Dornröschen - Eine Protestgeschichte

So kann es kommen, wenn eine Großmutter Märchen erzählt. Die Geschichte von Dornröschen wollte die kleine, aber schon recht pfiffige Enkeltochter hören.

Nun leben wir ja in modernen Zeiten. Prinzen kommen nicht mehr auf Pferden daher, um schlummernde Prinzessinnen hinter Dornenrosenhecken in Palastgemächern durch einen sanften Kuss wieder in die Wirklichkeit zu holen.

Die mir bekannte Großmutter ist eine moderne Frau, fährt Auto und bewegt sich eben wie es heute üblich ist. Also erzählte sie die Geschichte vom Dornröschen in der von ihr modernisierten Form.

Der Prinz kam nicht auf einem Pferd daher geritten. Er musste sich nicht durch die dornige Rosenhecke schneiden, um in den Palast zu kommen. Nein, wie es sich für heutige Prinzen gehört, fuhr er mit einem schicken Auto vor den Palast, begehrte Eintritt, um Dornröschen küssend zu wecken und mit ihr zu entschwinden. So meinte die Großmutter würden heute Prinzessinnen geweckt und entführt.

Aber sie hatte nicht mit dem Protest ihrer Enkelin gerechnet, die ja nur die alte und romantische Version der Geschichte kannte. Laut protestierend erklärte sie ihrer Großmutter in ihrer kindlichen Sprache, dass die Geschichte nicht richtig sei. Und sie korrigierte die Fehlinterpretation. Es fehlte einfach die Romantik. Und in ihrer noch kindlichen Sprache sagte sie nach Beendigung ihres Protestes zu ihrer Großmutter:

Ich bin doch nicht dumm im Topf.

Das K konnte sie noch nicht sprechen. Aber dumm im Kopf war sie nie, im Gegenteil bestätige ich heute der jungen Frau gerne, dass sie sogar sehr viel in ihrem Kopf ( Topf ) hat.