Segeln - Ein paar Erinnerungen.


" Illusion " hiess das Boot eines Freundes, gebaut vor Jahren auf der Fortuna Werft in Lübeck. Fünfunddreißig Fuß lang (etwa 10,50 Meter ), 3,15 Meter breit, mit einem Tiefgang von 1,70 Meter und rund 65 Quadratmetern Segelfläche. Natürlich war es ausgerüstet mit Funk, Echolot und Autopilot und einem anständigen Dieselmotor, der uns, gar nicht anständig, auf der Rücktour von Faaborg nach Kiel, bei Flaute in der Dämmerung auf Höhe Maasholm, im Stich liess.
Norbert, der Miteigner, hatte zu einem Törn in die dänische Inselwelt eingeladen. Er und Thomas sind erfahrene Segler. Von mir kann ich das nicht behaupten. Obwohl vor Jahren, als es meine Kondition noch erlaubte, die Segelei für mich ein Vergnügen war.

Die Eigner Frank und Norbert und Frank's Frau Monika




Bei gutem Wind segelten wir in Richtung Alsen. Gegen Abend, bei Alsen Lands End, es dämerte schon, kam ein böiger Wind von West auf, wie üblich in dieser Region, begleitet von ordentlichem Regen. Thomas und Norbert holten das Großsegel ein. Mit dem Focksegel als Stabilisator fuhren wir durch die dänischen Gewässer, die an vielen Stellen Sandbänke und Untiefen haben. Ich steuerte den Kahn entlang der Tonnen und den Leuchtmarkierungen in Richtung Faaborg.

Der Hafen war gut belegt, aber wir fanden noch einen Platz. Einen Tee zum Aufwärmen und dann in die Kojen. Für's Essen fühlte ich mich zuständig. Also am Morgen warme Brötchen und dänischen Kuchen geholt, zurück an Bord, Kaffee gekocht und bei strahlendem Sonnenschein gefrühstückt. Beim Bummel durch Faborg ein Besuch im örtlichen Museum. Es wurde vor vielen Jahren von einem ortsansässigen Fabrikanten gestiftet. Sein Abbild steht dort als wohlbeleibte Figur in einem kleinen Tempel, Daumen in der Weste, die von einer schweren Uhrkette geschmückt, auf Wohlstand schliessen lässt.

Zurück ging unsere Fahrt durch den Svendborgsund. Am Ufer kleine bunte Häuser, eine Spielzeuglandschaft. Dabei dachte ich an unsere deutsche " Farblosigkeit ". Sicher gibt es auch bei uns fröhlich bunte Häuser. Aber im Norden sieht man sie überall, in Dörfern und Städten, und es sind nicht nur bunt bemalte Holzhäuser, auch Steinbauten findet man in Stadt und Land mit fröhlichen Farben. Auch in Irland fiel es mir auf. Hat es etwas mit der Mentalität zu tun? Vielleicht auch mit Genehmigungsverfahren in unserem oft streng regulierten Land, wo die Menschlichkeit und oft auch die Fröhlichkeit auf der Strecke bleiben. Aber das bleibt Spekulation.

Auf der Rückfahrt flaute der Wind ab. Der gute Dieselmotor streikte in Höhe Maasholm. In der Dämmerung nahm uns ein nach Kiel fahrender Segler auf den Haken und schipperte mit uns in den Hafen von Schilksee. Es war eine schöne kleine Reise, an die mich noch ein paar Fotos erinnern.

Beim schreiben dieser Zeilen denke ich an einen guten Bekannten, Peter Richter, Arzt in Kiel und passionierter Segler. Wenn ich ihn besuchte, war mein Mitbringsel immer eine Stange Lucky Strike Zigaretten, denn er war ein genau so passionierter Raucher, wie Segler. Gerne hätte ich noch öfter mit ihm geplaudert. Leider starb er viel zu früh.

Als Abschluss und mit Erlaubnis der " Kieler Nachrichten " füge ich einen Artikel an, den die KN im Jahr 1987 veröffentlichten. Vielleicht wird sich der eine oder andere beim lesen des Artikels noch an ihn erinnern.