Rucksack - Geschichten...

 

                                                                                                                                   von Karin Schöniger

Zack – da hatte ich ihn wieder im Gesicht, den Rucksack eines platzsuchenden Menschen, der ja hinten keine Augen hat und durch die engen Gänge des Regionalzuges wanderte. Bloß kein Außenplatz, das war schon lange meine Erkenntnis, aber das klappt ja nicht immer. Bei längeren Reisen kann man Sitzplätze buchen, denn ich fahre lieber eingeklemmt auf dem Fensterplatz, als von Station zu Station den mehr oder weniger baumelnden Rucksackungetümen ausweichen zu müssen. Nicht nur, dass bei Bahnreisenden vermutlich der halbe Hausstand transportiert wird, manch einer hat noch eine querbefestigte Isomatte dabei - dafür aber vorn beide Hände frei!
Ja, Rucksäcke habe ich „auf dem Kieker“, was natürlich nicht für die kleinen gilt. Die großen haben in öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt keinen Platz und werden darum gern auf dem Nebensitz abgestellt. Jeder, der vergeblich einen Platz sucht, guckt böse, sagt aber meistens nichts. Andernfalls müsste der Rucksackträger sein Gepäck ja auf den Schoß stellen - welche Zumutung! Viele jüngere Leute halten sich auf diese Weise den Nebenplatz frei und beschäftigen sich so intensiv mit ihren elektronischen Kommunikationsmitteln, dass die Situation noch mit den verstöpselten Ohren wahrgenommen werden kann. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – in unseren öffentlichen Räumen schon längst Normalität! 

Auch in Warteschlangen auf Flugplätzen, Bahnhöfen oder beim Einschiffen versteht man schnell, welch Vorteil so ein Rucksack außer den freien Händen sonst noch bietet. Er ist auch ein prima Platzhalter, ein Abstandshalter zum Hintermann und manchmal auch zum Nebenmann! Mit Rucksack nimmt der Mensch leicht doppelt soviel Raum ein.

Ich bin sicher, die meisten Rucksäcke werden nach Gebrauch gar nicht wirklich ausgepackt. Vieles bleibt gleich drin, man weiß ja nie…
Besonders Kinder von Rucksackmüttern wissen das. So ziemlich alles, was ein Kind brauchen könnte, wird darin transportiert und so ist die Entwicklung zu quengelnden Forderungen vorprogrammiert. Es ist eben alles drin, in Mamas Rucksack, und auch sofort verfügbar. So muss es sein, wissen auch die lernfähigen Stewardessen in den Ferienfliegern, die schon gar nicht mehr versuchen, Mamas Rucksack sicher, doch damit 

außer Reichweite, unterzubringen.

Geht gar nicht!

Ich selbst habe noch immer keinen Rucksack und glaube auch nicht, dass sich das ändert. Ich setze auf Minimalismus. Wie das? In meine Handtasche, die mit langem Gurt vor dem Bauch baumelt ( tja – die freien Hände!) müssen außer dem Portemonnaie nur noch das Brillenetui, Taschentücher und der Lippenstift hinein. Dazu die kleine Digitalkamera und der Reiseführer im Urlaub – mehr nicht! Mit dieser Grundausrüstung komme ich seit Jahren überall hin und habe noch nie etwas vermisst. Auf Reisen tut es ein Rollenkoffer, der extra schmal ist für die engen Gänge und sich leicht im Gepäcknetz verstauen lässt. Im Vorfach steckt Lesestoff und ein wenig Proviant – so lässt es sich reisen! (ks)