Und 2012 wieder einmal nach Ischia

von Karin Schöniger

Seit schon 2 Tagen sind wir wieder zurück von der sonnigen und turbulenten Insel Ischia. Es war alles in allem ein schöner Urlaub, wenngleich man sich erst einmal an die süditalienischen Verhältnisse gewöhnen musste. Der Morgen der Anreise ging eher daneben, wir hatten im Großraum Hamburg viele Staus und auch die Umleitungen waren verstopft. Wir brauchen normalerweise 1 Std. bis Flughafen, diesmal waren es 3 und wir kamen mit hängender Zunge und rauchenden Rollenkoffern 20 Min. vor Abflug an. Zum Glück war es die Lufthansa, so dass wir mit viel Wohlwollen rechnen konnten. Sie nahmen uns noch mit. In Frankfurt mussten wir umsteigen und kamen dann pünktlich in Neapel an D.h. der Flieger kam an, das nützte uns aber nichts. Wir konnten nicht raus, weil kein Transportbus vom Flugzeug zur Halle bereit stand.

Allgemeine Nervosität und Unmut, allerdings nicht von den Italienern... Vom Flughafen zum Hafen Neapel sind es ca. 40 km. Der Zubringerbus ist regelmäßig überfüllt. So auch diesmal. Wir mussten 1 St. warten, bis wir einen Platz ergatterten. Das nützte uns aber wieder nichts, denn wir kamen nicht durch Neapel. Es wurde demonstriert und bei dem Chaosverkehr in dieser Stadt geht dann wirklich nichts mehr. Die Fähre war weg, das war uns im Bus schon klar. Kollaps in Neapel habe ich schon mehrmals erlebt, diesmal aber mit einer neuen Variante. Der entnervte Busfahrer war wohl die Diskussionen mit den Fahrgästen leid, die lautstark die Abfahrt ihrer Fähren beklagten. Er schloß die Eingangstür und jagte alle !! Fahrgäste mit "Avanti Avanti" aus dem Bus - mitten an einer Kreuzung. Wir stürzten mit Gepäck auf die Straße und hatten keine Ahnung, wie es weiterging. Wir sprachen Passanten an und begriffen dann, dass wir den letzten halben Kilometer bis zum Hafen allein bewältigen mussten. D.h. mit den Koffern, jeder 20kg schwer. Urlaubsstimmung pur...

Am Hafen begriffen wir die Fahrpläne nicht und die Leute sprechen nur dieses blöde neapolitanisch, was auch kein anderer Italiener versteht. Ich natürlich auch nicht. Unsere Fähre war ja längst weg, ich kaufte dann irgendein Ticket nach Ischia, keine Ahnung wohin genau. Es gibt 3 Häfen auf der Insel. Ich wusste auch nicht, dass es ein Schnellboot ist, das hätte ich nicht freiwillig gewählt, es rast nämlich ziemlich turbulent über das Meer und die Fahrgäste müssen angeschnallt sein! Wir kamen natürlich ziemlich durchgeschüttelt in dem Hafen an, der von unserem Aufenthaltsort am weitesten weg lag. Doch immerhin kenne ich mich da aus. Ich finde den ZOB und weiß auch, wo man die Fahrkarten ergattert- nämlich in jedem Tabakladen oder Cafe.

Abfahrtszeiten für Busse gibt es sowieso nicht, die fahren nach Gefühl und Wellenschlag. Die Unterkunft war - zum Glück - nicht so schlicht, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte, aber sie lag sehr sehr hoch in den Bergen. Zu Fuß unmöglich. Ein Bus - tja - wann? Also immer einfach auf eine Mauer setzen und warten. Tatsächlich kommt einmal in der Stunde einer und wenn man ihn sieht, muss man mit beiden Armen wedelnd auf die Straße springen und ihn anhalten. Eigentlich muß man direkt vor den Bus springen, denn meistens sind die Busfahrer mit Gesprächen beschäftigt, manche haben auch laut Radio an. Lust zu halten haben sie nicht wirklich, besonders am ansteigenden Berg nicht... Haltestellen also nur auf Anforderung, auch beim Aussteigen.

Statt einer 1-Raum-Wohnung hatte man uns 2 Räume mit 2 Balkonen gegeben, weil es zunächst nachts sehr kalt war und diese Wohnung abends beheizt werden konnte. Alles andere war eher mehr Campingurlaub, besonders die kratzigen Wolldecken. ABER: Herrliche Aussicht, eine nette junge Schweizerin als Vermieterin und dadurch gute Informationen und Gespräche. Peter hatte die Aufgabe, das Essen und vor allem seinen Rotwein den Berg hoch zu schleppen. Gebraucht wurde auch sehr viel Katzenfutter, weil es sich bei den zugelaufenen Katzen sehr schnell herumspricht...

10 Tage ohne Fernsehen, 10 Tage ohne Radio, 10 Tage ohne Kaffeemaschine und Toaster, aber immerhin funktionierendem Heisswasserboiler. Die Sonne meinte es sehr gut mit uns und wir waren jeden Tag viel unterwegs. Man lernt dann auch, zwischen hupenden Autos einen Weg über die Strasse zu finden und begreift, dass die Läden eben nur von 9-12 Uhr geöffnet sind und dann wieder konsequent bis 17/17.30 Uhr geschlossen. Da sind sie sich einig. Allerdings kann man durchgehend überall etwas zu Essen bekommen, Cafes, Bars und Strandlokale haben alle geöffnet. Dort sitzt man stundenlang herum und guckt - einfach nur so.... Die Rückreise klappte wie am Schnürchen. Der Norden empfing uns mit Kälte und am nächsten Tag auch mit Regen. Meine Urlaubsbräune wird sich schnell verziehen, die braunen Füsse stecken in Wollstrümpfen.

Obwohl ich finde, dass diese Insel in Bezug auf Infrastruktur völlig bekloppt ist, fasziniert mich das Leben dort immer aufs Neue. Die Ausblicke sind allesamt wunderschön, die Insel hat durch Ginster, Jasmin und die vielen Zitronenbäume einen guten Duft und die Insulaner sind auch genauso, wie Lieschen Müller sich den Süditaliener vorstellt.

Leicht perfektionistisch, wie ich leider bin, kann ich dort so meine Studien treiben und möchte es noch viele Jahre! Zu begreifen, dass ohne Pläne und Organisation alles irgendwie auch funktioniert und mich auf das "irgendwie" einzulassen, ist für mich eine Bereicherung.