Unsere erste Flusskreuzfahrt

von Gabi Braune

Lange haben wir sie gewollt und nun endlich in Angriff genommen

unsere erste Flusskreuzfahrt

Natürlich erst mal zum „Schnuppern“. Und dann ging es los. Am 1. Mai 2016 bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir gen Köln, um uns dort noch vor Abfahrt unseres Schiffes umzuschauen. Unser Hotel war direkt am Bahnhof und es waren keine 10 Minuten zur Anlegestelle unseres Schiffes. Leider wurde das Schiff kurzfristig auf die gegenüberliegende Seite des Rheins verlegt, so mussten wir am Montag nun doch eine Taxe nehmen, um mit unserem Gepäck auf die andere Rheinseite zu gelangen. Bis dahin hatten wir aber noch reichlich Zeit uns etwas in Köln umzusehen. Direkt neben unserem Hotel war der Kölner Dom. Der Vorplatz vom Dom sowie die Innenstadt und natürlich auch die Rheinpromenade waren voller Touristen aus allen Ländern. Doch sehr schön fand ich Köln nicht.

Gegen Mittag ließen wir uns dann zu unserem Schiff fahren. Bevor es ans „Einchecken“ ging, konnten wir es uns noch etwas auf dem Sonnendeck gemütlich machen, aber kurz vor 15.00 Uhr ging es dann los.  Unsere Kabine hatte ein kleines Bad und zwei Einzelbetten, die morgens und abends vom Zimmerservice entweder zum Schlafen oder als Couches zum Sitzen hergerichtet wurden. Wir packten dann unsere Koffer aus und trafen uns anschließend mit den 110 Gästen im Salon, wo wir Sicherheits- und Ausflugsinformationen erhielten. Vor unserem Abendessen trafen wir uns nochmal im Salon zum Empfangscocktail. Und dann ging es los mit dem Vier-Gänge-Menü. Die Tische waren wunderschön eingedeckt und das Servicepersonal war einfach super. Wir hätten an sich jeden Gang fotografieren müssen, so hübsch war alles angerichtet und es schmeckte wunderbar. Gegen 21.00 Uhr gingen wir dann ziemlich satt in unsere Kabine. Unsere Betten waren aufgebaut und wir konnten uns mit dem vollen Magen gleich reinlegen. Ein leichtes Brummeln vom Schiffsmotor ließ uns dann auch bald auf den wirklich guten Betten einschlummern.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, denn gegen 9.00 Uhr sollte unsere Stadt- und Grachtenrundfahrt beginnen. Wir waren über Nacht von Köln nach Amsterdam gefahren und hatten den Anlegeplatz ganz nah zur Innenstadt, so dass wir kaum Zeit für die Anfahrt verloren.

Amsterdam ist ein wichtiger Hafen und die Hauptstadt der Niederlande. Der Sitz der Regierung ist jedoch das 50 km entfernte Den Haag. Die Niederlande haben 17 Millionen Einwohner und 18 Millionen Fahrräder. Amsterdam liegt 7 Meter unter dem Meeresspiegel, daher sind die Holländer bekannt als Fachleute für „trockene Füße“ in ihrem Land und werden auch gern von anderen Ländern in Fragen des Deichbaus um Rat gefragt. In Amsterdam wurden die Häuser früher auf Holzpfähle gebaut, und diese sind im Laufe der Jahrhunderte langsam vermodert. Daher machen die historischen Stadtteile Amsterdams einen leicht „schiefen“ oder „verzerrten“ Eindruck. Amsterdam steht auf rund fünf Millionen Holzpfählen, die wegen des feuchten, sandigen Untergrundes notwendig sind. Heute werden wegen längerer Haltbarkeit, einfacherer Baumethoden und größerer Tiefe Betonpfähle verwendet. Allein der Hauptbahnhof steht auf rund 8.600 Pfählen!

Da in der Geschichte Amsterdams die Grachten einen der Haupttransportwege für Güter und Menschen darstellten, war es üblich, die Steuern für ein Gebäude nach seiner Breite am Kanal zu bemessen. Folglich entstanden in Amsterdam vorwiegend Häuser, die sehr schmale Vorderfronten entlang der Grachten aufweisen, dafür aber, um genügend Wohnraum oder Lagerplatz für Güter zu bieten, verhältnismäßig lang und hoch sind. Diese Bauweise eignete sich allerdings nicht für die Anlage breiter Treppenhäuser; vielmehr waren die Treppenhäuser meist zu schmal für sperrige Güter oder Möbel. Gegenstände, die nur schwer über das Treppenhaus zu transportieren waren, wurden stattdessen über die oberen Fenster ins Haus befördert. Um diesen Vorgang zu erleichtern, befinden sich an den Giebeln vieler historischer Gebäude vorstehende Balken, an denen sich Flaschenzüge anbringen lassen. Weiterhin sind viele Fassaden leicht nach vorne geneigt, das ist architektonisch so gewollt und wird „op vlucht“ gebaut genannt. Die Vorneigung beträgt 0,2–2,5 cm pro Höhenmeter. Die Giebel konnten wegen der Enge nicht in die Breite gebaut werden, dafür wurden sie in reicher Ausführung in die Höhe gebaut. Giebelvariationen aus vier Jahrhunderten prägen die Altstadt. Treppengiebel, Schnabelgiebel, Glockengiebel und Leistengiebel sind besonders häufig zu sehen.

Zahlreiche jahrhundertealte Denkmäler zieren den Stadtkern. Fast 7.000 Kaufmanns- und Lagerhäuser sowie beinahe 1.300 Brücken aus dem 16. bis 18. Jahrhundert zeugen von diesem „Goldenen Zeitalter“. Die Handelshäuser wurden entlang der 165 Grachten gebaut, die als Transportwege genutzt wurden, um die schnelle Verteilung der Importwaren in der Stadt und zu den Handelskontoren zu bewerkstelligen. Der Amsterdamer Grachtengürtel wurde 2010 auch in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Gerade bei einer Grachtenfahrt hat man einen tollen Blick auf die alten Häuser und natürlich die Hausboote, die überall zu finden sind. Wer so ein Hausboot besitzt, hat meist ein kleines Boot, um von A nach B zu kommen oder ein Fahrrad. Ein Auto ist hier total überflüssig. Allerdings konnten wir bei unserer Busfahrt auch tolle neue Bauten der niederländischen Architekten bewundern.

Gegen Mittag waren wir zu unserem nächsten 4-Gang-Menü wieder an Bord. Einige Mitfahrer nahmen dann am Nachmittag an einer Fahrt zum Keukenhof teil.

Der Keukenhof ist das internationale und selbständige Schaufenster der niederländischen Blumenzucht, mit dem Schwerpunkt auf Blumenzwiebeln. In acht Wochen zeigt Keukenhof was die niederländische Blumenzucht zu bieten hat. Im Park konzentriert sich der Schwerpunkt auf die 7 Millionen Frühjahrsblumenzwiebeln, wobei 100 Züchter ihren lebendigen Katalog zur Schau stellen. In mehr als 20 Blumenschauen präsentieren 500 Blumenzüchter Schnittblumen und Topfpflanzen in all ihrer Vielfalt. 1950 öffnete der Frühlingspark Keukenhof zum ersten Mal und verbuchte einen sofortigen Erfolg von 236.000 Besucher. 2016 findet die 67. Ausgabe mit dem Thema „Das Goldene Zeitalter“ statt. In diesen 66 Jahren hat sich Keukenhof zu einem weltweiten Begriff entwickelt.

Da wir auf unseren Ausflügen an vielen riesigen Tulpenfeldern vorbeikamen, haben wir statt des Ausflugs uns nochmal die Amsterdamer Innenstadt angesehen. Das gestaltete sich allerdings schwierig, da viele Touristengruppen in der Innenstadt waren und man kaum vorwärts kam. Nach zwei Stunden hatten wir dann auch „runde Füße“ und gingen wieder zurück aufs Schiff. Natürlich hätten wir jetzt Kaffee und Kuchen haben können. Doch die Aussicht auf unser Bulgarisches Abendessen (natürlich wieder 4 Gänge) mit anschließendem Folkloreabend ließ uns lieber auf den Kuchen verzichten.

Nachts gegen 3.30 Uhr fuhren wir dann weiter nach Enkhuizen und wurden dort nach einem guten Frühstück gegen 8.30 Uhr von unser Reiseleiterin zu einer Käserei gefahren. Man konnte viel probieren und sollte natürlich auch viel kaufen. Zwei Stück Käse haben wir dann auch erworben. Danach ging es weiter zum Mühlenmuseum. Um der Nachwelt die noch von 1.000 Windmühlen übriggebliebenen 50 zu erhalten, gründete ein Verein 1928 das Mühlenmuseum, in dem man alles über die Geschichte und den Betrieb der Windmühlen erfahren konnte. Eine Ölmühle ist noch in Betrieb und in der wurde uns der aufwendige Arbeitsvorgang gezeigt wie aus Erdnussabfällen Öl gewonnen wurde. Ähnlich wie unser Freilichtmuseum standen zwischen den verschiedenen Mühlen kleine Häuser, in denen früher die Müller gewohnt hatten. Diese Häuser werden auch vermietet. Doch ich möchte nicht, dass mir ständig Leute in die Fenster gucken.

Zum Mittagessen waren wir dann wieder auf unserem Schiff und es ging weiter nach Hoorn, einem kleinen beschaulichen Städtchen ähnlich wie Stade. Hier gefiel es mir sehr gut. Die Stadt hat viele historische Baudenkmäler und ist ein beliebter Ausflugshafen am Markermeer. Es gibt Eisenbahnverbindungen nach Amsterdam, Alkmaar und Enkhuizen und eine Museumseisenbahn nach Medemblik . Im Sommer fahren von einer Dampflokomotive gezogene Züge.

Gegen 19.00 Uhr fuhren wir dann weiter. Diesmal bekamen wir als Abendessen „Piratenschmaus“ und wurden als Gag von Piraten bedient, die uns diesmal aber die Teller mit dem Essen mehr hinschmissen als servierten. Auch unsere Betten waren unordentlich und mit komischen Figuren versehen. Nach dem Abendessen gab es dann noch eine Show von der Crew; doch da waren wir auch schon wieder unterwegs Richtung Nijmegen. Auch in den Niederlanden ist der 5. Mai Himmelfahrt und so lag Nijmegen noch im Tiefschlaf als unser Stadtrund-gang um 9.00 Uhr begann. Unsere Reiseführerin konnte wunderbar erklären und die Stadtgeschichte mit vielen Geschichten gut rüberbringen.

Gelegen auf einem Höhenrücken an dem Ufern des Waal übt die Stadt bereits seit Jahrhunderten eine große Anziehungskraft auf die Menschen aus. In der Umgebung, dem ‘Rijk van Nijmegen’, stoßen viele Land-schaftstypen aufeinander. Hügel, Wälder, Polder und Bäche. Die Stadt liegt mitten in der Natur, mit viel Grün und Wasser, und bietet sowohl dem Bewohner als auch dem Besucher zahlreiche Erholungs- und Entspannungsmöglichkeiten.

Nijmegen liegt im Osten der Niederlande, nahe der deutschen Grenze und zählt ungefähr 160.000 Einwohner.
Es ist geschichtlich nachgewiesen, daß sich die Römer auf dem strategischen Hügel der Stadt niederließen und ihre Siedlung "Noviomagus" nannten. Das Besteigen des Turmes der St.Stevenskirche lohnt. Der Ausblick über Stadt und Land ist bei schönem Wetter atemberaubend.

Die Universität von Nijmegen ist eine der führenden im Lande, bekannt durch die grünen Anlagen, modernen Gebäude und die künstlerische Einrichtung. Sie umfasst acht Fakultäten, an denen sich jährlich 13.000 Studenten für 60 Studienrichtungen einschreiben.

Am 22. Februar 1944, im Zweiten Weltkrieg, wurde Nijmegen durch ein alliiertes Bombardement stark zerstört: Nachdem eine Mission auf Gotha (dort befand sich ein Werk der Messerschmitt AG) abgebrochen worden war, erlagen die zurückfliegenden Bomberbesatzungen auf der Suche nach einem Sekundärziel vermutlich dem Irrtum, das deutsche Kleve anzufliegen. Etwa 500 Menschen starben, darunter alle Menschen in einem Schulgebäude. Im September 1944 erlitt Nijmegen weitere Kriegsschäden während der Schlacht um Arnheim. Im nahe gelegenen Klever Reichswald und im Umfeld der heutigen Stadt fand zudem im Februar 1945 die sogenannte Schlacht im Reichswald statt. Nach dieser Schlacht konnten die Alliierten bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein schlagen und von dort aus das Ruhrgebiet einnehmen.

Nach dieser interessanten Führung und dem Versprechen der Reiseführerin, dass gegen Mittag die Geschäfte sicher öffnen würden, gingen wir zurück zu unserem Schiff, um uns mal wieder ein Vier-Gänge-Menü zu gönnen. Da mein Mann danach lieber die horizontale Lage einnehmen wollte, machte ich mich nochmal auf den Weg in die Innenstadt. Die Geschäfte hatten nun auf und die Straßen und die Straßencafe´s waren voll, da es durch die Sonne richtig warm geworden war. Es zeigte sich ein ganz anderes Bild als morgens. Bei dem Lärm, der jetzt in den Straßen war, hätten wir bestimmt nicht soviel von den Ausführungen unserer Reiseleiterin mitbekommen.

Gegen 16.00 Uhr ging es dann weiter Richtung Köln. Gegen 18.30 Uhr gab es noch vor dem Gala-Dinner den Kapitäns-Cocktail. Einige hatten sich richtig festlich angezogen, andere sehr luschig, aber viele auch „angemessen“.Das Gala-Dinner dauerte sehr lange, da zwischendurch noch 2 kleine Torten an Gäste verteilt wurden, die heute Geburtstag hatten. Wie auf dem „Traumschiff“, und natürlich zum krönenden Abschluss die Eisbombe mit Wunderkerzen. Die Mannschaft hat sich sehr viel Mühe gegeben, damit dies ein toller Abschluss wurde.

Danach habe ich die restliche Fahrt am Fenster verbracht, denn wir fuhren in eine Schleuse ein, was sehr interessant war. Und danach sah man in der aufkommenden Dunkelheit die vielen Lichter der Industrieanlagen oder der am Ufer liegenden Städte. Dann ab in die Koje, denn am nächsten Morgen mussten wir schon bis 7.30 Uhr unsere gepackten Koffer zum Abholen vor die Kabinentür stellen und wir selbst gegen 8.30 Uhr das Schiff verlassen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem Lunchpaket für unterwegs gingen wir dann ziemlich als Erste von Bord, da wir kein Bustransfer o.ä. in Anspruch nehmen mussten, denn unser Schiff hatte diesmal nahe beim Bahnhof angelegt. Keine 10 Minuten und wir waren bei unserem Wagen und konnten uns nach einem Tankstopp auf die Heimreise machen. Bei strahlendem Sonnenschein waren wir bei wenig Verkehr in 5 Stunden wieder zuhause.