Skandinavienreise mit der MSC Orchestra

Wir hatten sie schon oft liegen sehen, die " MSC Orchestra," festgemacht an großen Pollern im Kieler Hafen. Natürlich ist sie ein Schiff. Aber für mich sieht sie eher wie ein schwimmendes Hochhaus aus. Dreihundert (300) Meter lang, zweiundreißig (32) Meter breit und vom Kiel bis zum Schornstein, der ja eher eine Art " Auspuff " ist, kann sie sich, was die Höhe betrifft, gut mit vielen Hochhäusern in Kiel messen. Zweitausendsieben (2007) wurde sie bei Alstom/Chantiers gebaut und verdrängt rund 90.000 Tonnen. Zugelassen ist sie in Panama. Dreitauend (3000) Passagiere haben auf ihr bequem Platz. Dazu kommen noch eintausend Besatzungsmitglieder vom Kapitän bis zum Dienstmann. Also die Bewohner eines gar nicht so kleinen Dorfes.
Nur zum Vergleich: Die Bismarck, eines der größten Schlachtschiffe im zweiten Weltkrieg, war rund 250 Meter lang, 36 Meter breit und verdrängte fast 50.000 Tonnen. Die Besatzung bestand aus 2060 Offizieren und Matrosen aller Dienstgrade.
Neben der " MSC Orchestra " gibt es heute auch schon wesentlich größere schimmnende Hotels. Aber für mich müssen Schiffe, die den Namen verdienen immer noch die klassischen Formen haben, vorne spitz und hinten leicht rund. Die "Queen Mary" und andere Passagierschiffe haben noch diese klassische Form.Bisher hatte ich mich immer gesträubt, mit so einem Hochhaus über's Wasser zu fahren. Erst die hervorragende Beratung durch Frau Freiss von der Firma RIW-Medientouristik überzeugte mich, auch dem Wunsch von Ingrid folgend, die Reise zu buchen.

 

Am Hafen standen Busse aus Frankreich, Holland, Belgien und natürlich aus Deutschland. Koffer ziehende " Seefahrer " kamen vom nahen Bahnhof, der bei uns direkt am Wasser ist. Die meisten Passagiere waren schon in der Halle oder an Bord, als wir gegen Mittag am Kai eintrafen. Für uns kein Problem, wohnen wir doch nur fünf Taximinuten vom Hafen entfernt am Düsternbrook in Kiel. Freundlicher Empfang. Unser Gepäck, -wir reisen nur mit leichtem-, fanden wir später schon in unserer Kabine. Die bewundernswerte Organisation auf allen Gebieten hat uns überrascht. Nichts, aber auch garnichts war oder wurde dem Zufall überlassen. Überall freundliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle Passagiere zu ihren Kabinen begleiteten. Vor der Abfahrt gab es noch eine Einweisung der Passagiere in den Umgang mit Schwimmwesten. Eng standen wir beieinander. Eine Dame fragte in die Runde, ob das denn im Ernstfall alles so klappen würde. Mit meinem etwas skurilen rheinischen Humor sagte ich dann, dass es vor dem Ertrinken nur eine Rettung gäbe, sofort aussteigen, oder garnicht erst auf ein Schiff zu steigen.  Außerdem wäre das Waser so kalt, dass man in spätestens zehn Minuten mit nassen Füßen im Himmel ankäme. Und wo kämen Damen sonst hin ? Aber ich habe doch bezahlt sagte die Dame. Verständnislose Blicke folgten mir, als ich mich in Richtung unserer Kabine entfernte. Und dann fiel mir die Einweisung durch nette Stewardessen in Flugzeugen ein, die auch mit dem charmanstesten Lächeln erklären, wie man mit Schwimmwesten umgeht, wenn so ein Flieger aus einigen Tausend Metern Höhe ins Wasser plumpst.

An einem Sonntag um 16 Uhr machte das Typhon vor dem Ablegen sein dreimaliges Tut-TUT-TUT. Fast geräuschlos glitt der Koloss vorbei an den Resten der Howaldtwerft, dem U-Bootehrenmal in Möltenort und dem grossen Marinedenkmalturm in Laboe in die offene Förde. Mein Sohn Richard begleitete uns auf einem Segelboot und machte noch ein paar Fotos, bevor wir vorbei am Leuchtturm Friedrichsort in Richtung Kiel Leuchtturm fuhren, den einmal mein Freund Gerd Newiger mit baute. Hier lag früher das Feuerschiff Kiel, das nach einigen Umbauten heute als bekanntes Segelschiff "Alexander von Humboldt" mit seinen grünen Segeln die Wellen durchpflügt. Manchmal sieht man es im Fernsehen. Der Leuchtturm Kiel ist auch Lotsenversetzstation. Von hier bringen kleine, schnelle Boote die Lotsen zu den Schiffen, die den Nordostseekanal passieren wollen. Und die von Bord gehenden Lotsen werden hier am Leuchtturm Kiel wieder abgesetzt, wenn sie die Schiffe im Fahrwasser bis in die offene See gelotst haben.

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Sonntag Nacht, Montag und die Nacht auf Dienstag waren wir auf See. Die Orchestra fuhr danach nur noch nachts. Dienstag früh Einfahrt in den Geirangerfjord und nach Hellesylt. Schmales Fahrwasser, links und rechts steile Felswände mit Wasserfällen, die teils sanft, teils in Fontainen hunderte Meter tiefer in den Fjord stürzen. Auf den Bergen lag im Mai noch Schnee. Viele Passagiere hatten Landausflüge gebucht und wurden mit kleinen Booten an Land gebracht. Busse warteten und fuhren zu Aussichtspunkten in der Umgebung. Da wir von früheren Reisen die Gegend kannten, blieben wir an Bord. Das Wetter änderte sich, leichter Nieselregen setzte ein. Eine Möglichkeit das Schiff zu erkunden. Luxus überall. Auf verschiedenen Decks gab es Bars, Restaurants, Cafes und andere, sehr gemütliche Aufenthaltsräume. Überall sehr freundliches und hilfsbereites Personal. Und allenthalben begegnete man Besatzungsmitgliedern mit kleinem - Putz und Reinigungsgerät. Auf dem Schiff wurde überall und zu jeder Tageszeit geputzt und gewienert. Selbst unsere Kabine wurde zweimal täglich gesäubert. Wir fragten die für unsere Kabine zuständige junge Frau, was wir denn schmutzig gemacht hätten. Nichts, meinte sie. Aber das wäre nun einmal so auf der Orchestra. Wer kann, putzt. Und auf Deck war sich selbst ein Offizier nicht zu schade, die Handläufe zu polieren. Hut ab. Und dann gab das Typhon wieder ein paar Signale, damit die Ausflügler wieder an Bord kommen. Pünktlich um 17.oo Uhr legten wir ab, um über Nacht weiter nach Fläm zu fahren.

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Um nach Fläm zu kommen, muss das Schiff erst den fast 100 Kilometer langen, bekannten Sognefjord durchfahren. Bewaldete Felswände links und rechts. Manchmal sieht man ein Ferienhaus in der Wildnis. Dann geht es noch durch den schmalen Aurlandsfjord bis in den kleinen Hafen von Fläm. Hier beginnt die Fahrt mit der Flämbahn, eine der landschaftlich schönsten Bahnstrecken der Welt. Einmalige Bergwelt, Wasserfälle, Schluchten und, und und. Man muss es, wenn möglich selbst erleben. Dann zurück zum Schiff, das um 18.oo Uhr in Richtung Stavanger ablegte, nicht ohne vorher die obligatorischen Typhongsignale zu geben.

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Die Nächte sind hell. Man kann lange an Deck bleiben. Einpackt in Wolldecken lässt es sich aushalten. In einer Bar noch einen Drink und dann der Ankunft in Stavanger entgegenschlummern. Es muss gesagt werden, dass die Kabinen hervorragend ausgestattet sind. Die Betten besser als in vielen Hotels die wir kennen. Da wir auch einen Balkon hatten, brauchten wir die Klimanlage nicht einzuschalten. Frische Seeluft, guter Schlaf. Donnerstags früh dann in Stavanger. Alte Stadt, die heute das Zentrum der norwegischen Ölindustrie ist. In der Innenstadt noch die typischen norwegischen Holzhäuser. Insgesamt aber die moderne Stadt, wie man sie heute überall auf der Welt findet. Aber eben doch ein wenig norwegisch. Nicht alles in den Himmel gebaut. Man liebt es immer noch bodenständig. Gut so.

 

In der täglich erscheinenden Bordzeitung gab es Hinweise für die Abendgarderobe. Mal leger, mal normal und dann natürlich festlich. Da wandelten die Damen hübsch dekolltiert und schulterfrei in Begleitung ihrer beschlipsten Herren zum Diner. Vielleicht waren sie dann später auch beschwipst. Gerne hätte ich ja eine Schulter geküsst. Aber das macht man wohl nur in Operetten und bekommt dafür noch eine Watschen. Schade. Nun wusste ich aber wenigstens, warum die meisten Passagiere Rollis und Koffer mit an Bord brachten. Die Kleider waren es. Wir blieben in unseren Jeans, sassen in einer gemütlichen Ecke und genossen den Abend auf unsere Art. Nein, nur keine Zwänge.

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Tuten gegen 17.oo Uhr und weiter ging es in Richtung Oslo. Bei der Einfahrt in den Oslofjord nieselte es. Dunstwolken lagen tief über dem Wasser und in Oslo setzte dann Regen ein. Wir kennen die Stadt, wohnten und wohnt noch eine von Ingrids Schwestern hier. Ingrid bummelte in die Stadt. Ich blieb an Bord und unterhielt mich mit einer Französin. Mich interessierte, wieso so viele Passagiere aus angrenzenden Ländern an Bord waren. Leserreisen erklärte sie mir. Und dann klagte sie mir ihr Leid. Sie kam aus Belfort, ziebzehn Stunden hätten sie gebraucht, um mit dem Bus nach Kiel zu kommen. Und nun begriff ich, woher die vielen Passagiere kamen. Zeitungen hatten Kontakt mit Reisebüros, diese wiederum mit der Reederei der "Orchestra". So wurde der Dampfer voll. Und denken Sie Monsieur, 17 Stunden müssen wir auch zurück nachhause fahren. Ich habe versucht sie zu trösten mit den schönen Erinnerungen, die sie nun mitnähme. Und was könnte sie alles erzählen. C'est vrai, meinte sie. Darauf tranken wir noch einen Aperitif, bevor ich mich verabschiedete, um über die Reeling zu schauen, wo Ingrid denn blieb, die noch durch das uns ohnehin bekannte Oslo bummelte.  Abends noch ein wenig durchs Schiff gebummelt. Für die Freunde in Kiel etwas eingekauft. Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er davon auch etwas mitbringen. Ein letzter Blick auf's Rathaus von Oslo mit seinen zwei Türmen. Ganz fern kam mir der Gedanke an Yew York mit den beiden, aber wesentlich höheren Türmen. Aber lassen wir das.

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Kopenhagen

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Samstag früh Einfahrt in den Hafen von Kopenhagen. Wir gingen von Bord und bummelten über die bekannte " Ströget " , eine der längsten Einkaufsstrassen in Kopenhagen mit mehr oder weniger teuren Geschäften. Die Zeit war zu kurz, um noch einige uns kekannte Museen zu besuchen. Und nach Louisiana mit dem herrlichen Park am Meer war es einfach zu weit. Also noch ein wenig bummeln rund um den Nyhavn mit alten Segelbooten und nicht so alten Cafes. Dann mit der Taxe zurück zu unserem Kreuzfahrtschiff , neben dem noch ein ordentliches Schiff mit spitzem Bug und rundem Heck aus London lag. Bei unserer Ankunft bog dann gerade eine Gruppe von Oldtimern, Chevrolets, um die Ecke, die wir uns noch beim vertilgen eines " Pölsers " ansahen. Mit TUT-TUT- TUT rief die Orchestra uns zurück an Bord und fuhr gegen 18.oo am Samstag Abend durch die dänischen Gewässer gemächlich zurück nach Kiel, wo wir am Sonntag früh um 8.oo Uhr eintrafen. Die Leuchttürme in der Förde standen noch am gleichen Platz. Das Ehrenmal in Laboe nebst den anderen schon Eingangs erwähnten Bauwerken ebenfalls. Das Aussteigen war so gut organisiert wie das Einsteigen. Am Kai ein Blick auf unser schwimmendes Hochhaus, das uns eine Woche durch fast heimische Gewässer fuhr. Noch fünf Taximinuten und wir waren wieder zuhause. Und manchmal, wenn wir mit dem Rad oder zu Fuß am Ufer entlang fahren oder gehen, dann sehen wir sie, die Orchestra, die uns acht Tage und sieben Nächte übers Wasser der Ostsee von Kiel nach Kiel brachte.

 

Fotos: R.Fander-H.Fander-Foto Renard Kiel-K.Welsch-G.Newiger