Schweden vor der Haustür - Mit der Fähre von Kiel nach Göteborg und weiter ins Paradies.

Von Kiel ist es nur ein Katzensprung nach Schweden, die Stena-Line fährt jeden Tag nach Göteborg. Wo heute der Schwedenkai ist, war bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch ein Bootshafen. Ein paar alte Schnellboote aus dem zweiten Weltkrieg noch lange an der Pier. Das Geschäftshaus der Nordstern-Versicherungen ( heute Axa ) von dem aus ich fast 14 Jahre die Geschäfte in Schlewig-Holstein leitete, steht genau gegenüber. Bei südwestlichem Wind zog immer ein leichter Geruch des brackigen Wassers in die Altstadt, Hafengeruch. Der Bootshafen wurde geschlossen, Kähne mit Steinen beladen kippten ihre Fracht ins Wasser. Langsam entstand so der heutige Fähranleger.
Schweden, Land der vielen Seen, liegt vor unserer Haustür. Man fährt abends los und erreicht am anderen Morgen Göteborg. Schwedenhäuser konnte man in den siebziger Jahren schon kaufen, oder mieten, im Land, am Meer oder an einem der vielen Seen. Unser Haus liegt in der Nähe von Växjö, einer kleinen Kreisstadt. Ein Wasserturm ist hier die Attraktion. Apfelsinenscheibenförmig haben die Betonbauer seine Unterseite gestaltet, stellt man sich genau in die Mitte, hat man ein vielstimmiges Echo. Von weit her kommen Leute, um den Schall ihrer Stimmen zu hören. Die Fahrt von Göteborg nach Växjö führt durch Wälder und hübsche Orte, vorbei an kleinen und grossen Seen. Die meist rötlich- bunten Häuser sind wie Tupfen in der grünen Landschaft.
Unser Haus liegt an einem grösseren See, von Wald umgeben. Ein Saunahäuschen in Wassernähe, ein Bootssteg mit dem obligatorischen kleinen Motorboot, Fischfang gehört dort einfach zum Leben. Was soll man über ein Paradies sagen oder Schreiben? Jeder hat andere Vorstellungen von seinem Paradies. Unser kleines Paradies zeigen ein paar Bilder.
Ein Holzzaun friedet das Grundstück ein, denn Elche würden sonst irgendwann das Gehölz dort zerbeißen. Warum diese sich Grundstücke aussuchen, bleibt mir ein Rätsel, haben sie doch die ganzen Wälder für sich. Und natürlich gibt es Mücken in der warmen Jahreszeit, ein Paradies mit kleinen Quälgeistern.
Nein, immer leben könnte ich dort nicht. Nach ein paar Wochen fehlt mir das Stadtleben, die Freunde und alles, was das Leben in einer Stadt ausmacht. Der Bäcker in der Nähe, der leichte Ärger über Autos die nicht blinken, wenn sie um die Ecke fahren und Radfahrer, die ohne Licht im Dunkeln radeln. Das Wissen und die Ausicht aber, immer mal schnell auf einen Katzensprung ins Paradies zu gelangen, macht das bißchen städtischen Kummer allemal wett.