Verkaufsständen, schlenderten über den Wenzelsplatz, aßen Entenbraten und Gulasch mit Knödel in uralten verräucherten Kellergewölbe-Restaurants, tranken das aromatische tschechische Bier.

Schaufensterbummel – es gibt allen erdenklichen Luxus wie bei uns im Westen, sogar Pariser Modehäuser wie Dior sind vertreten. Natürlich wurden auch überall die schönen böhmischen Kristallwaren angeboten.

Abends besuchten wir das bekannte klassische Marionetten-Theater, wo seit 1787 Mozarts „Don Giovanni“ in immer gleicher, stets ausverkaufter Version mit lebensgroßen Holzpuppen in stilechter Ausstattung und italienisch gesungen, aufgeführt wird – wir waren begeistert.

Am nächsten Tag kauften wir Karten für das ebenfalls berühmte Schwarze Theater, wo unsere Erwartungen nicht annähernd erfüllt wurden, denn das Tanztheater war dem vermeintlich gängigen Publikumsgeschmack hollywoodmäßig kitschig angeglichen – schade.

Am letzten Tag ein Bummel durch das jüdische Viertel mit den  restaurierten Synagogen, dem alten jüdischen Friedhof und dem Geburtshaus von Franz Kafka. Die Nazis hatten seinerzeit hier fast alle Juden gejagt, deportiert und vergast. In der Hauptsynagoge waren Zeichnungen ausgestellt, die jüdische Kinder des Ghettos vor ihrer Ermordung durch die KZ-Schergen anfertigen mussten, und die von diesen perfiderweise für die Nachwelt gesammelt wurden. Mir war übel beim Anblick der unschuldig-grausam anklagenden Malereien.

Und dann sahen und hörten wir ihn: Den öffentlich bestellten Hundekotstaubsauger-Arbeiter auf seinem knatternden Fahrrad, das vom gleichen Motor wie der Staubsauger angetrieben wurde, womit er die Gehsteige vom lästigen Übel befreite. So etwas könnte sich das „Drecksnest“ Kiel trotz ewiger Finanznot auch noch leisten!

Zwischendurch trafen wir immer wieder auf jenen hektischen, per Flugzeug in Sachen Jazz angereisten Musikmanager aus Kiel, der im ausgebuchten Prag entnervt eine Übernachtungsmöglichkeit suchte und sich über die permanente Unfreundlichkeit der Einwohner beklagte – letzteres mussten auch wir am Ende leider bestätigen.

Auf der Rückreise im Zug Gespräch mit einem Amerikaner und Eisenbahnfan aus Tennessee, der mit seiner Frau wenige Tage im „beautifull Europe“ unterwegs war.

Gesättigt von Prag-Erlebnissen fuhren wir schließlich im ganz und gar nicht hektischen Kieler Hauptbahnhof ein.

  • prag01
  • prag02
  • prag03
  • prag05
  • prag06